Das „Biärremenneken“ von Soest

Das Exponat des Monats November.
Das Exponat des Monats November.
Foto: WP
Der in Soest geborene Kaspar Schwarze gab seinen erlernten Schneiderberuf und spätere Gelgenheitsarbeiten auf und widmete sich ganz und gar der „Ewigen Anbetung“. Auf seiner jährlichen Pilgerfahrt besuchte er im Sauer- und Siegerland rund 150 Kirchen.

Grevenbrück.. Der Monat November ist mit seinen kirchlichen Fest- und Gedenktagen seit Jahrhunderten ein Monat der Volksfrömmigkeit. Das Museum der Stadt Lennestadt stellt aus diesem Grunde ein Beispiel von Volksfrömmigkeit als „Exponat des Monats November“ vor. Es handelt sich um eine kleine Holzbüste, die Kaspar Schwarze, auch genannt „Bet-Kaspar“, zeigt. Die Büste wurde schätzungsweise in den 1930er Jahren geschnitzt und kam durch eine Schenkung in den Besitz des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück.

Holzplastik

Die Holzplastik eines unbekannten Schnitzers hat lediglich eine Höhe von 20 cm und eine Breite von 14 cm. In den Sockel der Büste ist eingeschnitzt worden „Betkaspar, der ewige Anbeter“.Kaspar Schwarze wurde 1830 in Soest als konfessionsverschiedener Eheleute geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, erlernte das Schneiderhandwerk, wurde später Pferdeknecht und schließlich Gelegenheitsarbeiter. Wegen seiner zu geringen Körpergröße stellte man ihn vom Militärdienst frei. Nach Abbruch seines Elternhauses kam er in einer kleinen Wohnung im nahegelegenen Holtum unter. Hier lebte er zurückgezogen und mied den Kontakt zur Bevölkerung.

Opferleben

Sein unvergleichliches Opferleben begann um 1870 nach Einführung der Gottesdienstform der „Ewigen Anbetung“ im Erzbistum Paderborn durch Bischof Konrad Martin. Dieser Ruf traf die Seele Kaspar Schwarzes, der nun in seiner kindlich-frommen Art die Anregung des Bischofs auf einzigartige Weise umsetzte. Er gab seinen erlernten Beruf, das Schneiderhandwerk, auf und widmete sich nur noch dem Gebet und stiller Beschaulichkeit. Von dieser Zeit an begann Kaspar Schwarze mit seinen Betgängen. Er kannte keine andere Lebensaufgabe mehr, als von einem Ort zum andern zu pilgern und überall die „Ewige Anbetung“ mitzufeiern.

Ewige Anbetung

Bald konnte man sich im Sauerland keine „Ewige Anbetung“ mehr denken ohne Kaspar Schwarze. Gläubige Mitmenschen nannten ihn inzwischen „Bet-Kaspar, der ewige Anbeter“ oder auch in plattdeutsch „das Biärremänneken“. Fast 40 Jahre hindurch besuchte Kaspar Schwarze jährlich etwa 150 Kirchen auf seiner Pilgerschaft durch das Erzbistum Paderborn, um jeweils an der „Ewigen Anbetung“ teilzunehmen und war so im ganzen Land von Paderborn bis Hamm und von Werl bis Siegen als „Betkaspar“ bekannt.

So wanderte er das ganze Jahr hindurch von Kirche zu Kirche, von Tabernakel zu Tabernakel, bei Hitze und Kälte, bei Regen und Schnee. An den Kirchen angekommen, begab er sich unverzüglich hinein und verweilte dort oft bis zum frühen Morgen im Gebet. Verpflegt wurde er bei gastfreundlichen Menschen und beim Pfarrer oder dessen Küster.

Im Jahr 1911 starb er im Mariannenhospital in Werl und wurde auf dem Parkfriedhof beigesetzt. Schon bald nach seinem Tod wurde das Grab zum Ziel vieler Pilger. 1933 wurde er auf dem Werler Friedhof in ein Ehrengrab umgebettet. Der Versuch, einen Seligsprechungsprozess einzuleiten, scheiterte jedoch wegen der Umstände in den Zeiten des Nationalsozialismus.

Alte Tradition

Die „Ewige Anbetung“, die Kaspar Schwarze 40 Jahre lang in seinen Bann zog, ist eine alte Tradition der katholischen Kirche. Grundlage dafür ist der Glaube an die wahrhafte Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten der Eucharistie.

Auch jetzt werden mit der „Ewigen Anbetung“ im Sinne einer „täglichen Anbetung“ die Anliegen der Kirche und der Gemeinden in einer ununterbrochenen Gebetskette in die Pfarreien und Klöster der Erzdiözese getragen. Aber auch diese Form der Anbetung fällt dem stetig stärker werdenden Nachlassen der Volksfrömmigkeitimmer mehr zum Opfer.Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken, konstatierte im Jahr 2006: „Ohne gesunde und lebendige Volksfrömmigkeit gibt es keine erfolgreiche Weitergabe des Glaubens“.

Er rief dazu auf, alle Ansätze zu fördern, die zur Wiederbelebung traditioneller Andachts- und Gottesdienstformen sichtbar würden. Papst Benedikt XVI sagte in einem Vortrag am 18.10.2010: „...Deswegen ist die Volksfrömmigkeit ein großer Schatz der Kirche.“

 
 

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