Der Mindestlohn und erste Reaktionen

In vielen Branchen führt der Mindestlohn zu höheren Löhnen.
In vielen Branchen führt der Mindestlohn zu höheren Löhnen.
Foto: dpa
Vor allem ungelernte Aushilfskräfte profitieren, auch im Kreis Olpe. Einige Arbeitgeber reagieren aber mit abgespeckten Öffnungszeiten.

Olpe..  Gastwirtschaften, Café’s, Bäckereien, Frisörläden oder Schuh- und Kleidergeschäfte - für alle gilt auch im Kreis Olpe seit dem neuen Jahr: Flächendeckender Mindestlohn - Ausnahmen inbegriffen (siehe Interview unten).

Insbesondere ungelernte Aushilfen dürften profitieren. Denn die Hausfrau, die sich als Schuhverkäuferin oder an der Bäckereitheke etwas hinzuverdient, gehörte auch hierzulande zu Arbeitskräften, die stellenweise für 6,50 Euro oder weniger arbeiteten. Die Taxibranche ist ebenfalls in der Region betroffen, hat bereits beim Kreis Olpe einen Antrag auf Erhöhung der Fahrpreise gestellt (wir berichteten).

Stichproben vor Ort: Für den Olper Gastronom Mike Lüning (Café Con Leche/Konditorei) war der Mindestlohn zwar nicht der Hauptgrund, aber zumindest ein Anlass, über die Gesamt-Strategie seines Geschäfts nachzudenken: „Ich will den Mindestlohn nicht verteufeln. Alle hatten genügend Zeit, sich darauf einzustellen.“ Aber Konsequenzen, so der Olper, würden sicherlich in der Branche gezogen, an der einen Stelle mehr, an der anderen weniger.

In der Woche nur noch bis 19.30 Uhr

Im Con Leche hat er die Öffnungszeiten zum neuen Jahr deutlich reduziert, an Werktagen war das Café-Bistro bisher bis 22 Uhr geöffnet, künftig nur noch bis 19.30 Uhr. Weniger Öffnungszeit, weniger Mitarbeiter, weniger Mindestlohn. Ausnahme: „Wenn die Champions-League spielt, bleiben wir länger geöffnet.“ Aber vermutlich auch nur bis zum Ende der Saison. Nach den zahlreichen Preiserhöhungen des Bezahlsenders denkt auch Lüning an den Sky-Rückzug: „Der Bogen ist auch für uns überspannt. Wir sind nicht vom Fußball abhängig.“ Und mal eben Schüler unter 18 Jahren für den Spitzenbetrieb einstellen, wie bei Champions-League-Spielen nötig - das sei nicht einfach, „auch, seitdem es das G 8-Abi gibt. Viele haben einfach keine Zeit mehr.“ Und für die Älteren gelte der Mindestlohn. Bei einem etwa 40-köpfigen Team mit rund 15 Vollzeitbeschäftigten sei der Lohn für etwa die Hälfte leicht angehoben worden.

Der Mindestlohn ist natürlich auch im Bäckerhandwerk oder der Bekleidungsbranche ein Thema - im Kreis Olpe aber offenbar alles andere als eine Katastrophe. Peter Enders (Mode Maiworm): „Wir hatten das bereits vor vier bis fünf Monaten geprüft, liegen jetzt in allen Bereichen über dem Mindestlohn - meist deutlich.“

Bäckermeister Reinhard Hesse (Welschen Ennest): „Es betraf uns nur in Einzelfällen. Die haben wir geregelt.“ Man habe schon lange gewusst, dass der Mindestlohn komme. Junior Thomas Hesse: „Wir haben uns schon vor einigen Jahren dazu entschieden, einen großen Anteil von Fachkräften zu beschäftigen.“ Der Anteil von Aushilfskräften liege bei gerade einmal 10 bis 15 Prozent. Das sei auch eine Frage der Firmen-Philosophie. „Jetzt profitieren wir davon, müssen nicht umdenken.“ Die Preise, so verspricht Reinhard Hesse, würden durch den Mindestlohn jedenfalls nicht erhöht.

Handwerksleistung kostet Geld

Der Olper Friseur Andreas Stenzel (Salon Zimmermann) glaubt, dass vor allem die Ladenketten den Mindestlohn spüren: „Das trifft vor allem die Billig-Friseurketten, in denen Monats-Hungerlöhne von teilweise nur 700 bis 800 € pro Monat gezahlt werden. Die Beschäftigten müssen sich dann Wohngeld holen, wodurch ein Haarschnitt letztlich ein staatlich subventionierter Haarschnitt ist. Es muss auch den Kunden klar werden, das eine anständige Handwerksleistung Geld kostet.“ Einige Kollegen werden ihren Kunden erklären müssen, dass der Haarschnitt jetzt etwas mehr kostet, aber da müssen sie durch. Wer mit seinem Haarschnitt zufrieden ist, ist auch bereit, mehr zu bezahlen.“

Manche Kollegen zu billig

Während einer Innungsversammlung der Friseure sei er erschrocken, „in welchem Preissegment manche Kollegen rumdümpeln.“ Wer einen Maler oder Waschmaschinen-Monteur beauftrage oder zur Auto-Werkstatt fahre, müsse auch Stundenlöhne von 50 bis 80€ akzeptieren.

Dr. Bettina Wolf im Interview

Zum Thema Mindestlohn beantwortete die Chefin der Agentur für Arbeit Siegen/Olpe, Dr. Bettina Wolf aus Olpe, die Fragen unserer Zeitung.

Frage: Ab 1. Januar 2015 gilt der Mindestlohn. Wo greift er genau?

Dr. Wolf: Grundsätzlich ist der Mindest-Stundenlohn von 8,50 Euro ab diesem Jahr gültig, bis 31. Dezember 2017 sind Ausnahmen möglich, wenn diese in einem Tarifvertrag geregelt sind. Zudem gibt es eine befristete Sonderregelung für Zeitungszusteller.

Frage: Heißt das im Klartext: 8,50 Euro, ab 2018 ohne Wenn und Aber?

Einige Ausnahmen gibt es. Das betrifft Jugendliche unter 18 Jahren, die keine Ausbildung abgeschlossen haben, aber auch für Auszubildende. Betroffen sind darüber hinaus Personen, die im Ehrenamt tätig sind und eine Aufwandsentschädigung bekommen. Der Mindestlohn gilt auch nicht für Schüler- und Studentenpraktika oder solchen, die zu Ausbildungen gehören.

Frage: Politisch heftig diskutiert wurde auch die Regelung für Langzeitarbeitslose.

Ja, hier gilt: Der Mindestlohn greift nicht für Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten nach Wiederaufnahme einer Beschäftigung. Danach gilt er.

Frage: Werden auch diese Ausnahmen nach 2017 wieder wegfallen?

Nein, das soll so bestehen bleiben, auch über 2017 hinaus.

Frage: Befürchten Sie negative Auswirkungen des Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt im Kreis Olpe?

Wir beobachten sehr sorgfältig die Entwicklung im Bereich des Handels. Es gab bereits im vergangenen Jahr Hinweise darauf, dass es dort zu Arbeitslos-Meldungen gekommen ist, die mit dem Thema Mindestlohn in Verbindung stehen könnten. Es gibt aber zu diesem Thema noch keine verbindliche Analyse.

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