Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt im Wahlkampf nach Olpe

Bundeskanzlerin Merkel in Meschede.
Bundeskanzlerin Merkel in Meschede.
Foto: WR
Von Stammtischen im Crocodile bis zum Auftritt auf dem Markplatz: In Südwestfalen hat der Bundestagswahlkampf bereits begonnen.

Hagen. Wahlkampftouren Prominenter gibt es bereits seit der Antike. Auch im Republikanischen Rom, wo sich Beamte vor 2000 Jahren bereits wählen lassen mussten. Damals gehörten Wein, Brot, große Reden und Händeschütteln dazu. Im Bundestagsvorwahlkampf sind Händeschütteln und Reden geblieben. Nun zeichnen sich die Auftritte der Polit-Prominenz aus Berlin und NRW in Südwestfalen ab. Ein Überblick:

Die CDU

Seit einer Woche weiß der Kreisverband, dass Kanzlerin Merkel am 30. August nach Olpe kommt. „Auf dieses Großereignis freuen wir uns riesig“, erzählt Olpes CDU-Kreisverbands-Geschäftsführer Hubert Brill. Man habe sofort in den Archiven nachgeschaut, ob überhaupt jemals ein Kanzler in Olpe seine Aufwartung gemacht hat. Seine Antwort verblüfft: „Höchstwahrscheinlich nicht.“ Die Dokumente reichten nur bis in die Nach-Adenauer-Zeit. Merkels Auftritt in Olpe sei auch als Dankeschön an Südwestfalens CDU-Hochburg zu verstehen.

Die SPD

„Merkel in Olpe?“ Bernd Banschkus, Kreisvorsitzender des SPD-Kreisverbandes Olpe, bleibt ungerührt. „Ich gehe da nicht hin.“ Für den Wahlkampf würde per se zu viel Geld „verpulvert“. Sparsamer sei der SPD-Kreisverband. „Wir geben nur 10- bis 15 000 Euro für die Bundestagswahl aus.“ Dass der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier öfter auf der Gästeliste in Südwestfalen auftauche, habe mit seiner Verbindung ins Siegerland zu tun. „Seine Frau stammt daher.“ Einen Bogen um Südwestfalen machen noch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Das hinge mit ihrem Engagement beim bayerischen Landtagswahlkampf zusammen. Beliebter, so Banschkus, sei sowieso die NRW-Polit-Prominenz.

Die FDP

Die FDP in Südwestfalen setzt auf Guido Westerwelle. „Kein anderer Politiker unserer Partei ist in NRW so beliebt wie der Außenminister“, berichtet Astrid Partmann (44) vom FDP-Bundesverband Westfalen-Süd. Seiner Ausstrahlung, seiner Rhetorik könne sich niemand entziehen. „In Erwitte, wo Westerwelle sich am 9. August beim Sommerfest präsentiert, werden sich die Sicherheitskräfte über fehlende Arbeit nicht beklagen.“

Die Grünen

Die Grünen in Südwestfalen haben vor Monaten eine Wunschliste an den Landesverband geschickt. Und bekommen mit Katrin Göring-Eckardt auch einen Wunsch erfüllt. Christiane Luke (60) vom Stadtverband Siegen schwärmt von der etwas anderen Art der Wahlkampftouren ihrer Partei-Prominenz. „Bei uns geht’s lockerer zu. Ohne große Reden, dafür mit Straßenmusik und Straßen­cafés in den Fußgängerzonen.“ Dazu gesellen sich dann Bärbel Höhn und Volker Beck.

Die Linke

Bisher wird sich nur Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht nach Südwestfalen verirren. Und zwar nach Soest. Ingo Hentschel vom Kreisverband Die Linke in Hagen kann die Gründe, warum die Polit-Prominenz der Partei Ballungsräume bevorzugt, nicht nennen. Das sei als Problem erkannt, eine Arbeitsgruppe beschäftige sich damit. Mit Sahra Wagenknecht als Zugpferd ist Hentschel nicht „100-prozentig“ zufrieden: „Sie ist eine Wirtschaftswissenschaftlerin, die von Unternehmenslenkern gefürchtet wird.“ Mit ihrer kalten Ausstrahlung habe er sich aber nicht anfreunden können. Er freue sich auf Gregor Gysi, der nach Gevelsberg kommen will.

Die Piraten

Allein über das Wort „Polit-Prominenz“ kann sich Britta Stephan (33) in Rage reden. Die Piratin vom Landesverband findet diesen Begriff eine „Zumutung“. Sie spricht lieber über Basisdemokratie. „Wir setzen aufs Internet“, erklärt Stephan die Piraten-Philosophie. Wer sich dennoch Auge in Auge mit einem Piraten austauschen möchte, dem empfiehlt sie die Piraten-Stammtische, die es in jeder größeren Stadt gebe. Unter anderem einen in Hagen. Dort trifft man sich jeden Dienstag um 19 Uhr im Lokal Crocodile in der Mittelstraße 8.

Der Wahlforscher

Wer am Sinn der Wahlkampftouren zweifelt, den kann Wahlforscher Professor Rüdiger Schmitt-Beck von der Universität Mannheim eines Besseren belehren: „Trotz der eher geringen Anzahl von Studien in Deutschland, muss man die Frage eindeutig mit Ja beantworten.“ Einer von zehn Wählern besuche im Vorwahlkampf die öffentliche Darbietung von Politikern. Allerdings liege die Beeinflussung von potenziellen Wählern nicht am physischen Auftritt auf einem Marktplatz, sondern an der sich anschließenden Berichterstattung in den Medien. „Zum Marktplatz gehen nur die hin, die den Politiker gut finden.“ Der Kritik, dass die Parteien für die Werbung im Bundestagswahlkampf mit 70 Millionen Euro zu viel Geld ausgegeben, kann der Professor für Politische Wissenschaft nicht folgen: „In eine funktionierende Demokratie kann man nicht genug investieren.“

 
 

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