Feinsinniger Humor mit Tiefgang

Lennestadt..  Eigentlich war es – vom Programmablauf – gestern Abend eine ganz normale Thomas-Morus-Sitzung im Lennestädter Rathaus. Gedenken an die Opfer des Naziregimes in den ehemaligen Gemeinden der Stadt, eine Andacht mit den Geistlichen Christoph Gundermann und Martin Behrensmeyer, eine Ansprache von Bürgermeister Stefan Hundt, Musikstücke, ein Vortrag des Schauspielers und Regisseurs Benjamin Armbruster, und das traditionelle Gelöbnis der Stadtverordneten, die Stadt vor Schaden zu bewahren.

Doch angesichts der großen Herausforderungen der Stadt, Hunderte von Flüchtlingen aufzunehmen und zu integrieren, bekam so manche Fürbitte, so mancher Gedanken rund um Barmherzigkeit, Menschenliebe und Toleranz eine weitaus tiefere Bedeutung. „Wir verlieren christliche Werte gerade dort, wo wir dem Rassismus Raum geben“, mahnte Gundermann.

Professioneller Rahmen

Gitarrist und Komponist Peter Autschbach und Schlagzeuger Michael Nüchtern sorgte für einen wahrlich professionellen musikalischen Rahmen. Hundt sprach die Herausforderungen für die Stadt an: „Ich habe mich darüber gefreut, dass wir in Lennestadt im Sommer 2015 sofort gemeinsam an allen relevanten Orten mit einzelnen Bürgern, Vereinen oder politischen Gremien eine verantwortungsbewusste Position eingenommen haben, um der neuen Herausforderung in Deutschland in Lennestadt gerecht werden zu können. Seit Beginn der Flüchtlingswelle haben wir in Lennestadt bisher 608 Menschen ein neues Zuhause gegeben. Mit vereinten Kräften haben wir alle Herausforderungen stemmen können, und darauf können wir alle stolz sein.“

Keine Festrede

Der „Vortrag“, die „Festrede“ von Benjamin Armbruster, den Besuchern im Rathaus und unseren Lesern bestens als Winnetou des Elspe Festivals bekannt, war weit mehr als das. Kein akademischer Husarenritt, keine wissenschaftliche Dissertation, sondern das Rezitieren etlicher kleiner Geschichten, deren Protagonisten gefühlte und erspürte Parallelen zu den Schicksalen von Flüchtlingen, Andersfarbigen, Fremden aufwiesen. Mit ganz viel feinsinnigem Humor, manchmal augenzwinkernd. Mit einer erlesen Sprechkultur vorgetragen, die die Zuhörer in ihren Bann zog. Unterhaltsam und nachdenklich. Benjamin Armbruster war die Idealbesetzung auch an diesem Abend. Ein Künstler der leisen Töne.

Ein Feingeist.

 

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