Ein Vulkan, wenn das Eis mal gebrochen ist

Olpe..  „Ganz im Glück“ lautet der Titel des neuen Programms von Kabarettist Arnulf Rating, mit dem der Wuppertaler am Freitag, 5. September um 20 Uhr in der Olper Stadthalle vorbeischaut. Der aus zahlreichen TV-Auftritten einem breiten Publikum bekannte Künstler geht in seinem Soloprogramm als der berüchtigte Dr. Mabuse unter anderem den Ursachen des weit verbreiteten Burn-Out-Syndroms nach. Und weiß natürlich die Lösung: Der Mensch ist die Hardware, der pausenlos mit Software gefüttert wird, die einfach nicht kompatibel ist, was zwangsläufig zu Systemabstürzen führen muss. Wir hatten die Gelegenheit, einige Tage vor dem Auftritt mit dem 62-Jährigen ein Interview zu führen.

Frage: Sie sind Jahrgang 1951. Fühlen Sie sich noch als 68-er?

Arnulf Rating: Ja. Das war eine Zeit, die mich sehr geprägt hat, obwohl ich damals noch sehr jung war. Das war ja ein Aufbruch aus der Starre der 50-er Jahre, und ich verspürte auch Lust, an der Gesellschaft ‘was zu verändern.

Kennen Sie die Stadt Olpe?

Ich kenne das Sauerland und die Stadt Olpe. Im Sauerland sind wir früher viel gewandert. Es hat immer viel geregnet, ist aber wunderschön.

Olpe ist wie auch große Teile des Sauerlands als politisch eher schwarz bekannt. Müssen sich die Olper am 5. September jetzt vor einem roten Rating fürchten?

Ich kenne ja die Mentalität dort. Ich kenne beispielsweise eine berühmte Sauerländer Figur, den Herrn Müntefering. Das sind Menschen, die sind bodenständig, aber nicht auf den Kopf gefallen, wie man ja auch an den ganzen Betrieben dort sieht, an der mittelständischen Wirtschaft. Und ich mag das auch, das Solide.

Also keine Angst mit einem Kabarettprogramm vorm steifen Sauerländer?

Überhaupt nicht. Ich kenn das ja, das Westfälische ist mir nicht fremd. Ich weiß, das dauert ‘ne Weile, aber wenn das Eis gebrochen ist, dann ist da drunter ein Vulkan.

„Ganz im Glück“ - was steckt hinter dem Titel des neuen Programms?

Wir haben ja kürzlich gewählt und die Finanzkrise überstanden. Haben viel Geld abgegeben und stehen trotzdem gut da. Das hat mich animiert zum Märchen ,Hans im Glück’. Der Hans hat ja damals einen dicken Goldklumpen gekriegt - nach sieben Jahren Arbeit. Das müssen seinerzeit noch andere Mindestlöhne gewesen sein. Dann geht er los, macht mit seinem Gold viele glücklich, hat nachher gar nichts mehr und ist trotzdem selbst glücklich. Und wir brauchen ja auch nichts mehr, nur noch die virtuelle Welt, einen kleinen Bildschirm, ein paar Apps, und dann sind wir glücklich.

Warum ausgerechnet die Figur Dr. Mabuse?

Dr. Mabuse gilt ja für die meisten als durchgeknallter Wahnsinniger. Und dieser Wahnsinnige hat an seiner Seite die Sprechstundenhilfe Schwester Hedwig, die sehr geerdet ist und dafür sorgt, dass alles auf dem Teppich bleibt. Und die beiden zusammen nehmen sich den Patienten Deutschland vor. Und der Patient Deutschland ist das, woran wir rumdoktern. Wir arbeiten dabei viel mit aktuellen Nachrichten aus Zeitungen und Fernsehen und vergleichen die Wirklichkeit mit dem, was in den Köpfen der Menschen wahrgenommen wird.

Der Begriff Burn Out taucht auch auf. Sind die Deutschen ein prädestiniertes Depressionsvolk?

Ja, kann man sagen. Die wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht, weil sie so viel arbeiten.

Wie lange gibt es den Kabarettisten Arnulf Rating noch? Normale Verrentung oder „Rente mit 75?“

Ich bin ja bei mir selber angestellt, bin also auch mein eigener Arbeitgeber.

Und Sie entlassen sich noch nicht?

Ich entlasse mich noch nicht. Wir überlegen, wann wir gemeinsam in Rente gehen. Der eine kann nicht davon leben, der andere will nicht davon leben.

Haben Sie denn irgendein liebstes Hobby?

Ich hab’ das Hobby, durch Deutschland zu reisen - unter anderem in solch wunderbare Orte wie Olpe. Ich hab’ außerdem den schönsten Beruf der Welt. Die Leute klatschen, wenn ich zur Arbeit komme. Dann lachen sie. Nach zwei Stunden gehen wir alle glücklich nach Hause. Das ist doch klasse.

 
 

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