Weiter Alarmstufe Rot am Hafen

Die Schrottaufbereitungsanlage der Paul Jost GmbH an der Weseler Straße.
Die Schrottaufbereitungsanlage der Paul Jost GmbH an der Weseler Straße.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA

Mülheim-Speldorf. Die Bilanz für das Jahr 2012 belegt: Trotz umfangreicher Maßregelung der Schrottverarbeitung auf dem Gelände der Firma Jost an der Weseler Straße hat sich das Problem mit extrem hohen, weit über dem gesetzlichen Maß liegenden Blei- und Nickel-Belastungen im Umfeld der Aufbereitungsanlage sprichwörtlich nicht in Luft aufgelöst.

Werte seit Jahren überschritten

Auswege aus der weiter alarmierenden Situation zeigte die Düsseldorfer Bezirksregierung nun bei der Veröffentlichung aktueller Zahlen nicht auf. Die „Technische Anleitung Luft“, eine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz, legt klar fest, wie viel Schwermetall-Gehalt im Staubniederschlag maximal enthalten sein darf, damit die Umwelt, auch der Boden, vor schädlichen Einwirkungen geschützt ist: Bei Blei sind dies 100 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag, bei Nickel 15 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag.

Am Mülheimer Hafen werden diese Werte seit Jahren weit überschritten. Das Landesamt für für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) übermittelte entsprechende Daten nun auch für das Jahr 2012 an die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde der Schrottverarbeitung am Hafen.

Die Nickelbelastung im direkten Umfeld der Anlage, die an Wohnbebauung grenzt, lag demnach im Mittel bei 508 Mikrogramm pro Quadratmeter – eine Überschreitung der Werte in der TA Luft um das 34-fache. Noch einmal: 15 Mikrogramm pro Quadratmeter werden noch als unschädlich klassifiziert, 508 Mikrogramm pro Quadratmeter wurden am Jost-Werk gemessen.

Umweltüberwachung setzt auf das Prinzip Hoffnung

Bei Blei sieht es nicht viel besser aus, auch wenn die Bezirksregierung feststellt, dass die Belastung im Jahresmittel von 194 auf 149 Mikrogramm pro Quadratmeter zurückgegangen ist. Immer noch wird der gesetzliche Rahmen am Hafen nicht eingehalten.

In einer Mitteilung für die Medien macht die Bezirksregierung aktuell erst gar keine Anstalten, darzulegen, wie sie das Problem als Aufsichtsbehörde für den schrottverarbeitenden Betrieb endlich, nach jahrzehntelangem Widerstand von Anwohnern der nahen Hofackerstraße, zu lösen gedenkt.

Die ­Düsseldorfer Umweltüberwachung setzt ganz auf das Prinzip Hoffnung: „Durch die Stilllegung der Fallwerke im September 2012 und die verstärkte Kontrolle des Einsatzes der Staubminderungseinrichtungen sind die Nickel- und Bleibelastungen im Herbst und Winter 2012 sehr deutlich zurückgegangen“, stellt sie lediglich fest. Mit Daten belegte sie diese Feststellung allerdings nicht.

Der Bezirksregierung und dem NRW-Umweltministerium liegt ein Fragenkatalog der WAZ zu den Missständen vor. Eine Antwort lag gestern noch nicht vor.

 
 

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