Wut der Bürger bricht sich Bahn

Baulücke im Klöttschen Haus Bau.
Baulücke im Klöttschen Haus Bau.
Foto: NRZ
Bei einer Bürgerversammlung zur Umgestaltung des Klöttschen eskalierte die Situation, die Verwaltung wird rüde beschimpft. Das Misstrauen der Anwohner ist groß.

Mülheim.. Der seit zehn Jahren geplante Zweirichtungsverkehr auf dem Klöttschen und die beiden Kreisverkehre waren bei den Anwohnern noch nie auf Gegenliebe gestoßen, bei der Mehrheit nicht einmal auf Verständnis. Jetzt rückt die Umsetzung näher. Bei der abermaligen Vorstellung der Umbaupläne entlud sich am Mittwochabend die Wut über die gesamte Verkehrsführung. In einer sehr emotional geführten Diskussion dominierte meist ein rüder Ton, Bezirksbürgermeister Arnold Fessen musste immer wieder zu Mäßigung ermahnen und mit einer Glocke um Ruhe bitten. Die Verkehrsplaner wurden als „Chaotentruppe“, „Laienspielschar“, „totale Versager“ und sogar als „Vollidioten“ beschimpft, wobei die knapp 50 Anwesenden meist noch applaudierten. Nur wenige distanzierten sich.

An einem Punkt drohte die Veranstaltung, die sich über knapp zweieinhalb Stunden erstrecke, vollends zu eskalieren und Fessen die Leitung zu entgleiten. Ein Abbruch drohte. „Wir waren Blitzableiter für eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Verkehrsführung“, sagte Stadtplaner Jürgen Liebich hinterher. Immer wieder kam die Sprache auf die Konrad-Adenauer-Brücke und die Anwesenden drückten ihr Unverständnis über den Abriss der Hochbrücken aus, klagten darüber, dass sich jetzt ihre Fahrzeiten deutlich verlängert hätten und sie wesentlich mehr Zeit im Stau steckten. Mit Sorge sehen sie dem Abriss der Hochbrücke am Bahnhof entgegen, der ihrer Meinung nach den Verkehrsfluss noch weiter hemmen würde. Aus der negativen Erfahrung heraus, dass der Kreisverkehr an der Sandstraße nicht funktioniert, können sich die Anwohner auch nicht vorstellen, warum zwei weitere Kreisverkehre geplant sind.

Kreisverkehre sollen Lärmbelästigung verringern

Dass der bestehende Kreisverkehr nicht funktioniert, bestreitet Roland Jansen vom Tiefbauamt keineswegs und kann das auch erklären. Er versuchte, die Anwesenden davon zu überzeugen, dass der Verkehr zukünftig besser fließen könne, wobei er auf eine Verkehrssimulation zurückgriff. Seine Argumente kamen aber kaum an. „Wir argumentieren hier nicht aus dem hohlen Bauch, wir wissen, wo die Fahrzeuge herkommen und wo sie hinwollen“, sagte Jansen. Denn durch die Öffnung des Klöttschen in Gegenrichtung werde die Eppinghofer Straße durch jene Fahrzeuge entlastet, die über die Heißener Straße fahren. Da so auch der Zufluss in den Kreisverkehr an der Sandstraße von allen Seiten gleichmäßiger erfolgen werde, funktioniere der Kreisverkehr dann besser. Der Ersatz der Ampeln durch Kreisverkehre würde sich zudem positiv auf die Geschwindigkeit und die Lärmbelastung auswirken.

Die Anwohner des Klöttschen sind momentan einer großen Belastung ausgesetzt. Aber es soll besser werden. Die Gehwege sollen verbreitert, Parkbuchten geschaffen und Bäume gepflanzt werden. Weil die Achse der Fahrbahn verschoben wird, ist die Stadt auf den Erwerb von zehn Grundstücken angewiesen, von denen das größte 50 Quadratmeter groß ist. „Wir werden unsere Vorgärten nicht verkaufen“, kündigte ein Anwohner unter lautem Applaus an. Tatsächlich soll aber die Hälfte der Grundstücke schon verkauft sein. Es würde prinzipiell auch ohne gehen, allerdings könnte man dann die Fläche kaum attraktiv gestalten.

Wer trägt die Kosten?

Die Anwohner sollen zudem von zweierlei profitieren: Zum einen soll die Fahrbahn in Flüsterasphalt ausgebaut werden, was den Lärm in etwa halbiert (minus drei Dezibel). Außerdem sollen sie zum Nulltarif Lärmschutzfenster erhalten, die für eine Lärmreduzierung in gleicher Größenordnung sorgen sollen. Die Frage nach den Anwohnerbeiträgen konnte noch nicht beantwortet werden. „Die Kollegen müssen noch rechnen, ob überhaupt welche anfallen, und wenn ja, wie hoch sie sind“, so Liebich. In einem Monat sei das klar.

Ratsherr Hubert Niehoff (Grüne) wies in der Sitzung darauf hin, dass Einbahnstraßen immer zur Raserei reizen. „Kreisverkehre sorgen dagegen für eine Entschleunigung. Dass man sich bei nachweislichen Verbesserungen so echauffieren kann, ist mir unverständlich“, sagte Niehoff.

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