Charmant, frisch und gewitzt

Olpe.  Ein noch ganz junger Pianist mit wohl großer Zukunft gab zum Abschluss der Konzertreihe Piano Solo 2016 seine musikalische Visitenkarte in Olpe ab und sorgte für begeisterte Beifallsstürme im leider nicht ganz vollbesetzen Saal des Kreishauses. Zweifelsohne: Das, was Aaron Pilsan den Freunden der Klaviermusik am vergangenen Freitag präsentierte, hätte allemal mehr Zuhörer verdient gehabt.

Im ersten Konzertteil setzte sich der junge Österreicher am Flügel intensiv mit der musikalischen Form der Suite auseinander: Pilsan hatte J.S. Bachs Französische Suite Nr. 1 in d-Moll BWV 812 als Ausgangspunkt seines Streifzuges durch die musikalische Welt der Suiten ausgewählt. Mit einer angenehm sanften Tongebung, mit ruhigem Gestus sowie dezent artikuliert präsentierte der junge Künstler die eröffnende Allemande, während die energischen Läufe der Oberstimme im musikalischen Konflikt mit den grundierenden Basslinien die nachfolgende Courante auszeichneten.

Wundervoll ausgespielt

Ans Herz der Zuhörer ging die sanft-melancholische Sarabande, während die beiden Menuette durch die wundervoll ausgespielte reiche Ornamentik auf sich aufmerksam machten. Die abschließende Gigue hatte ihren Reiz in den mit bemerkenswerter Transparenz dargebotenen, fugierten und stark akzentuierten Elementen, die dem Schlussstück einen durchaus raffinierten Charakter gaben. Pilsan spielte Bach mit bemerkenswerter musikalischer Reife, der gebotenen Schlichtheit und vermied unnötige Übertreibungen. Seine gesamte Bach-Interpretation gefiel durch ein hohes Maß an Authentizität und Tiefsinn. Dass musikalische Gattungen im Laufe der Zeit bedeutende Entwicklungen durchlaufen, ließ sich eindrucksvoll anhand der Suite Nr. 3 „Pièces impromptues“ op. 18 erleben. Mit dem Werk aus der Feder des rumänischen Komponisten George Enescu (1881-1955), der in seiner Suite eine äußerst reizvolle Klangwelt erschaffen hat, konnte Pilsan auf jeden Fall einen bemerkenswerten Akzent setzen. Er verstand es dabei mit Bravour, die als Suite zusammengefassten und in lebendiger Beziehung stehenden sieben Charakterstücke, mit einer jeweils sehr individuellen Note zu versehen und gleichzeitig einen großen Spannungsbogen über das Gesamtwerk zu ziehen. Aaron Pilsan spielte die Stücke der Suite mit äußerster pianistischer Sensibilität und einem hohen Maß an musikalischer Differenziertheit. Besonders beeindruckend waren die Darbietung des als Choral konzipierten vorletzten Stückes, das mit seiner gregorianisch anmutenden Melodie und ganz besonderen Klangstrukturen ferne Orgelklänge zu imitieren scheint sowie das abschließende „Carillon nocturne“ („Nächtliches Glockenspiel“) Hier wurde den Zuhörern ein reizvolles mit Dissonanzen spielendes Tongemälde dargeboten, das akustische Phänomene des Glockenklangs auf ganz besondere Weise thematisiert.

Ungeheure Präzision

Auch Frederic Chopins 12 große Etüden op. 10 können als lockere Sammlung romantischer Charakterstücken aufgefasst werden. Mit diesen in einer intensiven Lebensphase Chopins komponierten Werken, konnte Aaron Pilsan das Olper Auditorium restlos begeistern: Mit ungeheurer Präzision, Virtuosität und Spielfreude bewältigte der junge Mann am Steinway scheinbar mühelos die jeder Etüde eigenen spieltechnischen Schwierigkeiten und vermochte es mit einer bemerkenswerten Intensität des Ausdrucks das Publikum mitzureißen. Begeisterte Beifallsstürme nach der abschließenden „Revolutionsetüde“ veranlassten den sichtlich zufriedenen Pilsan zu zwei Zugaben. Ein ruhiges Wiegenlied (Berceuse) von Chopin und eine Jazzfantasie über Mozarts „Alla turca“ rissen das Publikum von den Sitzen! Das war charmant, frisch und gewitzt! Einfach Spitzenklasse!

 
 

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