Wahlkampf beginnt im Gymnasium

Cäcilia Tiemann
Die Redezeit ist auf exakt eine Minute begrenzt. Das
Die Redezeit ist auf exakt eine Minute begrenzt. Das
Foto: WAZ FotoPool
Welche Fragen brennen Mülheimer Schülern unter den Nägeln? Die Schüler der Karl-Ziegler-Schule durften die Lokalpolitiker nun mit Fragen zu Themen wie Ruhrbania, Straßenbahnen oder Ampelschaltungen löchern.

Mülheim. Welche Fragen brennen Mülheimer Schülern unter den Nägeln? Was möchten sie von den Lokalpolitikern vor ihrer ersten Wahl wissen? Denn für junge Menschen ab 16 Jahren steht in diesem Jahr die Kommunalwahl an, im kommenden Jahr folgt die Oberbürgermeisterwahl. Die Schüler der Sozialwissenschaftskurse der Jahrgänge 11 und 12 der Karl-Ziegler-Schule machen es sich einfach und laden, mittlerweile im zweiten Jahr, Spitzenpolitiker aller Fraktionen zu sich ein, damit sie ihnen Rede und Antwort stehen.

Damit möglichst viele profitieren, füllen 250 Schüler die Aula, um das Spektakel, die lokale Elefantenrunde namens „High Noon, das bessere Argument gewinnt“, zu verfolgen. Sowi-Lehrer Wolfgang Bramorski ist stolz: „Meine Schüler haben die Veranstaltung völlig selbstständig vorbereitet, obwohl ich auch darauf bestehe, dass die Tagesschau geguckt wird.“ So begeben sich Vivien Ferencz, Sven Mentgen, Nils Wolff und Hannah Weißner zu den Politikern aufs Podium und beginnen um Punkt 12 Uhr ihre Fragen zur Lokalpolitik zu stellen. Die Redezeit des Einzelnen wird bei einer Minute gestoppt, dann fällt die Klappe. Anwesend sind die Kandidaten Cevat Bicici (WIR), Dieter Wiechering (SPD), Franziska Krumwiede (Bündnis 90 / Die Grünen), Lothar Reinhard (MBI), Peter Beitz (FDP) und Markus Püll (CDU).

„Bemühen allein reicht nicht“

In der ersten Frage geht es um das globale Thema Feinstaub. Ob das in der Lokalpolitik eine Rolle spiele, denn die Ampelschaltung funktioniere nicht gut und die Autos stünden oft im Stau. Die Tendenz der jeweiligen Politiker, den Schülern zu antworten, bleibt von Frage zu Frage ähnlich. Die Politiker der SPD und CDU formulieren wohlklingende Antworten, verweisen auf Anstrengungen der Politik und aktuelle Verkehrsführungspläne und bemühen sich um Optimismus. Dieter Wiechering: „Wir sind dabei, die Verkehrsführung in der Innenstadt neu zu organisieren.“; Markus Püll: „Man muss versuchen, allen gerecht zu werden.“ Die einzige Frau und mit 28 Jahren jüngste Kandidatin, Franziska Krumwiede von den Grünen, antwortet primär umweltbewusst und in jugendlicher Wortwahl. „Bemühen allein reicht nicht“, bemerkt sie zum stockenden Verkehrsfluss. „Mir fällt die rote Welle auch auf, vor allem als Radfahrerin“.

Lothar Reinhard, MBI, ist mit vielem nicht zufrieden: Die Verkehrsführung sei seit den 1980er-Jahren eine Katastrophe. Er betont bei vielen Antworten die jahrelangen Bemühungen seiner Partei. Peter Beitz von der FDP äußert sich knapp und sachlich, spricht von nur 3 %, mit denen Autos in den Innenstädten am Feinstaub-Problem beteiligt seien. Cevat Bicici setzt in seinen Antworten oft auf den sozialen Aspekt, spricht von umweltschonender Verkehrsreduzierung durch Verbesserung des Nahverkehrs. So wollen die Schüler wissen, warum Bus und Bahn sich oft verspäten (Krumwiede: „Klar, das nervt! Macht doch selber Verbesserungsvorschläge!“), warum es wenig Angebote für junge Menschen gibt (Bicici: „Junge Menschen müssen sich mehr einbringen“, Wiechering: „Es müssen Bedarfe ermittelt und Rahmenbedingungen geschaffen werden.“) oder warum für die Innenstadt inklusive Kaufhof keine Lösung in Sicht ist?

Auch interessiert sie, ob sozial benachteiligte Stadtteile gefördert werden müssen. So geht es Schlag auf Schlag. Dem Applaus der 250 Schüler nach zu urteilen, kommen alle Äußerungen gegen Ruhrbania gut an. „Vielleicht, weil dafür so viel Geld ausgegeben wurde und es ansonsten an Vielem fehlt“, sucht Moderatorin Vivien eine Antwort. Letztlich steht jedes Ein-Minuten-Statement für sich, Diskussionen unter Schülern und Politikern kommen nicht zustande. Wie auch immer die Jugendlichen mit den Antworten umgehen, „das Wichtigste“, so Schulleiter Magnus Tewes, „ist, dass sie zur Wahl gehen“.