Olpe. Auf der Muggelkirmes in Olpe führt „Lego-Vision“ zwei Topthemen zusammen. Topthema in der Welt der Spiele ist Lego, weltweit das beliebteste Spielzeug. Und es sind nicht mehr nur die Jungs, die mit den Steinen aus Dänemark spielen. Die Mädchen haben mächtig aufgeholt. Dazu beigetragen hat auch der aktuelle Lego Film und die Steine in besonders süßen Farben.
Top-Thema in Olpe ist das Rathaus: Neu bauen oder stehen lassen? Die Gemüter sind erhitzt. Alle mischen mit, jeder hat eine Meinung. Fünf Menschen mit genau der gleichen Meinung, das hat vielleicht schon Seltenheitswert.
Alt- gegen Neubau
Was liegt näher, als beide Themen zusammenzuführen? Auf der 41. Muggelkirmes am 21. September entsteht ein Rathaus. Als Vision. Aber in Stein gesetzt. Mit Lego Steinen. Die größte Legobaustelle, die der Kreis Olpe je gesehen hat. Von vielen Menschen, nicht nur von Politikern, sogar von Kindern und Jugendlichen. Es macht Spaß, selbst zu bauen und den Bau zu beobachten.
An der einen Ecke werkeln die Befürworter des Altbaus. Sie versuchen, das bestehende Gebäude nachzubauen. An einer anderen Ecke basteln die Neubaufans. Aber wie? Mit Lego können sie ihre Ideen umsetzten. Da bauen Geschäftsleute aus der Oberstadt, die CDU Fraktion und die Piraten. UCW, SPD, sogar FDP, sie reden nicht, sie bauen. Sie setzen ihre Visionen in Steine um.
Viel wichtiger: Jeder und jede kann Ideen einbringen. Interessanter als die Politiker sind die Olper und Olperinnen, ja sogar Attendorner und Siegener dürfen am Olper Rathaus mit bauen. Das tolle ist: Niemand bestimmt den Neubau allein. Keiner hat soviele Legosteine, um ein Baumagnat zu werden. Man muss sich abstimmen, Koalitionen mit anderen eingehen, die eigene Baustelle in die Maurerhände der nachfolgenden Mitspieler geben. Dann kommen noch die Kinder. Sie pflanzen vielleicht Bäume auf das Dach, die Fassade wird bunt. Jugendliche gestalten die Zufahrt als Skaterbahn. Die Stadtbücherei wird zum multimedialen Lesesaal. Im Ratssaal entsteht ein Spielplatz, daneben ein Jugendraum, in dem auch Senioren herzlich willkommen sind.
25 Gramm für zwei Muggel
Das Muggelteam sammelt einen riesigen Haufen Lego-Steine. Und sie sammeln weiter. „100.000 Steine werden wohl zusammenkommen müssen“, meint Manuel Cordes. „Das werden wir schaffen“. Der Muggelmann ist optimistisch. J
Und spenden ist das Stichwort. Weil mit Lego weltweit gespielt wird, übergibt das Muggelteam die gespendeten Steine im kommenden Jahr an die Straßenkinderhäuser im brasilianischen Vitoria und an das Projekt der Franziskanerinnen im Nordosten des südamerikanischen Landes. Das ist dann der perfekte Kreislauf.
Hier spielen dann junge Brasilianerinnen und Brasilianer mit Spielzeug aus dem Sauerland, das in Dänemark hergestellt und von manchen Olperinnen und Olpern mit ein wenig Wehmut an die Muggelkirmes gegeben wurde. Mit dem Erlös aus dem Spiel, den wird es übrigens auch geben, lassen sich Wohnhäuser für Straßenkinder bauen. Pater Hugo Scheer in Brasilien ist schon ganz gespannt auf den Baufortschritt.
Muggelkirmes 14.30 Uhr. Der Grundstein wird gelegt. Es ist ein silbrig/goldener Stein. Vielleicht ist ja Bürgermeister Horst Müller zu gewinnen, diesen wichtigen Akt vorzunehmen. Dann geht es los. WDR Moderatorin Anne Willmes leitet die Lego-Vision. Sie und ihre Helfer verkaufen an die Bauwilligen 25g Lego für zwei Muggel. Dann geht es auf die kleine Bühne mit der Rathausbaustelle. Klar, die Lego-Steine dürfen die Baustelle nicht verlassen. Jeder Stein muss verbaut werden, damit die Vision vom Rathaus wachsen kann.
Bauantrag nötig?
Im Vorfeld quälen sich die Verantwortlichen nur noch mit einer Frage: Nein! Nicht die Frage nach den Steinen. Es kommen genügend zusammen! Aber, muss die Muggelkirmes einen Bauantrag bei der Stadtverwaltung stellen? Schließlich entsteht die Rathausvision auf einem öffentlichen Platz. Pfarrer Clemens Steiling will vorsorglich eine „Bauvoranfrage“ im „alten“ Rathaus einreichen. „Wir erhalten eine positive Antwort“, ist sich der Geistliche sicher. Bis zum Baubeginn will er auch noch Architekten und den Bauamtsleiter anwerben, die die fachliche Beratung übernehmen.