Zu viel Larifari? VHS verteidigt ihr Angebot

Kristina Mader
Bild : Udo Kreikenbohm/WAZ FotoPool
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Mülheim. „Schwertmeditation“, „Tanzen im Kreis“ oder „Malen mit Pastellkreiden“: An der Volkshochschule gibt es viele solcher „kuriosen“ Kursangebote. Zu viele – findet der Bund deutscher Steuerzahler (BdSt) und sieht sich in einer NRW-weit durchgeführten Umfrage unter Bürgern in dieser Ansicht bestätigt. Nun prangert der BdSt die Verschwendung von Steuergeldern für solchen Larifari-Unterricht an.

Günter Wrede, Direktor der VHS-Mülheim, sieht die Diskussion gelassen. Und kontert: „Die Angebote sind nicht be-, sondern entlastend für den Steuerzahler.“

Das Kursprogramm der Volkshochschule Mülheim bietet neben den üblichen Sprachseminaren, Computerhilfen oder Tipps für den Beruf auch auf den ersten Blick merkwürdig klingende Kurse an: Da wären zum Beispiel „Stressabbau durch kreativen Tanz“, „Mosaike legen“ oder „Afrikanisches Trommeln“. Brauchen die Menschen das? „Es gibt für jeden Kurs gute Gründe, ihn anzubieten“, meint Günter Wrede. Die Frage sei, an wen sich das jeweilige Angebot richte.

Kritik an Kursen im Bereich Kulturelle Bildung oder Gesundheit käme in regelmäßigen Abständen auf. „Die Diskussion über die Daseinsberechtigung solcher Kurse ist alt.“ Doch sei gerade dieser Unterricht gut besucht. Vor allem von älteren Menschen, die keinen Sport mehr im Verein betreiben können. „Sie nutzen eben auch Kurse, die andere, geringere Bewegungsarten anbieten.“

Den Vorwurf des Steuerzahlerbundes, die VHS bediene nur Freizeit-Interessen, hält der Direktor für unangemessen, die Sichtweise für zu eingeschränkt. „Viele Menschen bekommen durch die sogenannten ‘Larifari-Kurse’ überhaupt erst einen Zugang zu Kunst und Kultur.“ So steckt hinter Filzworkshops, Schmuckdesign-Stunden oder Nähkursen für Taschen aus Recyclingmaterial eben auch eine gesellschaftliche Aufgabe: die VHS als Sozialraum.

Das Argument der Steuergeld-Verschwendung will Wrede widerlegen. „Die meisten dieser Kurse tragen sich selbst.“ Und entlasten den Steuerzahler, statt ihn zu belasten. Wrede erklärt: „Wir werden mit einer Pauschale vom Land finanziell gefördert. Doch diese Landespauschale ist nicht kostendeckend.“ Zusätzlich finanziert sich die VHS auch aus Geldern, die sie von der Stadt bekommt. „Kurse wie ‘Schwertmeditation’ oder ‘Tanzen im Kreis’ bringen uns zusätzlich Mittel ein, die wir dafür verwenden können, andere Seminare zu finanzieren, die kostenlos angeboten werden oder für die wir noch Geld drauflegen müssen.“ Dies seien Angebote wie Alphabetisierungskurse, Workshops in politischer Bildung oder Seminare für den Zweiten Bildungsweg. „Auf diese Weise entlasten wir die Stadtkasse also – und somit den Steuerzahler.“