Duo zündet Autos und Roller an

Auch dieses Auto zündete das Duo an.
Auch dieses Auto zündete das Duo an.
Foto: WP

Olpe/Lennestadt/Kirchhundem.  Das erheblich vorbestrafte Duo schlüpfte in die Rolle des Richters: Weil Ex-Freundinnen des 37- und 44-Jährigen von ihren neuen Lebensgefährten vermeintlich geschlagen wurden, zündeten sie deren Fahrzeuge an. „Das ist blanke Selbstjustiz“, brachte es Richter Richard Sondermann auf den Punkt.

Wegen gemeinschaftlicher Brandstiftung in drei Fällen drückten die beiden Männer aus Kirchhumndem die Anklagebank im Olper Schöffengericht. Aus der Zelle wurde das seit 6. November 2013 in U-Haft sitzende Duo in den Gerichtssaal geführt. Die drei Brandstiftungen ereigneten sich in nur vier Tagen. Die Masche war gleich: Der 37-Jährige goss Benzin über die Fahrzeuge, und der 44-Jährige setzte sie mit einem Feuerzeug in Brand. Am 22. Oktober steckten sie um 23 Uhr einen Motorroller in der Schmallenberger Straße in Kickenbach an, einen Tag später um 23.15 Uhr ein Auto vor der Post in Kirchhundem und am 25. Oktober um 19.44 Uhr einen Wagen in der Lindenstraße in Altenhundem. „Die hatte ein blaues Gesicht. Das sollte eine Strafe werden, weil er sie verprügelte“, sagte der 37-Jährige über den Roller-Fahrer. Der Besitzer des Autos vor der Post in Kirchhundem habe ihn schon einmal mit einer Wasserwaage geschlagen: „Der hat öfters meine Ex-Freundin blutig geschlagen. Die erzählte mir das und weinte.“ Und schließlich ging es auch dem Mann mit dem Auto in Altenhundem an den Kragen. Auch der habe eine Frau geschlagen. Den Benzinkanister habe er immer dabei gehabt, weil seine Tankanzeige kaputt sei, so der 37-Jährige, der reinen Tisch machte. Sein Komplize stritt die erste Brandstiftung mit dem Roller ab, hatte aber kein glaubhaftes Alibi.

Gefährdung der Allgemeinheit

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Horst Sanner, bescheinigte beiden Angeklagten Schuldfähigkeit. Für den 44-Jährigen sei die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angezeigt. Hintergrund: Er trinkt seit seinem 18. Lebensjahr. „Ich habe zehn Jahre auf der Straße gelebt. Ich fange morgens um 8 Uhr an“, so der Angeklagte, der nach eigenen Angaben täglich über eine halbe Kiste Bier und manchmal dazu noch eine Flasche Schnaps trinkt. Vor Gericht lehnte der44-Jährige aber eine Entziehungsanstalt ab: „Ich habe oft genug selber für mich kalt entzogen. Ich weiß, wie das geht. Eine Therapie bringt mir nicht. Da mache ich lieber in der Haft was Sinnvolles und arbeite.“ Er habe in der JVA aber signalisiert, dass er an seiner Sucht arbeiten wolle.

Staatsanwältin Bettina Dickel forderte für beide Angeklagte zwei Jahre Haft „ohne“. Durch das Anzünden von Kraftfahrzeugen bestünde auch eine Gefahr für die Allgemeinheit. „Sein Geständnis ist von Reue und Einsicht geprägt. Er ist zum ersten Mal in Haft und hat einen Schuss vor den Bug bekommen“, plädierte Ralf Bleicher, Verteidiger des 37-Jährigen, für eine Bewährungsstrafe. Anwalt Kay Hofheinz verwies auf den erheblichen Alkoholgenuss des 44-Jährigen vor den Taten.

Keine Entziehungsanstalt

Das Urteil: 20 Monate für beide, wobei die Strafe für den 37-Jährigen zur Bewährung ausgesetzt wurde, so dass er als freier Mann das Gericht verlassen konnte. Als Auflage muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Gericht ordnete keine Unterbringung des 44-Jährigen in der Entziehungsanstalt an. Er bleibt stattdessen in Haft. Bei den Taten stand er unter Bewährung und muss damit rehnen, jetzt auch die in einem früheren Urteil verhängten sechs Monate zur Bewährung abzusitzen.

 
 

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