Zwischen den Fronten

Irmgard Lessau
Irmgard Lessau
Foto: Thomas Emons
Irmgard Lessau wohnt seit über 20 Jahren in der alten Katharinenschule. Jetzt wird das neuere Schulgebäude abgerissen, aber beide Gebäude hängen an einem Kanal. Die 74-Jährige fürchtet, dass sie vom Kanal abgehängt wird. Stadt und Investor streiten darüber, wer die Kosten für einen neuen Kanal tragen muss.

Als Irmgard Lessau zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann 1990 von der Stadt das altes Schulhaus an der Duisburger Straße 375 kaufte, verschwendete sie keinen Gedanken daran, dass der Abwasserkanal ihres Hauses 30 bis 50 Meter über die Grenze ihres 550 Quadratmeter großen Privatgrundstückes auf den angrenzenden Schulhof reichte und über ein Toilettenhäuschen mit der Kanalisation der dahinter liegenden Grundschule verbunden war. „Wenn die Kinder mal die Klos verstopft haben, wurde das sofort geregelt. Da hat keiner ein Wort darüber verloren“, erinnert sich Lessau an die alten Schulzeiten an der Ecke Duisburger Straße/Arnoldstraße.

Doch im vergangenen Jahr brauchte die Stadt das an ihr Grundstück grenzende Schulgelände mit dem neuen Schulhaus nicht mehr und verkaufte es an die Oberhausener Baufirma Konvent, die dort 13 Einfamilienhäuser errichten will. Geschäftsführer Heinz-Hermann Schulz spricht von einem Investitionsvolumen von 3,6 Millionen Euro. Die Grundschüler von der Arnold- und von der Kurfürstenstraße werden inzwischen (wie berichtet) in der ehemaligen Hauptschule an der Frühlingsstraße unterrichtet.

Doch das Millionenprojekt, das der Stadt Geld in die klammen Kassen brachte und dem bei Häuslebauern beliebten Stadtteil Speldorf ein attraktives Wohnquartier verschaffen soll, hat einen kleinen Haken. Es geht um die Verlegung, beziehungsweise den Neubau der Kanalisation für das alte Schulhaus an der Duisburger Straße 375. Man geht von einer fünfstelligen Summe aus. Der städtische Immobilienservice würde diese Aufgabe gerne vom neuen Eigentümer im Rahmen der Neukanalisation des Areals geregelt und finanziert sehen. Die Baufirma Konvent sieht die Stadt in der Pflicht und verweist mit Blick auf die Häuslebauer, die dort in einigen Monaten einziehen wollen, darauf, dass die Zeit drängt.

Eigentlich sollten gestern schon die ersten Bagger anrollen. Derweil ist Irmgard Lessau, die mit ihrer Tochter im Haus an der Duisburger Straße 375 lebt, am Boden zerstört. „Wenn ich im Zuge der Bauarbeiten von der Abwasserkanalisation abgeschnitten werde und hier nicht mehr waschen, spülen und auf Toilette gehen kann, sitze ich hier in einer wertlosen Ruine. Und wenn ich für einen neuen Abwasserkanal eine fünfstellige Summe aufbringen müsste, wüsste ich nicht, woher ich das Geld nehmen sollte. Dann müsste ich eine Hypothek auf mein Haus aufnehmen“, klagt die schwerbehinderte Rentnerin.

Derweil machen Bauunternehmer Schulz und der Chef des Immobilienservice, Frank Buchwald, deutlich, dass sie an einer für alle Beteiligten erträglichen Lösung interessiert sind. „Wir verhandeln noch. In der kommenden Woche wird es einen Ortstermin geben“, sagt Buchwald.

Auch Bauunternehmer Schulz macht deutlich, dass die 74-Jährige nicht fürchten muss, von einem Tag auf den anderen vom Abwasserkanal abgehängt zu werden, wenn die Bauarbeiten beginnen. „Wir reißen zuerst mal das Schulgebäude im hinteren Grundstücksbereich ab“, betont er.

Doch am Ende wird die offene Frage: „Wer zahlt was?“ zeitnah beantwortet werden müssen.

Investor will die Kosten nicht tragen

Vonseiten des Bauträgers Konvent weist man darauf hin, dass man das Grundstück „lastenfrei“ von der Stadt, also ohne das Wissen um einen alten Abwasserkanal, erworben habe. Schon aus Haftungsgründen und mit Blick auf spätere Folgeschäden und Folgekosten lehnt Konvent-Geschäftsführer Schulz eine Überbauung des alten Abwasserkanals ab. Stattdessen wäre es aus seiner Sicht die schnellste und beste Lösung, wenn die Stadt direkt an der Duisburger Straße einen neuen Abwasserkanal für das alte Schulhaus anlegen würde. Laut Lessau hatten technische Gutachter der Stadt und der Mülheimer Energiedienstleistungsgesellschaft Medl bereits bei einer Ortsbegehung mit Hilfe einer Kanalkamera dem alten Abwasserkanal einen maroden Zustand attestiert.

 
 

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