„Wir Mülheimer sind nun mal keine Rheinländer“

Heiner Jansen macht sich seit vielen Jahren um den Mülheimer Karneval verdient.
Heiner Jansen macht sich seit vielen Jahren um den Mülheimer Karneval verdient.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Der Karneval in Mülheim lebt vor allem von Qualität, sagt Chefkarnevalist Heiner Jansen. Dafür seien Nachwuchsförderung und Werbepartner unerlässlich.

Mülheim.. Heiner Jansen ist seit 14 Jahren Vorsitzender und Präsident des Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval 1957. Christoph Husemeyer sprach mit dem Mülheimer Chefkarnevalisten über die Herausforderung, auch außerhalb des Rheinlands Menschen für das jecke Treiben zu begeistern.

Herr Jansen, die Narren haben derzeit das Sagen in der Stadt. Wie geht es dem Mülheimer Karneval eigentlich insgesamt?

Heiner Jansen: Der Karneval in unserer Stadt ist gut aufgestellt. Nach wie vor engagieren sich viele Menschen in den 13 Mülheimer Gesellschaften. Die Zahl der aktiven Karnevalisten liegt seit einigen Jahren stabil bei ungefähr 1600.

Rücken denn auch genug junge Karnevalisten nach?

Jansen: Heutzutage ist es natürlich schwieriger geworden, Kinder und Jugendliche von den Computern und Handys wegzuholen. Dennoch sind viele junge Menschen bei uns aktiv. Allein 500 Kinder tanzen regelmäßig. Dafür wollen wir künftig auch noch mehr werben.

Wie soll diese Werbung aussehen?

Jansen: Beim Kinderkarnevalsfest im Forum mit seinen 2500 Besuchern haben wir zum Beispiel die Mülheimer gezielt angesprochen und Flyer verteilt. Künftig wollen wir auch mehr auf Schulen zugehen, damit Tanzen im Sportunterricht mehr Gewicht bekommt. Wenn Kinder Spaß an der Bewegung haben, ist der Schritt zum Karneval für sie schon mal kleiner.

Um aktive Mitglieder wird geworben, wie begeistert man den Rest der Stadt für die Narretei?

Jansen: Wir in Mülheim sind keine Rheinländer, das geht nur durch Qualität. Da haben wir mit unseren Wagenbauhallen einen großen Vorteil. Die Vereine bauen dort tolle 3-D-Wagen und zahlen für deren Unterbringung nichts. Das Geld fließt also in Programmpunkte, Kostüme oder in hochwertige deutsche Kamelle beim Rosenmontagszug.

Manch einem ist dort die Werbung an den Wagen ein Dorn im Auge. Ist diese Kritik berechtigt?

Jansen: Unser Rosenmontagszug ist kein Werbezug. Kein Wagen wird von einem Unternehmen gestellt. Mit Ausnahme des Prinzenwagens platzieren wir auf den übrigen Wagen nur hinten eine 80 Mal 80 Zentimeter große Werbung.

Und ohne die geht es nicht?

Jansen: Qualität im Karneval kostet Geld. Für den Rosenmontagszug alleine geben wir eine sechsstellige Summe aus. Das ist wie bei Sportereignissen, da geht es auch nicht ohne Werbung. Unsere Werbepartner fördern das Brauchtum Karneval in vielerlei Hinsicht, auch finanziell. Ihnen wollen wir beim Zug etwas zurückgeben.

Worauf freuen Sie sich Montag am meisten?

Jansen: Eigentlich auf alles. Wenn man oben auf dem Wagen steht und die fröhlichen Menschen in der Menge sieht, das ist schon ein tolles Gefühl.

Sie sind seit 2001 Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval. Noch keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit?

Jansen: Nein, auch mit 76 Jahren nicht. Der Karneval hält jung. Ich werde mich im Mai bei der Mitgliederversammlung wieder für zwei Jahre als Präsident zur Wahl stellen.

Also gibt es noch keine Gedanken an einen Nachfolger?

Jansen: Da gibt es schon Leute, die man im Kopf hat, es gibt aber noch keine konkreten Überlegungen. Im Stab und im Vorstand arbeiten sehr gute und fähige Leute. Wir werden dort beizeiten eine zufriedenstellende Lösung finden.

Wie sieht die Zukunft des Mülheimer Karnevals unter einem Nachfolger aus?

Jansen: Die große Herausforderung für die Zukunft wird sein, das Netzwerk der Förderer und Werbepartner zusammenzuhalten. Das ist eine schwierige Aufgabe, die viel Zeit erfordert.

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