Gläserne Haut für das Olper Rathaus

Der Olper Architekt Axel Stracke legt seinen eigenen Plan zum Thema Rathaus vor. Durch eine Glasfassade soll das hoch aufragende Gebäude ein neues Gesicht erhalten und darüber hinaus nur noch minimal Energie verbrauchen.
Der Olper Architekt Axel Stracke legt seinen eigenen Plan zum Thema Rathaus vor. Durch eine Glasfassade soll das hoch aufragende Gebäude ein neues Gesicht erhalten und darüber hinaus nur noch minimal Energie verbrauchen.
Foto: WP
Der alteingesessene Olper Architekt überrascht mit einem eigenen Plan zum Thema Rathaus.

Olpe. Ein Bauchgefühl sei es gewesen. Ein Bauchgefühl, dass ein gerade mal 40 Jahre junges Rathaus nicht marode sein könne. Das sagt Axel Stracke, alteingesessener Olper Architekt, zu seiner Motivation, sich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen. Zudem sehe er seine Einmischung als eine gebotene Form der Bürgerpflicht. Und diese Bürgerpflicht nimmt bei Stracke ganz konkrete Formen an: „Ich wollte einfach meinen Beitrag zur Diskussion leisten.“

Der „Beitrag“ kann sich im wahrsten Sinn des Wortes, als perspektivische Zeichnung, sehen lassen. Völlig neu: Das Rathaus bleibt genau dort stehen, wo es ist, erhält aber eine moderne durchgängige Glas-Fassade. Eine Art zweite Haut, durch die es atmen kann. Stracke: „Die Glasfassade steht etwa 20 cm vor der jetzigen. Der Zwischenraum erwärmt sich und wirkt wie ein klimatischer Puffer.“ Über moderne Klimatechnik werde Wasser erwärmt, gespeichert und der Beheizung zugeführt. Stracke ist überzeugt: „Die energetischen Kosten für das Gebäude können so auf ein Minimum zurückfahren werden.“

Zum Stracke-Plan gehört auch, sämtliche Fenster aus den 70-er Jahren durch moderne dreifach verglaste zu ersetzen und die Brüstung zu erneuern. Kommentar

Durch die durchgängige Glas-Fassade gewinne das Rathaus auch gestalterisch. Es verliere fürs Auge an Höhe im Gegensatz zum jetzigen Wechsel zwischen Fenster und Brüstung.

Breiter Blick Richtung Bahnhof

Der untere Teil des Rathauses mit Sitzungssaal, so Stracke, bleibe weitgehend unberührt, erhalte ebenfalls neue Fenster und sanierte Brüstungen. Um das neue Bahnhofs-Areal sichtbar besser anzubinden, würde er lediglich die Überdachung über der Tief-Garage Richtung Lyzeum wegnehmen und durch eine breite Treppe ersetzen. Stracke, der über langjährige Erfahrungen in der Kirchensanierung verfügt, versichert bei all den Maßnahmen: „Seriös kalkuliert würde das Kosten von nicht mehr als 6,6 Mio. Euro verursachen.“

Nachdem er mit Glas-Experten gesprochen habe, schätzt Stracke die Kosten für die neue zweite Haut inklusive der Klimatechnik auf rund drei Mio. Euro. Für neue Fenster, Gerüstbau und die Erneuerung der Brüstungen seien noch einmal drei Mio. Euro zu veranschlagen, dazu etwa zehn Prozent Nebenkosten.

Fest steht für den Architekten: „Von den bisher kalkulierten Kosten für einen Neubau oder eine Sanierung sind wir damit weit entfernt, eher in dem Bereich, wofür derzeit ein Lehrschwimmbecken in Olpe gebaut wird.“

Zur Erinnerung: Laut Maßnahmen-Wirtschaftlichkeits-Berechnung der Gesellschaft VBD lag die erste Schätzung für einen Rathaus-Neubau bei rund 11,8 Mio. Euro, zuletzt war von über 13 Mio. Euro die Rede (wir berichteten).

Zweifel an Zahlen des Gutachtens

Die Zahlen zweifelt Stracke allerdings an. Allein die VBD-Kalkulation für den Abriss des jetzigen Rathauses sei völlig unrealistisch: „Da steht die Summe von 456 400 Euro, deutlich zu niedrig. Man kann da nicht einfach mit der Kugel reinhauen. Es handelt sich um eine Stahlbeton-Skelett-Konstruktion. Die müssen sie runtersägen.“ Für Stracke steht fest: „Das geht nicht unter einer Million Euro.“

Auslöser für den Architekten, noch einmal nachzuhaken, sei auch der letzte Workshop in der Realschule gewesen: „Ich war erstaunt, wie wenig Leute da waren.“ Bei eigenen Recherchen habe er dann feststellen müssen, warum das Bürgerinteresse so gering sei: „Die meisten Olper denken, die Sache sei schon gelaufen.“ Der Bürgermeister und die übrige Verwaltungs-Spitze versicherten zwar, alles sei völlig offen. Aber: „Das wird in der Stadt nicht ernst genommen. Und wenn ich mit Kommunalpolitikern privat darüber spreche, rücken die schon eher mit der Wahrheit heraus.“

Zum Schluss überrascht Stracke dann noch mit einer fantasievollen Zusatz-Idee: In der obersten Etage könne er sich durchaus ein gläsernes Bürger-Café vorstellen - mit Rundblick auf Olpe und Bigge.

Heimat- und geschichtsbewusst

Axel Stracke (60) ist geschichtsbewussten Olpern als Vorsitzender des Heimatvereins bekannt, als Mitglied des Museumsvereins und als Geschäftsführer des Valentinsvereins.
Beruflich ist Stracke seit 1980 Architekt und hat unter anderem viele Kirchen renoviert. Kostentreue sei dort oberstes Gebot, hebt Stracke hervor.

 
 

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