Weiter Debatte über Wohnsiedlung in Mülheim-Menden

Weide zwischen Mendenerstraße und Bergerstraße: Hier wollen Investoren ideales Bauland für eine Wohnsiedlung ausgemacht haben. Umweltschützer und Bürger wehren sich. Foto: Tanja Pickartz
Weide zwischen Mendenerstraße und Bergerstraße: Hier wollen Investoren ideales Bauland für eine Wohnsiedlung ausgemacht haben. Umweltschützer und Bürger wehren sich. Foto: Tanja Pickartz
Foto: WAZ FotoPool
In Mülheim wird über Pläne für eine Wohnsiedlung in Menden debattiert. Die vorgesehene Grünfläche wird von Experten als einzigartiges Biotop eingestuft. Derzeit spricht manches dafür, dass es eine politische Mehrheit für das Bauvorhaben geben könnte.

Mülheim-Menden. Geht es in dem monatelangen Streit wirklich nur um 20 Häuser der Spitzenklasse mitten in der Landschaft? Längst nicht mehr. In Menden kämpfen SPD und CDU darum, dass Bauplanungen nicht mittendrin nach Lust und Laune über Bord geworfen werden, wenn ein Bartkauz daherkommt. In Menden will sich die Bau- und Umweltverwaltung der Stadt nicht für dumm verkaufen lassen und setzt sich dafür ein, dass ein ökologisch nicht zu verantwortendes Bauvorhaben länger auf der Tagesordnung bleibt und sieht dafür auch juristische Gründe.

Biotop gegen Geld?

In Menden warnen Gutachter, Biologen, Naturschutzvereine und der Landschaftsbeirat vor einer möglichen schwerwiegenden Zerstörung eines für Mülheim unschätzbaren Biotops. Und sie bekommen von den Grünen und den Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI) Unterstützung. In Menden versuchen aber eben auch Investoren aus einem traumhaften Grundstück eine traumhafte Wohnlage und entsprechende Rendite zu machen, was ihr gutes Recht ist. Ob man sie lässt, ist die Frage. Und dann gibt es noch die Bürger, die nicht wollen, dass die Stadt hier einen hohen Wert verliert. Sie wollen, wie die Initiative ankündigt, den Rechtsweg einschlagen, sollte eines Tages die Botschaft Bebauung lauten.

Das ist noch offen – trotz des Umweltgutachtens und der dringenden Empfehlung der Stadtverwaltung, hier die Finger vom Beton zu lassen. CDU und SPD wollen weiter beraten, sprechen von Sorgfalt und erhalten den Vorwurf der MBI, nur auf Zeit zu spielen.

Am Montagabend tauchte ein weiteres Gutachten auf, dass der Investor in Auftrag gegeben hat und das zu dem Ergebnis kommt, dass keine verbotsrelevante Planung in dem Fall vorliege. Doch jenes Gutachten scheint nur an einzelne Ratsmitglieder versandt worden zu sein, selbst der Verwaltung liegt es nicht vor.

Welches Spiel wird hier gespielt, fragt man sich in der Bürgerschaft. Nach der politischen Sitzung wird draußen vor der Tür der Verdacht geäußert, dass ein paar wenige Ratsmitglieder ein Interesse an dem Bauprojekt haben könnten. Reine Vermutungen, Beweise gibt es dafür keine. Aber es zeigt, in welches Fahrwasser die Debatte gerät.

Mögliche Einigung im Kompromiss

Derzeit spricht manches dafür, dass es in den nächsten Wochen eine politische Mehrheit für dieses umstrittene Bauvorhaben geben könnte. Einen möglichen Kompromiss bringt bereits der planungspolitische Sprecher der FDP, Wolf Hausmann, ins Gespräch: Teilbebauung, und zwar jenes Stück, das heute eine Pferdekoppel ist. „Mir kann keiner erzählen, dass dies ökologisch besonders wertvoll sein soll.“ Auch der Vertreter der Grundstücksbesitzer und Sprecher der Investoren kündigt an, sich mit einer abgespeckten Variante anfreunden zu können.

Eine Salamitaktik befürchtet die Fraktion Wir-Linke, die CDU verweist darauf, dass dieses Areal schließlich seit Jahrzehnten als Bauland ausgewiesen sei. „Warum hat nie jemand vorher Einspruch eingelegt?“ Die Grünen geben zu bedenken, dass die massive Bebauung in der Stadt die Preise drücke und die Leerstände fördere. Die SPD macht deutliche Wiedersprüche in den Aussagen der Bauverwaltung aus, deren Fachlichkeit selten von ihr so in Frage gestellt wurde.

Dabei hat sich die Umwelt- und Bauverwaltung nur von Experten im Landschafts- und Naturschutzrecht überzeugen lassen, und die machen selbst landesweit gesehen an der Stelle ein einzigartig gewachsenes Biotop aus, das nicht mal eben an anderer Stelle auszugleichen sei.

 
 

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