Wird die Feuerwache zu teuer?

Andreas Heinrich
Der Leserbeirat bei der Oberbürgermeisterin.
Der Leserbeirat bei der Oberbürgermeisterin.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim. 60 Minuten lang stellte sich Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld den Fragen des Leserbeirates. Diesen zum Beispiel:


Feuerwache. War es eigentlich richtig, die Feuerwache in der Größe und unter den Bedingungen zu finanzieren?, fragt Manfred Ressing und legt zugleich eine Grafik vor, die zeigt, dass die Stadt als Mieterin der Feuerwache im Jahr 2030 bereits 87,6 Mio. Euro bezahlt haben wird, im Jahr 2039 142 Mio. Wäre es nicht besser gewesen, die Stadt hätte das Objekt selbst gebaut und wäre Eigentümerin? Und der Leserbeirat wundert sich, dass der Bauherr und Eigentümer, das Mülheimer Konsortium SMW, die Feuerwache kurz nach Fertigstellung mit einem Gewinn von neun Mio. verkaufen konnte an die Hannover Leasing, die jetzt wiederum Anteile an Investoren weiterverkauft mit Renditen von sechs Prozent.

[kein Linktext vorhanden]Die Feuerwache, betont die Oberbürgermeisterin, sei nach modernsten Anforderungen erstellt worden, sie sei auch deshalb so groß, weil sie mit für andere Städte und Werksfeuerwehren ausbilde. Der Bau mit Hilfe eines privaten Partners sei von einer unabhängigen Instanz in Düsseldorf begutachtet und als preiswertere Lösung genehmigt worden. Hätte die Stadt die Wache selbst gebaut, hätte sie kein Geld mehr für Schulsanierungen gehabt. Daher der Weg als Mieter. Sie sagt aber auch: „Ja, das ist eine teure Lösung.“ Der Leserbeirat nannte es angesichts der künftigen Kosten ein „Desaster“ und beklagt, dass die Bezirksregierung der Stadt die Kreditaufnahme für die Wache nicht genehmigt hat.

Umbau sei Daseinsvorsorge


Verkehr. Macht der Abriss der Brücken am Tourainer-Ring Sinn, sollte das Geld nicht besser in die Sanierung von Turnhallen oder in die Pflege der Grünanlagen und des Waldes investiert werden?, fragt Ursula Haake und hält die Millionen für den Tourainer Ring für Geldverschwendung. Dietmar Schroer beschreibt den Unmut vieler Bürger über lange Ampelphasen und fragt: „Warum machen wir in Mülheim an großen Kreuzungen wie an der Konrad- Adenauer-Brücke nicht auch Kreisverkehre?“

Der Umbau der Verkehrswege sei Daseinsvorsorge, antwortet die OB. Sie erinnert daran, dass der Tourainer Ring zu Zeiten gebaut wurde, als man dachte, Mülheim kommt auf 220.000 Einwohner, und als die Zeit „sehr autofreundlich“ gewesen sei. Heute stelle sich dies als Planungsfehler heraus, der korrigiert werden müsse. Die Brücken würden abgerissen, weil sie zunehmend baufällig würden und damit hohe Kosten in den nächsten Jahren verursachen würden. Für einen Kreisverkehr sei die Kreuzung jedoch zu groß.

Zu viele Grünflächen als Bauland?

„Auch mich ärgern die langen Ampelphasen an einigen Stellen“, sagt die OB und hält dies für dringend verbesserungswürdig. Ein Problem sieht sie darin, dass sich die Stadt in der Vergangenheit entschieden habe, dem ÖPNV und den Fußgängern Vorrang zu geben.


Umwelt. Gibt die Stadt zu viele Flächen im Grünen als Bauland preis und verschlechtert dadurch Wohnqualität?, fragt Christina Reichertz. Über 50 Prozent der Stadtfläche blieben grün, antwortet die OB und zeigt die Zwickmühle auf. „Wir müssen, weil Anforderungen an Wohngrößen und Wohnqualität steigen, neue Flächen anbieten. Verdichten wir Gebiete, beklagen sich die Anwohner. Gehen wir in den Grüngürtel, klagen die Umweltschützer. Gehen wir auf freie Flächen wie am Oppspring, heißt es, wir zerstören Frischluftschneisen. Wo sollen wir noch bauen?“