AfD-Sprecher Rohlje - Wollen wieder mehr Bürgernähe

Reiner Rohlje, Werkzeugmachermeister aus Saßmicke und stellv. Kreissprecher der Alternative für Deutschland, im Interview mit unserer Zeitung.
Reiner Rohlje, Werkzeugmachermeister aus Saßmicke und stellv. Kreissprecher der Alternative für Deutschland, im Interview mit unserer Zeitung.
Foto: WP
Vor zweieinhalb Monaten gründete sich auch hierzulande ein Kreisverband der neuen Partei „Alternative für Deutschland“. Die in erster Linie als eurokritisch einzustufende Kreisgruppe wählte einen fünfköpfigen Vorstand und organisierte schon wenig später eine Veranstaltung mit ihrem bundespolitischen Spitzenmann Prof. Dr. Bernd Lucke in Oberveischede.

Olpe.. Was man grundsätzlich, aber vor allem vor Ort von der AfD erwarten darf, wollten wir von Reiner Rohlje wissen, 53-jähriger Inhaber eines Handwerksbetriebes aus Olpe und stellv. Kreissprecher des AfD-Kreisverbandes Olpe.

Reiner Rohlje, wer war eigentlich der Vater der Idee, im Kreis Olpe eine Alternative für Deutschland anzubieten?

Rohlje: Diese ganze Partei ist ja von oben nach unten gegründet worden. Es gab erst einen Bundesverband, dann einen Landesverband, Bezirksverbände. Aus diesen Mitgliedern haben sich dann einige bereit erklärt, auch vor Ort, also in den Kreisen etwas zu machen. Hier im Kreis Olpe gab es eigentlich zwei Väter. Das waren im wesentlichen Klaus-Peter Berg aus Olpe, unser Schatzmeister, und Klaus Schmelzer aus Finnentrop, der unser Kreissprecher geworden ist.

Sind die beiden vorher in einer anderen Partei aktiv gewesen?

Nein. Der einzige, der von uns vorher in einer anderen Partei aktiv war, ist Sven Oliver Rüsche. Er war für die CDU mehrere Jahre Ortsunionsvorsitzender in Drolshagen.

Wann ist die Idee entstanden, die AfD hier vor Ort zu installieren?

Unsere Partei ist ja überhaupt erst im März gegründet worden, der Landesverband im April, und hier im Kreis gab es die ersten Ideen im Juni. Und am 4. Juli fand schon die Gründungsversammlung statt.

Sie selbst waren bisher nicht öffentlich in einer Partei aktiv. Wo sind Sie politisch einzuordnen?

Ich bin schon konservativ und habe, auch von der Erziehung her, noch die Wertevorstellung unserer Generation. Ich war auch einige Jahre Mitglied der CDU, aber passiv.

Und warum jetzt AfD?

Die CDU hat meine Positionen verlassen.

Welche?

Eine ganz wesentliche Sache ist für mich, und das wird auch in unserem Betrieb so praktiziert, dass man offen und ehrlich miteinander umgeht. Das ist für mich eine Wertevorstellung, die mir sehr wichtig ist. Vertrauen spielt eine große Rolle.

Können Sie ein Beispiel nennen, wo das bei der CDU nicht der Fall war?

Es sind immer wieder Versprechungen gemacht worden vor einer Wahl, die dann nicht eingehalten wurden. Das gibt es bei anderen Parteien natürlich auch. Aber mittlerweile wird offenbar ganz bewusst die Unwahrheit gesagt. Und selbst, wenn man dabei ertappt wird, ist das kein Grund, zurückzutreten oder sich zu entschuldigen.

Beispiele?

Ich nenne Ihnen nur vier Beispiele aus dem Wahlprogramm der CDU von 2009: Es wurde, selbst nach der Bankenkrise, ganz deutlich gesagt: Wir werden nicht für andere Staaten haften, nicht für deren Schulden einstehen. Damit ist, siehe Rettungsschirm, definitiv gebrochen worden. Dann wurde 2009 gesagt: Die Wehrpflicht wird beibehalten. Das Gegenteil ist passiert, sie ist abgeschafft worden. Es wurde gesagt: Die Laufzeit der Atomkraftwerke wird verlängert. Genau das Gegenteil ist geschehen. Zudem hieß es, die Infrastruktur werde verbessert, insbesondere die Straßenbeläge. Darüber brauchen wir gar nicht zu reden. Auf das Thema Steuersenkungen will ich erst gar nicht eingehen. Dabei geht es mir gar nicht darum, ob ich jetzt für oder gegen Atomkraft bin oder gegen die Wehrpflicht. Wenn ich aber Politiker für bestimmte Kernaussagen wähle, und das waren jetzt Kernaussagen, dann muss ich auch erwarten, dass die das umsetzen, sonst hab’ ich ja nicht mitbestimmt.

