Bronze-Dimitri legt die Jugend aufs Kreuz

Bilstein.  Sommerferien in ganz NRW, aber die Turnhalle der Grundschule Bilstein ist voll belegt: 69 junge Leute tummeln sich auf bunten Matten. Es rummst und knallt, Körper liegen auf dem Boden. Es wird geschrien, gegriffen, gehakt, geworfen. In Bilstein weiß man Bescheid: Ein Anwohner grüßt die Ankömmlinge mit einem Schild: „Herzlich Willkommen Judocamp“.

Seit 2000 in Bilstein

Seit 13 Jahren organisieren Bernd Levien und Peter Schlatter, Europameister von 1995, das einwöchige Trainingscamp. Jedes Mal kommen etwa 70 bis 100 Judoka aller Altersklassen und Gürtel ins Sauerland, um mit hochkarätigen Trainern an ihrer Technik zu feilen.

Daneben soll natürlich auch Spaß und Freude an der Sportart vermittelt werden. Dafür wird hart trainiert. Vier Einheiten pro Tag, dazu Frühsport. Und wer noch nicht genug hat, kann am Abend noch eine weitere Einheit einlegen. Aber es lohnt sich. „Die Teilnehmer können ihre Technik hier enorm verbessern. Es sind auch schon Jugendmeister aus diesem Camp hervorgegangen“, erklären Peter Schlatter und Bernd Levien.

Zu Besuch ist in diesem Jahr ein absoluter Topstar: Dimitri Peters, Olympiadritter 2012 in London . Der Hannoveraner hat gerade die Vorbereitung für die WM im Rio abgeschlossen und befindet sich in der Regenerationsphase, dennoch hat er sich für einen Tag ins Sauerland begeben. In zwei Wochen wird er in Brasilien wieder um WM-Medaillen kämpfen. „Im Judo ist alles möglich“, sagt er. „Ein Kampf dauert maximal fünf Minuten, aber ist man nur eine Sekunde unaufmerksam, ist es vorbei.“ Dann demonstriert er einige Techniken. Die Campteilnehmer stehen aufmerksam am Rand der Matten und hören gebannt zu. Mancher filmt die Tipps, damit man später weiter üben kann. „Man muss immer dran bleiben, nie aufgeben“, so die Ansage an die meist jungen Zuhörer.

Olympiasieger als Referenten

Das Camp erfreut sich großer Beliebtheit. Sogar aus Österreich und der Schweiz kommen Teilnehmer, dabei wird die Veranstaltung nicht explizit beworben. Die regionalen Vereine unterstützen die Aktion nach Kräften, etwa mit den Matten, die in der ganzen Halle ausgelegt werden müssen. Finanziert wird das Camp über eine Teilnahmegebühr von 270 Euro. Gewinn machen die Organisatoren damit nicht: „Wir müssen die Hallenmiete und die Reinigung bezahlen. Es wäre schön, wenn die Stadt uns dabei unterstützen könnte.“ Ein Teil des Geldes ist auch für die erstklassigen Trainer bestimmt, darunter waren in den letzten Jahren die Olympiasieger Udo Quellmalz (1996) und Ole Bischof (2008). In diesem Jahr war dessen Vater Gunter als Referent zu Besuch. „Wir versuchen, ältere und aktive Judoka für das Camp zu gewinnen“, erklärt Bernd Levien.

Auch im nächsten Jahr werden die Judoka sich wieder im Sauerland treffen und vielleicht ist dann ein neuer deutscher Weltmeister dabei.

 
 

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