Alter Bahnhof gewinnt Wettbewerb

Jürgen Aubert und Martin Kuschel (r.) vom Vorstand des Vereins „Alter Bahnhof Attendorn"
Jürgen Aubert und Martin Kuschel (r.) vom Vorstand des Vereins „Alter Bahnhof Attendorn"
Foto: WP
Die Uhr am Portal des Attendorner Bahnhofs steht auf „zwei nach zwölf“. Aber der Zug ist noch längst nicht abgefahren, auch wenn in dem teilweise in Fachwerkbauweise errichteten Zweckbau aus dem Jahre 1875 schon lange keine Fahrscheine mehr verkauft werden.

Attendorn.  Die Uhr am Portal des Attendorner Bahnhofs steht auf „zwei nach zwölf“. Aber der Zug ist noch längst nicht abgefahren, auch wenn in dem teilweise in Fachwerkbauweise errichteten Zweckbau aus dem Jahre 1875 schon lange keine Fahrscheine mehr verkauft werden. Der Verein Alter Bahnhof Attendorn will die Uhr zurückdrehen und neues Leben in das historische Gemäuer bringen. Ein sozio-kulturelles Bürgerzentrum soll entstehen.

Begegnungsstätte im Zentrum

Das Ziel ist eine Begegnungsstätte im Stadtzentrum für alle Generationen, Nationalitäten, Konfessionen und Weltanschauungen, das Kultur, Information und offene Kommunikation bietet. 170 Mitglieder setzen sich derzeit dafür ein, vielfach nicht erst, seit die Stadt im Jahr 2005 das Gebäude erwarb.

Für diese Idee und den bisher beschrittenen Weg der Verwirklichung verleiht die Westfalen-Initiative dem Verein Alter Bahnhof Attendorn den ersten Preis im diesjährigen Wettbewerb „Westfalen bewegt“. „Die Projektmaxime der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung folgt besonders anschaulich unserem Ziel, beispielhaftes ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement auszuzeichnen“, gibt Geschäftsführer Wolfgang Schäfer das Juryurteil wider.

Mitmach-Bürgerhaus

Die Aktiven des Mitmach-Bürgerhauses und Kulturzentrums haben einen beschwerlichen, inzwischen 13 Jahre langen Weg beschritten. Denn von Anfang an war klar, dass in Renovierung, Umbau und Einrichtung erheblich investiert werden muss.

Derzeit geht man von mehr als drei Millionen Euro aus. Auch der laufende Betrieb wird – wie bei allen kulturellen und sozialen Einrichtungen - nicht kostendeckend sein. Aber beharrlich und in vielen kleinen Schritten hat der Verein das Projekt der Verwirklichung näher gebracht. Die Hälfte der Bau-Investitionen sollen mit Stadterneuerungszuschüssen des Landes finanziert werden, 40 Prozent die Stadt Attendorn und zehn Prozent der Verein selbst tragen.

Und für die laufenden Betriebskosten gibt es eine politische Zusage des Stadtrates, jährlich 20 000 Euro des Defizits zu übernehmen.

Kosten weiter senken

„Wir wollen die Kosten weiter senken und unsere Mitgliederzahl erhöhen. Es gibt klare Zusagen aus der heimischen Wirtschaft, dass sie sich mit großen Beträgen beteiligt. Andere haben signalisiert, wenn das Projekt umgesetzt wird, sind auch sie dabei“, schaut Vereinsvorsitzender Martin Kuschel guten Mutes in die Zukunft.

Für ihn ist das Bürgerzentrum schlicht eine Notwendigkeit. Es gebe im Stadtzentrum nichts Vergleichbares. Die etwas entfernte Stadthalle sei für viele Veranstaltungen zu groß und Gaststättensäle seien zu klein.

Anerkennung der bisherigen Arbeit

Den Preis der Westfalen-Initiative sieht er als Anerkennung der bisherigen Arbeit und zugleich als „Zeichen, dass das Projekt auch überregionale Beachtung findet. Er wird uns sehr weit nach vorne bringen und dazu beitragen, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, das Bürgerzentrum ist nicht nur die Idee von ein paar Durchgeknallten“.

Für Dirk Glaser, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur ist sie das ganz bestimmt nicht, sondern ein „gutes Beispiel für eine gelungene Willkommenskultur“.

Mit dem Grundgedanken, Bürger einzubinden und keine Funktionärsveranstaltung zu sein, entspreche das Konzept für den Alten Bahnhof Attendorn exakt dem Anliegen des jüngsten NRW-Strukturförderprogramms Regionale, deren Maßnahmen die Südwestfalen Agentur vorbereitet und organisiert.

20 000 Euro Preisgeld

Wie sehr die 20 000 Euro Preisgeld für den Verein Bürgerzentrum Alter Bahnhof Attendorn Motivationsschub sind, verdeutlicht Kuschel mit dem Hinweis auf die geplante Verwendung: Sie sollen zum einen Teil der Anschubfinanzierung für den zehnprozentigen Eigenanteil an den Baukosten sein, zugleich aber auch dazu dienen, das bereits laufende, provisorische Veranstaltungsprogramm auszuweiten, etwa durch Kinovorführungen, die dann das in Attendorn fehlende Lichtspielhaus ersetzen.

 
 

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