Florian Kaiser will auf Europas Thron

Florian Kaiser aus Rinsecke arbeitet für die nächste Stufe auf seiner Karriere-Leiter, der Teilnahme an den Zimmerer-Europameisterschaften im Oktober in der Schweiz.
Florian Kaiser aus Rinsecke arbeitet für die nächste Stufe auf seiner Karriere-Leiter, der Teilnahme an den Zimmerer-Europameisterschaften im Oktober in der Schweiz.
Foto: WP

Rinsecke..  Zimmerer Florian Kaiser aus Rinsecke, 2014 zum Deutschen Meister in den Bauberufen gekürt, steht vor seinem nächsten Erfolg. Im Oktober will er in Basel Europameister werden. Derzeit bereitet sich der 23-Jährige konsequent auf die deutsche Endausscheidung vor. Denn von den fünf Zimmerern der deutschen Nationalmannschaft dürfen nur drei nach Basel fahren. Aber der „Handwerks-Kaiser“ aus Rinsecke, wie er bei der Handwerkskammer Südwestfalen genannt wird, ist zuversichtlich und hochmotiviert, dass es klappen wird: „So eine Chance gibt es nur einmal im Leben“, sagt er.

Umweg zum Beruf

Dabei kam Florian Kaiser erst über Umwege zur „Zimmerei“. Nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium Lennestadt half er einem Freund bei Holzarbeiten und machte so erste Bekanntschaft mit dem Gewerk. Im August 2012 begann er dann seine Ausbildung bei der Zimmerei Robert Schauerte in Schmallenberg-Oberkirchen.

Sein Chef erkannte schnell das Talent seines Azubis und fördert ihn nach Kräften. „Er ist sehr ehrgeizig und hat ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Das ist wichtig“, so Robert Schauerte. Außerdem habe er gelernt, mit Stress und Zeitkontingent umzugehen. Mit seiner Gesellenprüfung im Juli 2014 qualifizierte sich der Ausnahme-Zimmerer für die Kammerausscheidung im Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks. Dort und im folgenden Landeswettbewerb lief alles glatt, der begnadete Turner holte sich souverän den ersten Platz.

Im November 2014 ließ er in Brühl bei Freiburg bei den Deutschen Meisterschaften der Bauberufe mit einem starken Schlussspurt die Konkurrenz hinter sich und holte den Bundessieg ins Sauerland (wir berichteten).

Der nächste Karrieresprung war damit bereits vorprogrammiert, es folgte die Aufnahme ins Nationalteam der Zimmerer. Als Mitglied der deutschen Zimmerer-Elite bot sich damit nicht nur die Chance, Deutschland im internationalen Wettkampf zu vertreten. Gleichzeitig wurde Kaiser damit auch zum Repräsentanten für seinen Beruf. In dieser Funktion vertrat er gemeinsam mit Simon Rehm, dem Zimmerer Welt- und Europameister 2015, das Baugewerbe auf dem CDU- Bundesparteitag im Dezember 2015 in Karlsruhe.

Dort traf der junge Sauerländer auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und erklärte ihr, wie man einen Zimmererstern zusammensteckt. „Das war ein Erlebnis, ich werde es so schnell nicht vergessen“, erinnert sich der sympathische Rinsecker. Nachdem er der Kanzlerin einen Zimmererstern geschenkt hatte, kam diese später noch einmal zusammen mit CSU-Chef Seehofer an Kaisers Stand zurück. „Sie nahm den Seehofer am Ärmel und sagte: Horst, komm mal mit und schau, was der junge Mann für schöne Sachen macht“.

Werbegesicht

So ganz nebenbei avancierte Kaiser auch noch zum Werbestar der Imagekampagne des Deutschen Handwerks. In einer Videobotschaft forderte er den deutschen Nachwuchs auf Youtube und in den sozialen Netzwerken zum „Abklatschen“ auf, mit dem Ziel neue Lehrlinge zu finden.

Kaiser selbst legte sich nach dem Abschluss seiner Ausbildung nicht auf die faule Haut und begann fleißig für das nächste große Highlight zu trainieren - die Berufs-EM „Euro Skills 2016“.

Diese geht im Oktober dieses Jahres in Basel in der Schweiz über die Bühne. Doch zunächst steht Anfang August das „Qualifikationsturnier“ für die EM in Biberach auf dem Programm, denn nur drei der fünf „National-Zimmerer „dürfen zur EM fahren. „Jeder von uns muss in 22 Stunden das gleiche Dachstuhlmodell bauen, bei dem dann Präzision, die Anzeichnungen und andere Dinge bewertet werden“, erklärt Florian Kaiser.

Im Bauhof des Berufsbildungszentrums in Arnsberg (bbz) hat sein beruflicher „Ziehvater“ Rudolf Schmidt eigens eine kleine Trainingsecke eingerichtet, in der sich der Zimmerer-Geselle optimal unter Wettkampfbedingungen vorbereiten kann. Während er in der Woche in seinem Drei-Mann-Betrieb arbeitet, trainiert er am Wochenende und in der Freizeit zuhause oder in Arnsberg. Der gesamte Jahresurlaub geht für das große Ziel drauf. Nach der EM will er langsam seine Meisterprüfung anpeilen. An der Zimmerer-WM 2017 in Abu Dhabi darf er nicht teilnehmen. „Ddafür bin ich dann leider zu alt.“

 

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