Immer wieder sonntags rückt der Bagger an

Welschen Ennest..  Die Welschen Ennester haben gelernt, mit der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke zu leben – seit mehr als 150 Jahren. Trotz aller Behinderungen gab es kaum Beschwerden. Aber jetzt scheint die Toleranz ausgereizt zu sein. Denn immer wieder sonntags und feiertags, auch zur Nachtzeit, wird das Wohnen und Leben nahe der Bahntrasse zur Tortur. So erfuhren die Anlieger des Bahnhofs-Areal in den letzten Tagen wieder „ein Erlebniswochenende mit nachhaltigem Wert“, so Reinhard Hesse, der am Steilen Weg unweit des Bahnhofs wohnt. „Nach vielen Wochen der Untätigkeit, pünktlich am Vorabend des Himmelfahrtstages, wurde die nächste Phase der Umgestaltung der Bahnanlagen begonnen“, so Hesse.

Der Bahnsteig wird derzeit innerhalb der Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe in NRW saniert. Schwere Schienenfahrzeuge, Bagger und Lkw rückten an. Rund um die Uhr, in Tag und Nachtschicht, wurde der alte Mittelsteig abgebaut und entfernt.

Lärm rund um die Uhr

Betonsteine, Stützmauern, Geröll und Schotter wurden auf Lastwagen verladen und an anderer Stelle des Bahngeländes wieder abgeschüttet. Riesige Scheinwerfer verwandelten die Nacht zum Tag. „Schier unerträglicher Baustellenlärm, meterhohe Staubwolken, Bagger und Lkw-Geräusche vermittelten ein beeindruckendes Szenario, dann ab und an getoppt von Sicherheits-Signaltönen, die selbst der letzten Wühlmaus unter der Erde Angstschauer einflößten“, so Reinhard Hesse.

Wie alle Welschen Ennester ist auch er froh, dass sich am Schandfleck des Ortes etwas tut. Aber leider fast immer nur am Wochenende, weil dann der wenigste Verkehr über die Ruhr-Sieg-Strecke rollt. „Seit mehreren Jahren sind wir ähnliche Szenarien gewohnt. Aber das vergangene Brückentag-Wochenende vermittelte nochmal gesteigerte Qualität“, so Hesse. Seine Nachbarn „fliehen“ regelmäßig in einen Kurzurlaub, wenn die Bahnarbeiter anrücken. „In den nächsten Wochen werden wir wohl noch einige Erlebniswochenenden genießen dürfen“, vermutet er. Dann steht die Beseitigung der alten Unterführung und des Stellwerks an. Wie lange das dauern wird, weiß niemand. Ein Bahnsprecher war gestern nicht zu erreichen.

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