Was Mülheimer von der 900-Watt-Grenze für Staubsauger halten

Eine saubere Sache: Beim Staubsaugen kommt es darauf an, dass man es überhaupt macht? Weit gefehlt. Die EU hat da ganz eigene Vorstellungen.
Eine saubere Sache: Beim Staubsaugen kommt es darauf an, dass man es überhaupt macht? Weit gefehlt. Die EU hat da ganz eigene Vorstellungen.
Foto: dpa
Staubsauger mit einer Saugkraft von mehr als 900-Watt soll es ab September 2017 nicht mehr geben. Das ist eine Entscheidung der Europäischen Kommission. So will sie einen Beitrag zum Energiesparen leisten. Ein Fall von Bürokratie? Wir haben Experten und Praktiker befragt. Was sagen Mülheimer dazu?

Mülheim. Diese Brüsseler Entscheidung hat viel Staub aufgewirbelt: Staubsauger, die eine Leistungskraft über 900 Watt aufweisen, wird es ab September 2017 nicht mehr im Handel geben. Mit dieser Regelung will die EU-Kommission einen Beitrag zum Energiesparen leisten (die NRZ berichtete). Die öffentlichen Reaktionen haben allerdings erkennen lassen, viele Bürger denken: Lieber hätte die EU-Bürokratie sich diese neue Vorschrift sparen können. Was denken die Mülheimer?

Joachim Schweins ist Experte. Der Elektromeister hat in seinem Geschäft am Rathausmarkt natürlich unzählige Staubsauger-Modelle vorrätig. Die meisten von ihnen liegen mit ihrer Watt-Zahl über der 900er-Grenze. 1200 ist etwa ein üblicher Wert. Für die meisten Kunden sei die hohe Watt-Zahl ein Richtwert, von dem sie die Qualität des Staubsaugers ableiten würden. „Und entsprechend produzieren die Hersteller eben auch ihre Geräte“, so Schweins. „Ich als Fachmann sage aber: Es kommt überhaupt nicht so sehr auf die Watt-Zahl an. Entscheidend ist schließlich die Saugkraft. Und diese Leistungskraft hängt an der Qualität der Motor-Konstruktion. Dann kann man auch mit einem 900er-Modell gut arbeiten.“ Und gemäß dieser Devise berate er auch seine Kunden: „Es wurden auch schon Versuche von der Stiftung Warentest durchgeführt, die das bestätigt haben.“

Mehrzahl sei auf Watt-Zahl fixiert

Nur die Mehrzahl sei eben auf die Watt-Zahl fixiert. „Ich hatte im Laden mal ein Modell von einer großen Firma. Das lag tatsächlich bei 900 Watt. Dieser Staubsauger war mit dem Ziel entwickelt worden, Energie zu sparen. Die Saugkraft war gut. Aber die Kunden wollten diesen Staubsauger einfach nicht kaufen.“ Entsprechend habe der Hersteller reagiert. Und auch er müsse im Laden natürlich den Kundenwünschen folgen. Aber grundsätzlich bleibt der Fachmann dabei: „Ich halte die Regelung für umsetzbar.“

Wie denken Praktiker darüber? Brigitte Block ist die bekannteste Leihoma der Stadt. Und Omas sind natürlich auch immer erfahrene Hausfrauen. „Mein Modell hat 1200 Watt. Aber ich muss zugeben, dass ich da gar nicht so drauf geachtet habe. Mir war wichtiger, dass er rot ist.“ Sie hat noch Erinnerungen daran, wie sie als Kind zusammen mit ihrer Schwester den Teppich mit der Bürste bearbeiten musste. „Ein Staubsauger ist da schon eine echte Erleichterung. Nur früher haben die länger gehalten. Ich hatte einen mal 15 Jahre lang.“

"Haare setzen sich in Teppich-Struktur fest"

Ihr praktischen Erfahrungen hat auch Ileanne Bichler gesammelt. Sie betreibt einen Hundesalon. Wie saugt man die Haare der Vierbeiner am besten auf. „Die Watt-Zahl halte ich nicht für entscheidend. Ich habe ein Modell, wo man am Sauger vorne eine Bürste befestigen haben. Das funktioniert am besten. Vor allem bei Hunde mit wolligem Haar, Pudeln etwa. Dann setzen sich die Haare in der Teppich-Struktur fest.“ An der Brüsseler Entscheidung stört sie allerdings schon: „Warum soll es keine Entscheidungsfreiheit geben?“

 
 

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