„Wir bekommen ein anderes Stadtbild“

Mirco Stodollick
Ein Radfahrer befährt am 26.11.2015 das erste Teilstück der sogenannten «Fahrradautobahn» in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen), während ein Jogger den parallel verlaufenden Fußweg nutzt. Die Trasse soll nach ihrer Fertigstellung auf einer Länge von insgesamt 101 Kilometern zwischen Duisburg, Essen und Dortmund bis nach Hamm verlaufen. Parallel verläuft auch ein Fußweg. Foto: Bernd Thissen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Ein Radfahrer befährt am 26.11.2015 das erste Teilstück der sogenannten «Fahrradautobahn» in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen), während ein Jogger den parallel verlaufenden Fußweg nutzt. Die Trasse soll nach ihrer Fertigstellung auf einer Länge von insgesamt 101 Kilometern zwischen Duisburg, Essen und Dortmund bis nach Hamm verlaufen. Parallel verläuft auch ein Fußweg. Foto: Bernd Thissen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Heißen/Stadtmitte.  Die offizielle Freigabe der Radschnellweg-Trasse zwischen Heißen und Hauptbahnhof soll für Mülheim eine Initialzündung sein. Verkehrsdezernent Peter Vermeulen kündigte am Freitag an, dass die städtische Radwegeplanung – gar die Stadtplanung insgesamt – nun gefordert sei, aus den Möglichkeiten, die der Radschnellweg biete, etwas zu machen. Hier das Drumherum von der Eröffnungstour gestern.

1Vier Meter Rad-, zwei Meter Fußweg – ringsum noch einige Ödnis. Vor allem das eine oder andere gastronomische Angebot, ein Biergarten etwa, täte dem neuen Radweg sicher gut. Planungsdezernent Peter Vermeulen steht solchen Ansiedlungen offen gegenüber, spricht wie auch Oberbürgermeister Ulrich Scholten gar explizit das alte Winkhaus an, das in Sichtweite der Radtrasse vor sich hin gammelt. „Das Winkhaus könnte natürlich reaktiviert werden“, sagt Vermeulen, man sei „kompromissbereit“, was das Baurecht anbelange, der Bestandsschutz für die ehemalige Gastronomie sei inzwischen allerdings erloschen.

In Essens Westen hat sich in Nähe der Radstrecke eine publikumsträchtige „Bar Celona“ niedergelassen. Warum so etwas nicht auch auf Mülheimer Terrain? Vermeulen hält das für denkbar, verweist allerdings darauf, dass die Initiative von privater Seite ausgehen müsse.

2„Städtebaulich müssen wir in Rippen denken“, sagt Vermeulen mit Blick auf ein neu zu denkendes Radwegenetz ringsum den Radschnellweg. Zuwegungen sind ausreichend vorhanden, nun geht es laut Dezernent darum, über die Zugänge den Stadtraum zu erschließen, „dann wird es umso attraktiver“. Will heißen: Er will innerstädtisch Möglichkeiten schaffen, den neuen Radweg „möglichst autofrei“ zu erreichen. „Wir bekommen ein anderes Stadtbild, wir wollen planungsrechtlich Voraussetzungen schaffen für einen weiteren Ausbau.“

3Das werden die örtlichen Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs gerne hören. Dessen Sprecherin Doro Kleine-Möllhoff sieht noch „viele Entwicklungsmöglichkeiten“ für den Radverkehr in Mülheim. Die neue Vorzeigetrasse sei jedenfalls „ein Ansatz, um in Mülheim ein bisschen Schwung in den Radverkehr zu bekommen.

Vieles in der bisherigen Radwegeplanung sei doch Stückwerk gewesen. Nun gehe es darum, mit einem durchgängigen System das Radfahren in der Stadt alltagstauglich zu machen, „damit klar ist: Ein Radweg ist genauso wichtig wie eine Straße.“

4„Wir suchen händeringend nach einer Nachfolgefinanzierung für Radwege und umweltbezogene Maßnahmen“, forderte Horst Fischer, Referatsleiter für den Emscher Landschaftspark beim Regionalverband Ruhr, gestern das Land auf, neue Fördertöpfe aufzumachen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte NRW-Umweltminister Johannes Remmel dem RVR den Geldhahn zugedreht für das ÖPEL-Programm (Ökologieprogramm im Emscher-Lippe-Raum), mit dem der RVR die ersten Kilometer Radweg von Essen nach Mülheim gebaut hat.