Wo sich Bürger überall wehren

Der Kampf um frische Luft: Am Oppspring wehren sich Bürger gegen weitere Bebauung.
Der Kampf um frische Luft: Am Oppspring wehren sich Bürger gegen weitere Bebauung.
Foto: WAZ

Mülheim.. Mintard. Ganz im Süden der Stadt, wo es grüner nicht geht, wehren sich Anwohner verstärkt gegen den Krach vom Himmel. Die Flieger von und nach Düsseldorf stören, vor allem jene, die noch nach 22 Uhr anrauschen. Trotz aller Schreiben, Gespräche, Appelle, Bitten – bisher kehrte keine Ruhe ein.

Mit Hilfe des Netzwerkes gegen Fluglärm haben es die Mintarder jetzt geschafft, dass im Zuge eines Kooperationsprojektes von Stadt und Netzwerk eine Messstation errichtet wurde. Der Beweis soll nachvollziehbar erbracht werden: „Es ist zu manchen Zeiten zu laut in Mintard“, so die Mintarder.


Hafen. Wenn es einen Preis für Ausdauer im Kampf gegen Belastung für Bürger geben würde, die Initiative rund um die Hofackerstraße/Weseler Straße hätte ihn verdient. Seit 40 Jahren schon wehren sich Anwohner gegen die Folgen der Schrottverwertung quasi vor ihrer Nase. Erschütterungen, Lärm, vor allem aber hohe nachgewiesene Schwermetallbelastungen in der Luft bereiten den Menschen dort Angst.

Erst gestern morgen wieder sei „der Teufel los gewesen“, sagt ihr Sprecher Horst Buchmüller. 15 Sattelschlepper voller Schrott hätten um 6 Uhr vor den Toren gestanden. Was für ihn nach all den Jahren die größte Enttäuschung ist: „Es hatte keiner aus irgendeiner der vielen Behörden mal den Mut, sich auf die Seite der Bürger zu stellen.“ Die Initiative am Hafen lässt nicht locker.

LKW-freie Zone

Speldorf-Süd. Hier treffen wir auf „Biss“, die jüngste Bürgerinitiative in Mülheim. Erst wenige Wochen alt, erlebt sie großen Zulauf. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass der LKW-Durchgangsverkehrs um die Siedlung zwischen Uhlenhorstweg, Duisburger Straße, Blötterweg und Broicher Waldweg herum geführt wird, dass die Gefährdung der Kinder im Umfeld vermieden wird, dass die Grün- und Waldflächen dort erhalten bleiben.

Es ist ein typisches Gebiet im Ruhrgebiet, wo der Verkehr in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Den Ausbau der Friedhofstraße, den die Stadt prüft, halten die Bürger für einen Fehler. Den Politikern haben sie jetzt ein ganzes Bündel an Lösungsvorschlägen präsentiert, darunter LKW-freie Zonen, kein Ausbau der Friedhofstraße, ein Verkehrskonzept, Verkehrsberuhigung.

Mit Postwurfsendungen fing die Initiative an. „Wir wollen mitgestalten, mitbestimmen, was in unserer Umgebung passiert und nicht einfach hinnehmen, was Politiker im stillen Kämmerlein beschließen“, sagt Dino Hammacher von der Initiative. Ihm schwebt vor, mit anderen Bürgerinitiativen Verbünde zu bilden. „Dann werden wir für die Lokalpolitik vielleicht doch ein Stück interessanter.“

Nicht-Wissen schafft Unruhe

Kahlenberg. Auch wenn mit einem neuen Bau der Max-Planck-Gesellschaft Mülheim zu einem der größten Forschungsstandorte werden könnte – bei den Bewohnern der Umgebung dominiert nicht Freude. Derzeit diskutieren Stadtplaner und Politiker das Bauprojekt im Bereich Kluse, Höhenweg; aus der Anwohnerschaft kommt Widerstand. Sie befürchtet an dem Standort eine Verschärfung der Verkehrslage, eine Verknappung der Parkplätze, eine vor allem nächtliche Störung durch das Brummen der Abluft in den Instituten.


Styrum. Wie schnell Widerstand und Protest im Bürgerbegehren endet, zeigte der Schulkonflikt vor einigen Wochen in Eppinghofen. Auch in Styrum denken manche inzwischen an diesen Weg. Es geht um den Bau einer Moschee, eigentlich um deren Verlagerung. Auch in Styrum fühlten sich Menschen vor vollendete Tatsachen gesetzt, sehen Verkehrsprobleme und wissen nicht so recht, was die Gemeinde im Stadtteil so recht vorhat. Das Nicht-Wissen schafft Unruhe. Die Bezirkspolitik reagierte und will für Aufklärung sorgen.

Auszeichnung mit Umweltpreis

Holthausen. Am Oppspring/Tilsiter Straße sind die Bürger schon weiter. Dort wehrt sich seit Jahren die Initiative, die sich für frische Luft in Mülheim einsetzt gegen die Bebauung einer Ackerfläche mit rund 20 Häusern, wehrt sich gegen weiteren Flächenverbrauch. Gemeinwohl geht vor Einzelinteresse, heißt dort das Credo. Teile der Politik tun sich mit dieser Initiative schwer, sieht gerade bei ihr ein Eigeninteresse. Doch gut 3500 Bürger haben das Anliegen unterschrieben und sich für den Erhalt einer Frischluftschneise Richtung Innenstadt eingesetzt. Ein Kunstwerk als Mahnmal wacht inzwischen über die Frischluftschneise. Die Initiative wurde mit einem Umweltpreis ausgezeichnet und hat inzwischen ihr Anliegen bis zur EU getragen. Für die BI Frische Luft gilt wie für viele: Schnell aufgeben gibt es nicht.

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