Bis jetzt kaum Beweise für Luchs und Wolf

Josef Schmidt

Kreis Olpe.  Für Antonius Klein, das ist nach wenigen Minuten unseres Gespräches unzweifelhaft, ist das Thema „Herzens-Angelegenheit“: Wenn es um die Frage geht, ob scharfzahnige Gesellen wie Wildkatze, Luchs, Wolf oder gar Gevatter Braunbär wieder in hiesigen Gefilden Fuß fassen sollten, wird die ansonsten sonore Stimme mit ruhigem Tonfall merklich emotional: „Da wird grundsätzlich eine Nützlichkeitsposition aus rein menschlicher Sicht eingenommen.“ Die Frage aller Fragen, die dann über allem schwebe, sei natürlich die Gefährdungsfrage.

Und da zögert Klein keine Sekunde, um harte Fakten den üblichen, seit Jahrhunderten zementierten Vorurteilen zu begegnen: „In früheren Jahrhunderten waren diese Tiere direkte Konkurrenten des Menschen. Wenn da ein Rind oder eine Sau im Stall gerissen wurde, ging es möglicherweise um die Existenz der Familie.“

Das sei heute aber völlig anders. Und die Angst, dass den Eltern beim Spaziergang im Wald ihr Kleinkind abhanden kommen könne, kann Klein ebenfalls kontern: „Da müsste es ja jede Menge toter Kinder geben, ob nun in Sachsen, Brandenburg oder in Niedersachsen. Weder bei Wolf noch Luchs ist ein Mensch als Beute programmiert.“

Jäger mögen Wolfs-Tourismus nicht

Auf unserem Spaziergang durch ein Kirchhundemer Waldgebiet bittet Klein nicht über den genauen Ort zu informieren. Die Jagdpächter sähen es verständlicherweise nicht gerne, wenn ein detailliert bestimmtes Gebiet als Luchs- oder sogar Wolfs-Region bekannt werde: „Dann gibt es sofort einen Luchs- oder Wolfs-Tourismus, und den mögen die Jäger in ihren Revieren natürlich gar nicht gerne."

Anlass, sich dem Thema noch einmal zu widmen, ist für uns die Odyssee der Luchs-Dame „Marie“, die aus dem Tierpark Niederfischbach ausgebüxt und zwei Mal im Hünsborner Wald gesichtet worden war (wir berichteten). Mittlerweile ist sie wieder im Gehege, da sie bei Oberfischbach in eine Falle tappte.

Klein: „Es gibt immer wieder Sichtungen, in denen die Leute davon berichten, solche Tiere gesehen zu haben. Das sind erst einmal Hinweise. Als Nachweise werten wir sie nicht.“ Im Falle der Luchs-Dame sei es allerdings wahrscheinlich, dass sie Sauerländer Luft geschnuppert habe, „es waren zwei verschiedene Personen, die das Tier gesehen haben wollten.“ Ansonsten benötigt „Wildkommissar“ Klein handfeste Spuren: „Ein Foto, Haare, aber auch Kot können uns Beweise liefern.“ So, wie seinerzeit der zweifelsfrei bewiesene Luchs-Fund beim Oberhundemer Panopark 2011: „Damals konnte ein genetischer Nachweis erbracht werden.“

Dass das Sauerland den großen Fleischfressern ein gut geeignetes Terrain biete, sei klar. Vor allem dort, wo Felsen und Klippen sich in die waldreiche Natur gestellt, Nischen und kleine Höhlen für die scheuen Tiere ausgebildet hätten. Gerade im Kirchhundemer Land gebe es zudem noch „große zusammenhängende Wälder“, so Klein, und genau das suchten die Tiere.

Auf die Frage nach belastbaren Wolfs-Sichtungen sagt Klein: „Etwa ein Dutzend in den vergangenen fünf Jahren, aber keinen einzigen Nachweis oder belastbare Indizien.“ Was nicht bedeuten müsse, dass noch kein Wolf den Fuß ins Sauerland gesetzt habe: „2015 ist in Eiserfeld ein Foto geschossen worden. Das Tier wurde vom Fachbüro ,Lupus’ mit hoher Wahrscheinlichkeit als Wolf identifiziert.“

Profis im Töten

Auch im Kreis Olpe habe es zwar gerissene Rinder und Schafe gegeben, aber nicht mit den typischen Riss-Spuren. Klein: „Wölfe und Luchse sind Profis im Töten, wenden einen ganz gezielten Kehlbiss an.“ Die Opfer würden meist schon am Schock sterben oder erstickt. Klein: „Einen solchen Kehlbiss habe ich hier noch nicht gesehen.“ Bleibt die Frage, ob er sich über Wolf und Luchs im Kreis Olpe freuen würde: „Ja, aber dann muss vorher die Entschädigungsfrage detailliert und gerecht geklärt werden.“