Faszination Blues in tollen Bildern und Musik

Olpe.  Sogar die Stehplätze wurden im Alten Lyzeum rar, aber das störte keinen der Fans; schließlich gab es unter dem Titel „Further on up the Road“ jede Menge Blues-Fotos von Martin Feldmann zu betrachten, und – nach 25-jähriger Abstinenz - das Comeback von „Slidin’ Alex & The Down Home Bluesband“ zu erleben.

Für Feldmann, er gab sogar damals der Band ihren Namen, sollte das Konzert eine Überraschung werden.

Mit Polizeieinsatz

„Martin Feldmanns Fotos zeigen die Seele der singenden und spielenden Menschen“ – mit diesen Worten charakterisierte der stellvertretende Bürgermeister Markus Bröcher in seiner Ansprache den aus der Kreisstadt stammenden, jetzt in Frankfurt lebenden Fotografen und Journalisten. Der wiederum amüsierte köstlich mit seiner Erinnerung an den ersten großen Auftritt der nun wieder aufgelegten Band – damals, im Jahr 1978, mit spektakulärem Polizeieinsatz. Danach berichtete er von seinen Reisen in die Welt des Blues, die ihn in den 70er bis 90er Jahren nach Louisiana, Chicago, Missouri oder San Francisco führten. Mit seinen „Dönekes“ über die Musiker und deren Blues versetzte er die Zuhörer in das früher ganz andere Leben. Dann schlug er den Bogen zurück nach Olpe und zu Konzerten in der Stadthalle sowie dem Lorenz-Jaeger-Haus.

Ausschlaggebend für seine Liebe zu Blues, Jazz und afroamerikanischer Kultur sei Horst Schmitz, sein Musiklehrer am Städtischen Gymnasium, gewesen. Übrigens: die „Olper Butterbrezeln“ seien Einwanderer aus Chicago. Das Backrezept habe sein Urgroßonkel Theodor Gastreich Ende des 19. Jahrhunderts von dort mitgebracht.

Bei der Betrachtung von Feldmanns unmittelbar ansprechenden Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden oder auch im Blues-Kalender für das Jahr 2016 erscheinen die abgelichteten Menschen irgendwie vertraut. Ihre Blicke bleiben unvergesslich: Freude oder Melancholie, zumeist ausgedrückt in Spiel oder Gesang, auf der Straße oder in den typischen Clubs, werden spürbar, prägen sich tief ein.

Sanft oder fetzig

Mal sanfter und dann wieder fetziger Blues umrahmte die Vernissage. Von der ursprünglichen Besetzung der Band sind noch Michael Alexander (Leadguitar/ Bluesharp), sein Bruder Bernd (Drums) und Klaus Brüning (Vocals) dabei. Markus Schröder (Bass), Marina Grünberg (Vocals) und Dino Boubas (Guitar) stießen später hinzu.

Auch heute brennt noch bei allen, Akteuren wie Zuhörern, die Faszination für den Blues. Und als Marina Grünberg ihren „Hound Dog“ dahinlegte, da gab’s hand-clapping satt und von ihr abschließend Gebell und Gejaule. Kaum zu glauben, was für ein gewaltiges Stimmvolumen diese zierliche Siegerländerin mit „Evil Gal Blues“ hervorholte.

„Thrill is gone“ ist ruhiger, und mit Michael Alexanders lyrischem Gitarrensolo zum Dahinschmelzen schön. Gewaltigen Applaus erntete sein stimmungsvolles Spiel auf der Bluesharp.

Bei „Rock to me baby“ hielten es Klaus Brünings Füße nicht mehr aus: sie mussten tanzen. Und dann erklang sein diesmal tiefschwarz gefärbter Bass, begleitet vom Sound der übrigen Band. Da überkommen einen zwangsläufig Gedanken wie: Wo bin ich? Im Blueshimmel oder doch noch in Olpe?

Die definitiv letzte Zugabe war dann das heftig beklatschte Gesangs-Duett „Talk to me, baby“ und danach Brünings spontaner Kommentar: „Hätten wir nicht für möglich gehalten: es ist gelungen.“

 
 

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