Welches ist die zentrale Botschaft seitens der AfD speziell hier im Kreis Olpe?

Dass wir nicht einfach die Art der gegenwärtigen Politik hinnehmen. Wir sollten dagegen aufbegehren und darauf drängen, dass man ehrlich mit dem Wähler umgeht. Dass ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird. Dass wieder eine Bürgernähe entsteht. Ich sage gar nicht, dass wir überall die Besten sind und für alles die besseren Lösungen haben. Aber wir müssen doch über Kernthemen offen diskutieren. Da kann man sich nicht einfach hinstellen und sagen: Das ist so, und jeder, der eine andere Meinung hat, verhält sich unverantwortlich.

Sind Sie ein Verfechter von Bürgerentscheiden?

Ja natürlich. Aus unserer Sicht ganz klar bei der Frage, wie man weiter mit dem Euro umgehen sollte. Da muss ich noch hinzufügen, dass ich ein Freund von Europa bin. Als exportorientierter Unternehmer muss ich das sogar eigentlich sein. Aber wir denken, dass der Euro, so wie er geschaffen worden ist, andere Länder sehr stark benachteiligt.

Wären Sie dafür, Griechenland vom Euro abzukoppeln?

Auch hier wäre für mich die Lösung gewesen, in Griechenland die Demokratie zuzulassen. Dass die Bürger dort entscheiden können, ob sie im Euro drinbleiben wollen oder nicht. Papandreu wollte diese Entscheidung, Sie wissen es vielleicht noch, und ist dann zurückgepfiffen worden. Wir können doch nicht bestimmen, ob die Griechen im Euro bleiben sollen.

Das alles klingt nach mehr Basisdemokratie.

Ja. Wir wollen mehr Basisdemokratie.

Wie viele Mitglieder hat die AfD im Kreis Olpe momentan?

So Mitte 30. In Nordrhein Westfalen haben wir jetzt gerade , ich bin für die Mitgliederverwaltung in NRW nämlich zuständig, die 3.000-Mitgliedermarke geknackt.

Welche Ziele haben Sie bezüglich der Mitgliederzahl mittelfristig?

Wir setzen uns da keine Ziele. Unser Ziel ist es auch nicht, irgendwo Posten zu besetzen. Unser Ziel ist es, dass die Politik sich wieder ändert zu mehr Bürgernähe. Dass Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, wie Sie als Journalist und ich als Werkzeugmachermeister, der Lehrer, der Friseur oder die Krankenschwester, dass die auch wirklich wieder mitbestimmen können. Das können sie im Moment nicht. Und viele sagen ja auch: Wir können doch eh’ nichts machen.

Glauben Sie, dass es als Ausdruck dieser Ohnmacht eine geringe Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl geben wird?

Das ist ja zuletzt so gewesen. Aber ich hoffe, dass es uns gelingen wird, und mit uns meine ich jetzt nicht nur die AfD, sondern alle. Dass es gelingen wird, wieder mehr Menschen zur Wahl zu bewegen. Dass die Politik wieder so bürgernah wird, dass die Menschen auch wieder gerne zur Wahl gehen.

In der Stadt Olpe gibt es ja gerade eine Bürgerentscheid-Kontroverse zum Thema Rathaus. Sind Sie als Olper für einen Bürgerentscheid?

Ganz ehrlich, da habe ich mir in den vergangenen Wochen keine Gedanken drüber gemacht.

Hat die AfD das langfristige Ziel, auch die Gemeinde- und Stadträte hier zu besetzen?

Wir haben seitens des Landesvorstandes gesagt: Wir machen jetzt erst diese Wahl. Und nach der Wahl setzen wir uns zusammen und klären, wie und ob wir uns kommunal aufstellen. Es ist aber davon auszugehen, dass wir uns auch kommunal aufstellen.

Schon für die nächsten Kommunalwahlen?

Ja, für die nächsten Kommunalwahlen.

 
 

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