„Durchfahrt verboten“ auf vielen Radwegen

Von Wolfram Martin
Radweg ab Rothaarparkplatz:
Radweg ab Rothaarparkplatz:
Foto: WP

Bad Berleburg.  Wittgenstein per Rad erkunden? Das ist gerade in der Ferienzeit keine schlechte Idee. Doch wer in Bad Berleburg eine Radwanderung rund um Bad Berleburg geplant oder organisiert hat, weiß, dass man da schnell an gleich mehrere Grenzen stößt. Denn: Die Zufahrt zu reizvollen Strecken ist fast überall mit Schildern „Durchfahrt verboten“ gespickt. Und es gilt: Wenn nicht ausdrücklich ein Zusatzschild eine Ausnahme für Radfahrer zulässt, verlangt der Gesetzgeber bei diesem Schild Nummer 250 gemäß Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Radler absteigen und schieben müssen.

15 Euro Bußgeld drohen

Erfahrungsgemäß ignorieren Radfahrer diese Schilder einfach. Doch was passiert, wenn Hotels, Pensionen oder Restaurants ihren Gästen solche Routen als Tipps mit auf den Weg geben? Oder Lehrer eine Rad-Tour mit Schülern planen? Da möchte sicher niemand „verbotene Wege“ empfehlen, deren Befahren ein Bußgeld ab 15 Euro zur Folge haben kann. Auch bei einem Unfall dürfte ein Radfahrer schlechte Karten haben, wenn’s auf einem für Radfahrer gesperrten Weg passiert.

Berghausen: Nur 50 Meter

Merkwürdig mutet es an, wenn offizielle Hinweistafeln – wie zum Beispiel in Berghausen, Altmühltal und Lehmbach, aber nicht nur dort – einen Radweg ausweisen, aber 50 Meter weiter ein Verbotsschild den Radler zum Absteigen und Schieben auffordert.

Raumland: Viele Verbote

Von Raumland-Bahnhof (Hotel Kunze/Raiffeisen-Markt) aus radelnd den Ederauen-Radweg (EAW) zu erreichen, ist ebenfalls nicht möglich. Auch von Raumland aus über einen asphaltierten Feldweg ins Markhäuser Feld zu kommen, um später Hemschlar abseits der Verkehrswege zu erreichen, ist verboten. Überhaupt Raumland: Hier hat man den Eindruck, dass verzweifelt versucht wird, mit einem „Durchfahrt verboten“ Radfahrer fernzuhalten, die entweder den Ort samt Kirche besichtigen oder aber den EAW erreichen wollen.

Arfeld: Bis Hatzfeld schieben?

In Arfeld fragt eine Münsterländer Radlerin belustigt im Anblick eines Verbotsschildes auf dem EAW, ob sie denn weiterfahren darf – oder zu Fuß bis Hatzfeld schieben muss.

Kernstadt: kaum Alternativen

Überboten wird die Radfahrer-unfreundliche Beschilderung nur noch innerstädtisch, denn dort dürfen Radfahrer – außer „Anlieger“ – nicht einmal die Tiergartenstraße befahren.

Für Besucher, die Bad Berleburg über den EAW von Süden ansteuern und vom Wanderparkplatz Raumland (Ausgangspunkt „Via Adrina“) einen Stadtbesuch planen, werden feststellen, dass dies auf offiziellen Rad- oder erlaubten Waldwegen nicht möglich ist. Man muss die B 480 und die für Radfahrer sehr gefährliche Strecke zwischen Raumland und Berleburg (Stichwort: Üllendahl-Kurve) in Kauf nehmen.

Auch am Lenne-Parkplatz oberhalb Berleburgs nur Verbotsschilder in alle Richtungen und keine Möglichkeit, das Museum Hof Espe, die Bismarcksäule oder einen EAW-Zubringer zu erreichen. Genau genommen ist Hof Espe per Fahrrad überhaupt nicht zu erreichen, die Espequelle dagegen schon. Sowohl vom Parkplatz Trufterhain als auch vom Parkplatz Rothaarklinik (Parkplatz Sengelsberg) nur Verbotsschilder. Obwohl der Weg „über die Trufte“ von Berghausen aus für Radfahrer erlaubt ist, steht in Gegenrichtung oben an der Rothaarklinik ein Durchfahrt-Verbotsschild und – Schilda lässt grüßen – gleich daneben ein Schild, das die „Zone 30“ aufhebt.

Völlig unverständlich, dass sowohl vom Kriegerplatz als auch vom Parkplatz Sengelsberg aus weder das Schulzentrum auf dem Stöppel, noch das Schwimmbad, noch der Sportplatz von Radfahren angefahren werden darf. Fast das gesamte Feld-, Wald- und Wanderwegenetz ist für Radfahrer offiziell tabu.

Lösung: ein Zusatzschild

In anderen Regionen Deutschlands hat die Tourismus-Branche die Klientel Radwanderer längst erkannt lotst sie häufig sehr geschickt durch Dörfer und Städte. In Bad Berleburg scheint man mit Radfahrern genau das Gegenteil vor zu haben. Die kostengünstige Lösung: einfach an allen asphaltierten und befestigten Feld- und Waldwegen unterhalb des runden Verbotsschildes ein Zusatzschild „Radfahrer frei“ anbringt. Andernorts – etwa in Erndtebrück – hat man dieses Problem insofern gelöst, als dort überwiegend die geteilten Verbotsschilder (Zeichen 260 gemäß StVO) nur das Befahren von Kraftfahrzeugen und Motorrädern, nicht aber das Befahren mit Fahrrädern verbietet.

Vorbild: Rentkammer

Nicht verschwiegen werden sollte, dass im Bereich der Fürst-Wittgenstein’schen Rentkammer dankenswerterweise einige Waldwege Ausnahmen nicht nur für Forst- und Landwirtschaft, sondern ausdrücklich auch für Radfahrer zulassen.