Zeitzeugenbörse wartet vergeblich auf Anfragen

Martin Schroers

Die Mitglieder der Mülheimer Zeitzeugenbörse verfügen über einen reichen Schatz an Informationen. Sie haben den Zweiten Weltkrieg zu spüren bekommen, den ersten Fernseher bestaunt oder die Ankunft der Gastarbeiter miterlebt. Ihre Eindrücke dürfen sie nach eigenem Bekunden aber nur viel zu selten an Schulen teilen. „Die Nachfrage bleibt bislang leider aus“, sagt Brigitte Reuß von den Zeitzeugen. Die Mülheimer Schulen teilen auf Nachfrage mit, dass sie über die Möglichkeit gar nicht informiert seien.

Seit mittlerweile fünf Jahren existiert die Zeitzeugenbörse in Mülheim. In dieser Zeit durften die Zeitzeugen ihre Erlebnisse nur zu zwei Gelegenheiten vor Schulklassen schildern: „Einmal waren wir im Deutschunterricht einer 9. Klasse der Schule am Hexbachtal und einmal in einem Geschichtskurs am Gymnasium Heißen, der eine Exkursion nach Auschwitz geplant hat“, erzählt Brigitte Reuß, die über die kärgliche Resonanz enttäuscht ist. „Wir haben natürlich auch Torschlusspanik. Die, die noch vom Zweiten Weltkrieg erzählen können, sind mittlerweile Mitte 80. Die Generation stirbt langsam aus. Uns läuft die Zeit davon“, ruft sie ins Gedächtnis. Die Zeitzeugenbörse verfügt über einen Pool von 16 Zeitzeugen.

Schulen kennen das Angebot nicht

An vielen Schulen ist das Angebot der Zeitzeugenbörse überhaupt nicht bekannt. „Wir wurden nicht darüber informiert“, sagt Sabine Dilbat, Schulleiterin der Realschule Stadtmitte. Dabei sei man solchen Möglichkeiten gegenüber äußerst aufgeschlossen: „Diese Menschen können das Geschehene doch viel besser an die Schüler transportieren als jedes Buch“, gibt Dilbat zu bedenken. Der gleichen Meinung ist Ralf Schütz, Geschichtslehrer an der Otto-Pankok-Schule. „Am Ende profitieren die Schüler“, erklärt er. Auch ihm war die Zeitzeugenbörse bislang kein Begriff. „Wir wussten bislang nicht um dieses Angebot, sind aber sehr interessiert. Wir arbeiten für den Geschichtsunterricht auch mit dem Stadtarchiv zusammen. Bei uns rennt man also offene Türen ein“, berichtet Schütz.