600 000-Euro-Drehleiter wird zum Politikum

Drehleitern kommen einmal jährlich auf den Prüfstand. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass sie auch nach vielen Jahren noch einwandfrei funktionieren.
Drehleitern kommen einmal jährlich auf den Prüfstand. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass sie auch nach vielen Jahren noch einwandfrei funktionieren.
Foto: WP

Olpe/Finnentrop..  Hat die Stadt Olpe ihrer Feuerwehr für annähernd 600 000 Euro eine neue Drehleiter spendiert, obwohl die alte noch einige Jahre gute Dienste geleistet hätte? Diese Frage brennt Fritz Klocke, Fraktionschef der Grünen im Rat der Stadt Olpe, unter den Nägeln. Am 17. Dezember erwartet er in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses von Bürgermeister Horst Müller eine Antwort.

Am 7. Februar 2012 hatte dasselbe Gremium den Kauf des „DLK 23/12“ abgesegnet. „Die Kostenschätzung ... wird mit max. 700.000,00 € festgestellt“, heißt es in dem Beschluss.

Knackpunkt Vorspannung

Begründung für den Neukauf: Die damals 19 Jahre alte Drehleiter würde „erhebliche Unterhaltungskosten“ von jährlich rund 35 000 Euro verursachen. Außerdem, so die Verwaltung, sei „zurzeit nicht absehbar“, wie lange „die vorhandene Vorspannung des Leiterparks noch ausreicht“. Eine Wiederherstellung der erforderlichen Vorspannung koste rund 130 000 Euro, verlängere die Nutzungsdauer aber nur um fünf bis acht Jahre.

Die Olper Bedenken hielten allerdings die Feuerwehr der Gemeinde Finnentrop nicht davon ab, den Oldtimer aus der Kreisstadt im Juli 2013 bei einer Zoll-Auktion für 43 100 Euro zu ersteigern und nach einer eingehenden technischen Überprüfung in den eigenen Fahrzeugpark zu integrieren.

Die Gemeinde informierte sich sogar beim Hersteller des Fahrzeuges - und erfuhr, dass eine Wiederherstellung der Vorspannung, die in Olpe als Argument für eine neue Drehleiter genannt wurde, nicht notwendig sei.

Freude in Finnentrop

Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß hob bei der offiziellen Übergabe die geringe Laufleistung und Betriebsstundenzahl der Drehleiter hervor. Rund zehn Jahre, so seine Hoffnung, würde das alte Olper Fahrzeug bei der Feuerwehr Finnentrop Verwendung finden.

All das ließ den Olper Grünen-Chef Fritz Klocke hellhörig werden. Er will jetzt vom Bürgermeister wissen, „von wem und auf welcher Grundlage“ im Jahr 2012 „die Kostenschätzung mit 35000 Euro für die Unterhaltung“ vorgenommen wurde.

Klocke erwartet auch eine Antwort auf die Frage, von wem und auf welcher Grundlage die Vorspannung geprüft wurde und wie die Stadt die Kosten für die Erneuerung ermittelt hat.

Torsten Kaufmann, Sprecher der Olper Feuerwehr und gleichzeitig Leiter des Amtes für Finanzen und Steuern bei der Stadt Olpe, wies im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass es im Olper Stadtgebiet 18 bis 23 Meter hohe Häuser gibt, bei denen „oft der zweite Rettungsweg fehlt“. Für solche Gebäude müsse die Olper Feuerwehr eine Drehleiter vorhalten. In der Gemeinde Finnentrop jedoch sei eine Drehleiter „nicht verpflichtend“. Dennoch würden die Finnentroper Erkenntnisse zu dem alten Olper Fahrzeug in die Antwort auf Fritz Klockes Anfrage einfließen.

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