Amtsstube sucht nach frischem Wind

Kreis Olpe.  Auch im Kreis Olpe tun sich einige kommunale Verwaltungen schwer, talentierten und motivierten Nachwuchs zu finden. Wir haben nachgefragt, wie die Situation konkret aussieht.

Lennestadt geht den Audit-Weg. Fachbereichsleiter und Kämmerer Rüdiger Barteit: „Nachdem wir jahrzehntelang keine besonderen Nöte hatten, hat sich die Situation nun im Zuge des demografischen Wandels stark verändert. Um gut ausgebildete Kräfte hat ein Wettbewerb eingesetzt, der auch unsere Verwaltung trifft. Das klassiche Argument sicherer Arbeitsplattz zieht nicht mehr. Unser Ziel ist es, mit einer unabhängigen Außenperspektive Veränderungen anzustoßen und uns auch als Arbeitgeber attraktiver aufzustellen.“ Derzeit hat Lennestadt die erste Phase des INQA-Audits „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit erfolgreich absolviert. Lennestadt gehört zu den ersten 100 Teilnehmern im Pilotbetrieb des Audits. Damit können sich Unternehmen und Verwaltungen Klarheit darüber verschaffen, wie zukunftsorientiert Organisations- und Personalpolitik ist und wo Verbesserungspotenziale liegen.

Rosig sieht es bei der Gemeinde Wenden aus. „Wir haben überhaupt keine Probleme. Wir haben alle Ausbildungsplätze im Bereich Beamte, Angestellte und Bauhof besetzen können. Wir sind in Wenden ein sehr attraktiver Arbeitgeber“, sagt Rupert Wurm, im Wendener Rathaus zuständig für Personalangelegenheiten. Zwar gebe es insgesamt weniger Bewerber, was logisch sei bei weniger Schulabgängern, aber immer noch genug. Aktuell sucht die Gemeinde für nächstes Jahr einen Bachelor of Law. Bewerbungen liegen vor. „Wir werden jemand finden“, so Rupert Wurm.

Auch Kirchhundems Beigeordneter Tobias Middelhoff kommt beim Blick auf den Personalspiegel nicht ins Schwitzen. „Wir haben einen guten Mix aller Altersklassen und sind ganz gut aufgestellt.“

Mächtig in Schwung kommt das Personalkarussell im Olper Rathaus:. „Durch planmäßiges Ausscheiden wird es in den nächsten Jahren bei 40 Prozent der Stellen einen Wechsel geben“, betont Thomas Bär, Erster Beigeordneter und Kämmerer: „Das ist nicht ganz ohne.“ Mit Nachwuchsproblemen habe die Verwaltung aber nicht zu kämpfen: „Wir bilden kontinuierlich aus und qualifizieren Mitarbeiter durch die Angestelltenlehrgänge I und II, damit sie dann in die frei werdenden höheren Positionen aufsteigen können.“ Zwei neue Auszubildende sind seit wenigen Tagen im Dienst. Aktuell sucht die Stadt lediglich drei Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes zur Unterstützung der pädagogischen Arbeit im Ganztag der Sekundarschule Olpe und der Inklusionsarbeit am Städtischen Gymnasium. Dennoch: Der Fachkräftemangel, der in der Privatwirtschaft schon seit Jahren beklagt wird, wird nach Einschätzung des Ersten Beigeordneten „irgendwann auch den öffentlichen Dienst erreichen“.

Qualität der Bewerbungen gleich

Attendorns Dezernent Christoph Hesse bleibt beim Thema Nachwuchs eher gelassen: „Quantitativ kann man es schon spüren. Früher hatten wir dreistellige Bewerberzahlen, das gibt’s heute nicht mehr. Dass sich dadurch aber auch die Qualität der Bewerbungen verändert hat, kann ich nicht feststellen.“ Allerdings war die Situation in Attendorn nach Einschätzung Hesses immer schon etwas anders als in den anderen Kommunen: „Wir hatten immer starke Industriebetriebe in der Stadt, die attraktiv sind für angehende Auszubildende.“ So ist es aus seiner Sicht - zumindest derzeit - nicht die Ausbildungssituation, die sich stark verändert hat, sondern die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich zu verändern. „Die Leute sind viel flexibler. Wenn die geeigneten Stellen im Haus fehlen, sind sie auch schnell woanders. Mal ein paar Jahre abwarten ist kaum drin. Ein 50-jähriges Dienstjubiläum wird es kaum mehr eben.“

Keine Probleme in Finnentrop

In Finnentrop ist es nach Aussage von Bürgermeister Dietmar Heß bislang ohne Probleme möglich, guten Nachwuchs zu gewinnen. Derzeit sind sechs junge Menschen in der Ausbildung. „Allerdings sind wir seit einigen Jahren auch früher am Ausbildungsmarkt unterwegs. Das halte ich im Übrigen für nicht ganz unkritisch, weil sich Jugendliche aus der Sekundarstufe – anders als die angehenden Abiturienten - dann bereits mit dem Zeugnis des ersten Halbjahres der 9. Klasse bewerben müssen. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sich dieser frühe Weg lohnt“, so der Bürgermeister. Offensichtlich wüssten junge Menschen wohnortnahe und übersichtlichere Ausbildungsstellen zu schätzen. Insofern spüre man auch keine Konkurrenz zwischen den Kommunen oder im Verhältnis zum Kreis. Im Übrigen würden die Themen Auswirkung der Demografie und Nachwuchsgewinnung auch in vielfältiger Weise fachlich diskutiert, zum Beispiel in den Gremien des StGB NRW oder des Kommunalen Arbeitgeberverbandes. Dafür gibt es kein Patentrezept. Aber zu den Möglichkeiten gehört z.B. die bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie. So gab es in Finnentrop schon lange vor der Schaffung gesetzlicher Regelungen die Möglichkeit von flexiblen Teilzeitstellen.

Der Pensions-Aderlass der Drolshagener Verwaltung in den nächsten fünf Jahren ist überschaubar. Voraussichtlich zwei Mitarbeiter verlassen das Rathaus. Drolshagen, so Rainer Lange, bilde bedarfsgerecht aus, um erkennbare Mitarbeiterabgänge zu kompensieren und den Auszubildenden eine Übernahme zu ermöglichen: „Andere Mitarbeiterfluktuationen, durch Kündigung, Elternzeit oder Beurlaubung, müssen durch Stellenausschreibungen aufgefangen werden.“

 
 

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