Würdigung für den „Arbeiterbischof“

Verleihung des Heinrich-Brauns-Preises 2010: Der scheidende NRW-Minister Karl-Josef Laumann (rechts) und der Bischof von Essen, Dr. Franz Josef Overbeck (links) gratulieren dem emeritierten Weihbischof Dr. Franz Grave zum Sonderpreis für sein Lebenswerk. Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool
Verleihung des Heinrich-Brauns-Preises 2010: Der scheidende NRW-Minister Karl-Josef Laumann (rechts) und der Bischof von Essen, Dr. Franz Josef Overbeck (links) gratulieren dem emeritierten Weihbischof Dr. Franz Grave zum Sonderpreis für sein Lebenswerk. Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool
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„Muchas gracias!“ Mit diesen Worten beendete der emeritierte Essener Weihbischof Franz Grave am Samstag seine Dankesrede nach Empfang des renommierten Heinrich-Brauns-Preises für Verdienste um die katholische Soziallehre.

Grave erhielt ihn für sein Lebenswerk.

Bischof Dr. Franz Josef Overbeck hatte zur Preisverleihung in die Akademie Wolfsburg geladen, viel Prominenz war erschienen. Neben den Laudatoren Regina Görner und Karl-Josef Laumann, dem neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, waren Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement oder Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinziehr anwesend.

Franz Grave hat sich mit seinem Lebenswerk viel Respekt erarbeitet – und den Sonderpreis verdient: Als Leiter des Essener Seelsorgeamtes setzte er sich besonders für arbeitslose Jugendliche ein. Ebenso gerührt wie schmunzelnd erinnerte sich Laudator Karl-Josef Laumann: „Wenn der Franz Grave mit seinem ganzen schönen Bischofszeug kam, dann wurde so mancher Arbeitgeber weich und fand doch noch die Möglichkeit, ein oder zwei neue Lehrstellen zu schaffen. Er ist ein Mann, der nah bei den Menschen ist – eigentlich ist er der Arbeiterbischof des Ruhrgebiets.“

Graves Wirken beschränkte sich nicht auf den „Pott“, wenn dort auch dessen Mittelpunkt war. Als Vorsitzender der Hilfsaktion „Adveniat“ half er besonders den Armen Südamerikas, sei es in den Armenvierteln rund um die riesigen Großstadtmoloche Brasiliens oder bei den diskriminierten Indigénas in Peru. Hier engagierte er sich mit viel Herzblut – daher die Abschlussworte seiner Rede auf Spanisch.

Grave selbst sieht weiterhin viele Probleme in der heutigen Gesellschaft: „Man muss nur einmal einen Blick auf die Arbeitslosenstatistik werfen. Viel zu viele Menschen sind ohne Arbeit – das ist schlicht und einfach ein Skandal.“ Auch den Vormarsch der Billiglöhne prangert er an. Arbeit könne nur dann sinnstiftend und erfüllend sein, wenn man von seinem Verdienst auch den Lebensunterhalt bestreiten könne. „Manches ist in unserer Kirche in den vergangenen Jahren abgebrochen, es rieselt hier und da, und es kriselt“, warnt Grave. „Aber mir scheint, dass wir in den letzten Jahren doch wieder mehr und mehr das Wesentliche erkennen.“ Man müsse auf jeden Fall immer bereit sein, „noch eine Schippe drauf zu tun“, so der seit 51 Jahren im Dienst der Kirche stehende Grave. „Vor allem darf die Kirche als der älteste Global Player die Armen nicht vergessen!“

Mit dem Heinrich-Brauns-Preis 2010 wurden zwei ehemalige Professoren der Ruhr-Universität Bochum, die sich dort sowohl um die katholische als auch evangelische Theologie verdient gemacht haben, ausgezeichnet: Prof. Günter Brakelmann und Prof. Franz Josef Stegmann.

 
 

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