Kickenbacher betreibt vier Wasserkraftanlagen

André Bäcker vor seiner Wasserkraftanlage in Kickenbach.
André Bäcker vor seiner Wasserkraftanlage in Kickenbach.
Foto: WP

Kickenbach..  Die Wassermühle klappert nicht und die Lenne ist derzeit auch kein rauschender Bach. Aber ansonsten bedient das Fleckchen Erde am Kickenbacher Hammer das Klischee des Volkslieds. Mit viel Herzblut und Detailverliebtheit hat André Bäcker dort ein Idyll mit alten Mühlsteinen und vielen nostalgischen Applikationen geschaffen und man glaubt nicht, dass das Alles modern und neu ist.

Während andere „Energiewender“ auf Sonne und Windkraft setzen, hat sich der 49-Jährige ganz der Wasserkraft verschrieben. Mit dem Langeneier Hammer fing es 1987 an, sieben Jahre später kam der Kickenbacher Hammer dazu, 1998 kaufte er eine Wasserkraftanlage bei Bitburg, seit 2002 betreibt er auch noch den Störmecker Hammer.

Sein Vater war Betriebsleiter bei den Dortmunder Energie- und Wasserwerken. „Er sagte damals, so etwas können wir auch im Kleinformat im Sauerland machen“. 1994 kauften sie 200 Meter oberhalb des alten Kickenbacher Hammerwerks ein Grundstück direkt an der Lenne, die dort eine Staustufe mit großem Gefälle hat.

Aus Stahl und Beton entstanden dort Obergraben, Turbinenraum und Werkstatt. Über den Technikräumen baute André Bäcker 2002 sein idyllisches Wohnhaus. Das Surren der Turbinen hört er nicht mehr. „Aber wenn nachts eine ausfällt, werde ich wach“, sagt der Diplom-Ingenieur für Wasserwirtschaft, der seinerzeit seine Diplomarbeit über den Bau der Anlage schrieb.

Zupinger Wasserrad

Vor vier Jahren kam eine Wasserradanlage dazu. Das riesige Holzrad mit sieben Metern Durchmesser ist der Hingucker am Kickenbacher Hammer. Das Betriebsgebäude in Form einer Sauerländer Scheune mit Remise gegenüber dem Wohnhaus und ein kleines Backhaus machen das Idyll an der Lenne perfekt.

Zwei Stunden täglich und der freie Samstag gehen für Wartung und Instandsetzung drauf.

Der gewonnene Strom, bis zu 320.000 kw/h pro Jahr, abzüglich des Eigenbedarfs, wird ins RWE-Netz eingespeist. Die Vergütung zwischen 7,67 und 11,67 Cent pro kw/h, je nach ökologischem Standard, zum Beispiel mit oder ohne Fischtreppe, liegt zwischen Windenenergie und Photovoltaik. Der Vorteil zu anderen regenerativen Energien: Die Anlage steht nie still. „Wasserkraft ist eine stetige Energie und es gibt keine Spannungsspitzen“, erklärt Bäcker.

Dennoch werde Wasserkraft keine größere Rolle bei der Energiewende spielen. „Das Zubaupotenzial ist dafür nicht groß genug.“ Somit bleibt die Wasserkraft für Andre Bäcker, der hauptberuflich bei der Baufirma Mees arbeitet, ein Hobby. Nicht ganz, denn wenn die Kredite für die Investitionen im sechsstelligen Bereich irgendwann zurückgezahlt sind, werden die Anlagen Rendite erwirtschaften. Bäcker: „Ich sehe das als Rentenversicherung.“

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