Kemmerich stellt Antrag auf Insolvenz

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Banken haben Vorschläge zur Refinanzierung wider Erwarten abgewiesen. Insolvenzverwalter will Unternehmen erhalten

Attendorn..  Die Geschäftsleitung der Gebr. Kemmerich GmbH hat Freitag beim zuständigen Amtsgericht in Siegen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für das Traditionsunternehmen sowie die Tochtergesellschaft Werkzeugbau Gebr. Kemmerich GmbH & Co. KG im sächsischen Gröbern gestellt.

Das Insolvenzgericht hat Rechtsanwalt Dr. Jan Phillip Hoos von der Kanzlei White & Case (Düsseldorf) zum vorläufigen Insolvenzverwalter beider Gesellschaften bestellt.

„Wir wollen die Chance nutzen, mit den Instrumenten der Insolvenzordnung das gesunde operative Geschäft von Kemmerich so reibungslos wie möglich fortzuführen sowie unsere Finanzierung und unsere Bilanzstruktur neu aufzustellen“, erklärt Thomas Bergen, seit 2010 Geschäftsführer beim Automobilzulieferer Kemmerich.

Insolvenzgeld sichert Löhne

Bergen weiter: „Wir alle werden den vorläufigen Insolvenzverwalter dabei unterstützen, das Unternehmen fortzuführen und die Zukunft von Kemmerich zu gestalten“.

Er greife den Erkenntnissen des vorläufigen Insolvenzverwalters sicher nicht vor, wenn er darauf verweise, dass KPMG als eines der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Kemmerich erst jüngst testiert hat, dass der Automobilzulieferer mit seinen Prozessen und weiteren Strategie technisch, strukturell und leistungswirtschaftlich gut aufgestellt ist. „Gemeinsam mit meinem Team und in Abstimmung mit den Kunden werde ich alles daransetzen, das Traditionsunternehmen dauerhaft zu erhalten. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert. Eine Insolvenzgeldvorfinanzierung ist bereits in die Wege geleitet“, so der vorläufige Insolvenzverwalter.

Der Antrag war geboten, nachdem die Banken Vorschläge des Unternehmens zur Refinanzierung wider Erwartenzurückgewiesen hätten.

Auch Andre Arenz, der erste Bevollmächtigte der IG Metall im Kreis Olpe, äußerte sich gestern auf Anfrage verhalten optimistisch: „Die Firma Kemmerich hat gut zu tun, und es hat ja durchaus schon Insolvenzen im Kreis Olpe gegeben, die positiv ausgegangen sind.“ Er stehe im engen Austausch mit dem Insolvenzverwalter, der ihm zugesichert habe, die Arbeitnehmer-Interessen zu berücksichtigen.

Gegründet 1897

Das Unternehmen wurde 1897 von Albert Kemmerich in Attendorn gegründet und ist bis heute als Spezialist für Metallverarbeitung in Familienbesitz. Seit 50 Jahren ist Kemmerich als Zulieferer in der internationalen Automobilindustrie etabliert. Kemmerich Metal Engineering konzentriert sich darauf, hochwertige Stanz-, Zieh- und Biegeteile aus unterschiedlichen Materialien mit dem Anspruch an Leichtbau zu konstruieren und zu produzieren.

Weltweit beschäftigt Kemmerich rund 1000 Beschäftigte – im Attendorner Stammhaus (rund 650 Mitarbeiter), dem Werk in Niederau-Gröbern (rund 80 Beschäftigte) sowie Werken in Valencia (Spanien), Valasská Polanka (Tschechien) und seit 2015 auch in Auburn (Alabama). Der Umsatz betrug zuletzt rund 200 Mio. Euro.

 
 

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