„Wir sind nicht die neue MBI“

CDU-Parteichef Andreas Schmidt war die neue Konkurrenz beim Parteitag Anfang der Woche nur zwei Sätze wert, immerhin aber nannte er sie namentlich: Man werde sich mit der „Alternative für Deutschland“ offensiv auseinandersetzen, kündigte Schmidt an. Seit Dienstag hat er dazu Gelegenheit. Am Dienstag gründete die AfD einen Mülheimer Ortsverband. 15 Mitglieder wählten dabei einen Stadtsprecher, der Schmidt wohlbekannt ist: den 54-jährigen Staatsanwalt Jochen Hartmann, der politisch bei Junge Union und CDU sozialisiert wurde. Inzwischen bezeichnet Hartmann sich als „Konservativen“ und hat der CDU schon vor Jahren den Rücken gekehrt.

Eine Partei rechts von der CDU?

Das haben etliche von denen, die nun in der „Alternative für Deutschland“ ihre Heimat sehen. Mindestens 30, vielleicht sogar noch mehr Mitglieder hat die Mülheimer Gruppe. So genau lässt sich das nicht sagen. Allein am vorigen Wochenende sind nach Angaben des Landesverbandes 600 Neuaufnahmen dazugekommen. Bis die organisatorisch verteilt sind, kann es dauern. Fest steht, dass ehemalige CDU- und FDP-Mitglieder in der Partei eine knappe absolute Mehrheit hätten. Der Rest, sagt Hartmann, war bislang ungebunden. „Aufbruchstimmung“, gar Euphorie will Hartmann ausgemacht haben.

Aufbruch, wohin?

Raus aus dem Euro, so viel ist klar. Die radikale Ablehnung der Gemeinschaftswährung ist bislang der Quell, aus dem der Zulauf stammt. Die Bundestagswahl am 22. September ist zunächst das bestimmende Thema für die kleine Gruppe. Gibt es einen eigenen Kandidaten und wenn ja, wen? Bis Mitte Juli müsste das organisatorisch und formell abgeschlossen sein; wenig Zeit für eine blutjunge Partei - in deren Reihen Kritiker viel Gestriges vermuten.

Die Abgrenzung nach rechtsaußen ist der Bundesführung zuletzt nur mäßig erfolgreich gelungen. Einzelne personelle Verquickungen zur NPD gaben unschönen Gesprächsstoff, verschiedentlich fanden sich Fürsprecher der Partei in der stramm rechten „Jungen Freiheit“. Inzwischen interessiert sich der Bundesvorstand für die Gesinnung neuer Mitglieder und verortet die Partei vorsichtshalber mal außerhalb des Links-Rechts-Spektrums: „Wir stehen auf dem Boden des Grundgesetzes“, so lautet jetzt die Sprachregelung - für den Fall, dass das schmale, vierseitige Wahlprogramm zu viele Standortfragen offen lässt.

Das Thema der Mülheimer Gruppe soll das ohnehin nicht sein. Sie hat bereits die Zeit nach der Bundestagswahl im Blick, die Alternative für Mülheim, wenn man so will. Für den Einzug in den Stadtrat 2014, so hat man kalkuliert, könnten schon 1000 Stimmen reichen. Deswegen denkt Hartmann bei „Aufbruch“ nicht nur an Euro und D-Mark, sondern an den „Stillstand“, den er Mülheim attestiert. Zu wenig Transparenz, zu viel Beton, darüber kann sich der Staatsanwalt aufregen, ohne darin gleich ein Programm erkennen zu wollen. Im Grunde, glaubt er, wählen Menschen andere Menschen und keine Programme, geschweige denn Ideologien.

„Wir wollen mitmachen“

Menschen, die gestalten wollen, die Ideen haben, behauptet Hartmann, die hätten sie bereits in der AfD. Und einen Konsens gleich dazu: „Wir sind nicht die neue MBI. Wir wollen mitmachen und nicht notorisch Nein sagen.“

 
 

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