Kinowelterfolg ist auch auf der Bühne ein Hit

BZ: Timothy Peach und Felix Frenken waren einfach großartig als „Ziemlich beste Freunde“ auf der Bühne des PZ
BZ: Timothy Peach und Felix Frenken waren einfach großartig als „Ziemlich beste Freunde“ auf der Bühne des PZ
Foto: Eiden, Julia

Meggen.  . „Ziemlich beste Freunde“, als Bühnenfassung des Kinowelterfolgs, begeisterte vollauf die Besucher des ausverkauften PZ in Meggen. Zugegeben: die gleichnamige, biografische Filmvorlage ist einfach Spitzenklasse. Und so fragte man sich vor der Veranstaltung, wie wohl die Handlung mit den spektakulären Auto-Szenen auf den begrenzten Raum der Bühne gebracht werden könne. Sie kann, mit Erfolg - gerade ohne Action..

In der zurückgenommenen Geschwindigkeit der Bühnenfassung gewinnen die feinen zwischenmenschlichen Schwingungen - jeder beredte Augen-Blick, jede Geste - an Aussagekraft, wird der Blick des Zuschauers auf das Wesentliche fokussiert.Letztendlich ermöglichten das die hervorragenden Schauspieler, allen voran Timothy Peach und Felix Frenken.

Gegensätze

Ersterer als Philppe: unendlich reich, aber nach einem Sportunfall vom Hals abwärts gelähmt, dazu depressiv nach dem Tod seiner jungen, geliebten Frau. Und Frenken als sein neuer Pfleger Driss, der achtjährig aus dem Senegal in die Pariser Vorstadt kam. Als junger Erwachsener wurde er straffällig, fühlt sich von Familie und Gesellschaft ausgegrenzt.

Perfekt in Philippes Ambiente passte Sara Spennemann als seine Sekretärin und Betreuerin Magalie, aus deren notwendig standesgemäßen Zurückhaltung der Schalk durchblitzte. Vierter im Bunde war Michel Haebler, der den unangenehm „typischen“ Pfleger darstellte und von Philippe sofort wieder entlassen wurde.

Denn er will kein Mitleid, und von Driss bekommt er das auch nicht. Unheimlich witzig und ziemlich durchgeknallt gibt der sich,ist dabei ständig tänzelnd in Bewegung, schamlos mit Magalie flirtend und scheinbar gar nicht beeindruckt von der ihn umgebenen Vornehmheit oder gar vom Schicksal seines Arbeitgebers. Peach als Philippe hingegen, zur Bewegungslosigkeit verdammt, wirkt unberührt von den Ausbrüchen des jungen Pflegers, verzieht keine Miene.

Bis zu jener Nacht, in der er vor Schmerzen erbärmlich schreit, ihn Driss aus dem Bett holt und mit ihm einen Joint raucht. Die zwei Männer öffnen sich ganz vorsichtig einander, die schützende Mauer der Coolness bei Driss und der distanzierten Selbstbeherrschung bei Philippe bricht auf. Außenseiter sind sie beide, der eine sozial, der andere durch seine Erkrankung und damit für ihre Umwelt „Unberührbare“, um dem französischen Filmtitel gerecht zu werden.

Ergreifend

Eine ergreifende Szene, in der ein Strahlen Philippes Gesicht regelrecht erhellt, in der sie schließlich herzhaft miteinander lachen und beinahe weinen: der Beginn einer echten Männerfreundschaft. Unbeschwerte Zeiten folgen, in denen Driss dem so lange Depressivem wieder neuen Lebensmut, Freude am – wenn auch eingeschränktem – Leben schenkt. Großartig, wie Peach diese körperliche Starre auch in den lebhaften Auftritten durchhält, lediglich seinen Kopf bewegt. Tja, und dann tritt auch noch – dank Driss – wieder eine Frau, Eleonore (Sara Spennemann), in sein Leben.

Das Publikum spendete lang anhaltenden Applaus für großes Theater auf kleinem Raum, der trotzdem nichts vermissen ließ.

 
 

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