Keine Zeugen für fatale Fahrt mit Schrottauto

Mit diesem Burn-Out-Auto wurde der 27-Jährige in Dumicke überrollt.
Mit diesem Burn-Out-Auto wurde der 27-Jährige in Dumicke überrollt.
Foto: WP

Olpe/Dumicke..  In der Nacht zum Samstag, 6. Juli 2013, kam es zur mysteriösen Fahrt des „Burn-Out-Autos“. Ein 27-Jähriger wurde in Dumicke „An der Schlade“ von dem Schrottgefährt überrollt und erlitt schwerste Verletzungen. Nach 20 Monaten endete die Fahrt gestern vor den Schranken des Olper Gerichtes.

Das Jugendschöffengericht konnte nach zwei Verhandlungstagen mit 24 Zeugen jedoch auch kein Licht in die nächtliche Horrorfahrt bringen. Vor einem Jahr hatte Staatsanwalt Stephan Krieger im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, dass wie bei einem Kapitaldelikt ermittelt worden sei. Die Ermittlungsakten waren 800 Seiten stark. Die Polizei hatte alle Gäste des Polterabends vernommen, doch offenbar wollte schon damals keiner mit der Sprache herausrücken. Kurz: Im Dorf hielt man sich bedeckt.

Rückblende. Seit einigen Jahren gibt es in Dumicke und Umgebung bei Polterabenden einen seltsamen Brauch. Freunde des Brautpaares präparieren ein ehemaliges Serienfahrzeug für eine letzte Fahrt mit dem Ziel der völligen Zerstörung: Bauteile werden verändert, und das Auto wird absichtlich kaputt gefahren. „Burn-Out-Autos“ stehen kurz vor der Schrottreife und sind weder versichert noch versteuert.

Schwerste Verletzungen

Fakt ist: Ein 27-Jähriger wurde gegen 2.30 Uhr auf dem Weg vom Polterabend zum Taxi von dem „Burn-Out-Auto“, einem ausrangierten Ford Escort, überrollt. Er erlitt eine Leberquetschung, mehrere Brüche, Prellungen und schwere Schürfwunden. Die irrsinnige Fahrt hätte tödlich enden können. Gottlob hat der 27-Jährige den Unfall ohne bleibende Schäden überstanden.

Ein LKA-Gutachten untersuchte sichergestellte Stoffbündel am Unterboden des Fahrzeuges. Beim Abgleich mit der Jeans des Geschädigten wurde Übereinstimmung festgestellt. Auch die Dekra kam zum Schluss, dass der 27-Jährige mit dem Burn-Out-Auto überfahren worden sein muss.

Allerdings blieb auch gestern im Gericht offen, ob der angeklagte 20-Jährige das Schrottauto zu diesem Zeitpunkt gegen 2.30 Uhr gefahren hat. Er selbst hatte nur eine frühere Fahrt nach Mitternacht eingeräumt und behauptet, er habe den Geschädigten anschließend noch getroffen. Widerlegen konnte ihm das Gericht dies nicht, so dass die angeklagte fahrlässige Körperverletzung vom Tisch war. Es blieb nur ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz für die vom Angeklagten eingeräumte Fahrt.

Deshalb regte Staatsanwältin Diana Ledwon die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 500 Euro Geldbuße an. „Das freut mich“, meinte Verteidiger Martin Kretschmer: „In der Tat ist es so, dass man hier den Nachweis nicht führen kann, wer das Fahrzeug beim Unfall geführt hat.“ Die Fahrt des Angeklagten sei früher nach Mitternacht gewesen. Um 1.39 Uhr sei der Geschädigte noch gesund am Straßenrand gesehen worden: „Es steht mit Sicherheit fest, dass er nicht der Fahrer war.“ Die eineinhalb Jahre bis zur Verhandlung seien für den 20-Jährigen nicht einfach gewesen, so Kretschmer, der von einem Spießrutenlauf sprach.

Das Gericht war mit der Einstellung auf Kosten der Landeskasse einverstanden. Der Angeklagte muss seine Auslagen selber zahlen. „Für das eigentliche Tatgeschehen gibt es keine Zeugen. Es lässt sich nicht klären, wer die Fahrt gemacht hat“, brachte es Richter Richard Sondermann auf den Punkt. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund gewisser Indizien Anklage erhoben habe. Sie sei von nur einer Fahrt nach Mitternacht ausgegangen. Die Beweisaufnahme habe aber ergeben, dass zwei Fahrten stattgefunden hätten, was auch eine Zeugin bestätigt hatte.

Übrigens wurden im Vorfeld auch die Verfahren gegen weitere Personen, die vor Mitternacht mit dem unbeleuchteten und mit Kuhmist übersäten Schrottauto eine Runde durch Dumicke gedreht hatten, gegen eine Geldbuße eingestellt. Beim Polterabend im Festzelt war es extrem laut, die Musik voll aufgedreht. Der Höllenlärm des Burn-Out-Autos soll dies allerdings noch übertroffen haben.

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