Firmeneinladung mit Einschränkung – Wie das Netz reagiert

Ein Fall von Diskriminierung oder nicht? Darüber diskutieren die User im Netz.
Ein Fall von Diskriminierung oder nicht? Darüber diskutieren die User im Netz.
Foto:  Jens Buettner/dpa
Die Zoz-Gruppe aus Olpe lädt Schüler zum Symposium ein – aber nicht die mit "bunten Haaren" und "Blech im Gesicht". Viele User halten das für Diskriminierung.

Siegen/Olpe.. Die Zoz-Gruppe aus Olpe lädt Schüler aus dem Kreis Siegen-Wittgestein zu einem Symposium zum Thema Nanotechnologie im Rathaus Wenden ein – aber nicht die mit "bunten Haaren, Blech im Gesicht und jene, die die Füße nicht heben und die Hose kaum auf den Hüften halten können".

Diese Nachricht sorgt seit Freitag, 4. März, für Aufregung im Netz. Nachdem sich der Geschäftsführer Henning Zoz und Schulen im Kreis zu Wort gemeldet haben, diskutieren nun auch die WP-Leser. Ist das okay oder Diskriminierung? Auf der Facebookseite der Westfalenpost in Siegen haben viele User ihre Meinung gesagt. Einige ausgewählte stellen wir hier vor.

Viele User halten das für Diskriminierung

Der Großteil der Facebookuser hält das Schreiben der Zoz-Gruppe und die Haltung von Geschäftsführer Henning Zoz für Diskriminierung.

Der User Gerrit Grosskopf etwa schreibt: "Das grenzt nicht an Diskriminierung, das ist Diskriminierung, wenn es physikalische Hindernisse wie starke Magnetfelder gibt, dann kann man über das Blech gerne reden, dann wird das aber bei Besuch gesagt, eingesammelt und nachher wieder abgeholt. Bei den Haaren kann ich mir keinen Grund vorstellen. Trotzdem, wenn doch existent, einladen, Mützen verteilen, mitgehen lassen, alles andere ist knallharte Diskriminierung. Dass es diesmal aufgrund der Haarfarbe passiert ist interessant, aber meines Erachtens nach brauchen wir solche Firmen nicht in Deutschland."

Auch Nutzerin Nathalie Ebener hat kein Verständnis und erinnert daran, dass ihre Generation nicht anders gewesen sei: "Das ist absolut nicht okay. Es geht ja hier um Schüler, die sich noch orientieren wollen oder sollen. Wir sahen als Teenager auch anders aus. Das "Blech" kann auch wieder aus dem Gesicht und Haare können wieder eine andere Farbe bekommen. Hier spricht man Jugendlichen das Recht ab jung zu sein."

Für Facebookuserin Michelle Reifenstahl ist der Vorfall ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft: "Ich finde schon, dass es eine heftige Aussage ist. Was bringt ihm ein junger Mensch, der "gut aussieht und kein Blech im Gesicht" hat, wenn der nichts drauf hat, aber die, die Blech im Gesicht haben oder vielleicht bunte Haare was drauf haben? Typisch die Gesellschaft von heute."

Einige User wundern sich auch darüber, dass Henning Zoz in seiner Stellungnahme auf Gott anspielt, etwa Ingrid Woerster-Tscherleniak: "Ich habe die Bibel oft und gründlich gelesen. Da steht nichts von einem Haarfärbeverbot und auch nichts über Piercings *grübel*."

Petra Loos sieht das ähnlich: "Er wünsche sich lediglich, dass junge Menschen wieder auf den "gottgegebenen Weg zurückkehren". Zitat Ende. Wenn er schon Gott ins Spiel bringt: Vor Gott sind alle Menschen gleich. Das sage ich als nicht regelmäßige Kirchgängerin."

Einige Nutzer stehen auf der Seite der Firma

Obwohl der Großteil der Facebookuser das Schreiben für einen Fall von Diskriminierung hält, gibt es auch Stimmen, die der Firma Zoz zusprechen.

Melli van de Eiermädsche etwa sagt: "Ach, man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen und ich finde es vollkommen richtig, dass man tagsüber ein vernünftiges, normales Erscheinungsbild hat, wo man einfach auch zu erzogen werden sollte. Arbeit ist halt Arbeit und keine Kirmes der Gefühle von irgendwelchen Mode-Trends."

Auch Userin Michaela Neuser kann die Haltung von Zoz-Geschäftsführer Henning Zoz nachvollziehen: "Es steht ihm frei zu wählen, er schließt ja z.B. keine Menschen mit Behinderung oder Ausländer aus. Im Berufsleben muss man sich halt anpassen. Ich durfte in der Kanzlei auch anfangs keine Jeans tragen. War nun mal so."

Facebooknutzer Friedrich Röther findet ebenfalls deutliche Worte und richtet sich in seinem Kommentar auch an die Lehrerinnen und Lehrer: "Die Arbeitswelt ist kein Ponyhof. Und an alle gerichtet, die hier von Diskriminierung reden: Ihr seid die Lautesten, die meckern, wenn der Handwerker tätowiert, mit Blech im Gesicht oder stinkend durch die Wohnung trampelt. Ihr wolltet so Menschen auch nicht im Privathaus haben und ihnen vielleicht noch den Schlüssel anvertrauen. Und an die Lehrer und Lehrerinnen gerichtet; bei einigen scheint schon lange der Spiegel und auch die Dusche kaputt zu sein. Vorbilder sehen anders aus. Wer Toleranz einfordert sollte auch da tolerant sein, wo es mal nicht nach der eigenen Weltanschauung geht."

Weniger drastisch, aber dennoch deutlich ist die Meinung von Michael F. Müller: "Vollkommen ok. Wird ja keiner gezwungen dieses wahrzunehmen. Jeder kann doch selbst entscheiden was man lernen möchte (Bildung und Auftreten sollte dann aber passen)."

Die User sehen auch beide Seiten

Neben den Gegnern und Befürwortern des Zoz-Schreibens gibt es auch User, die für beide Seiten ein gewisses Verständnis aufbringen, etwa Andreas W. Linden: "Es ist interessant. Hier kollidieren die persönliche Individualität mit der Identität eines Unternehmens. Wenn es ums Party machen geht, ist es dem Einzelnen klar, dass er je nach Erscheinungsbild in gewisse Locations nicht hineinkommt. Hier ist dies nun auch zuvor geklärt. Diskriminierend? Ich denke nicht. Denn warum sollte jemand sich ausgerechnet für solch ein Unternehmen interessieren, dass seine Art der Individualität ablehnt. Denn hier ist der Ministerbesuch definitiv nur das Lockmittel auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs. Ich besuche ja auch nur Werbeveranstaltungen an denen ich wirklich interessiert bin."

Facebooknutzer Thomas Schürmann sieht in der ganzen Angelegenheit sogar eine gewisse Komik: "Wenn der Herr Zoz nur an einer speziellen Gruppe potentieller zukünftiger Mitarbeiter interessiert ist, kann er das so halten, ist ja seine Firma. Allerdings muss er sich nicht wundern, wenn sich später auch nur noch eine spezielle Sorte Nachwuchs vorstellt. Das Sahnehäubchen an der Einladung für ein deutsch-japanisches Symposium dürfte sein, dass die aktuelle Bunte-Haare-Mode ausgerechnet aus dem asiatischen Raum importiert ist."

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