Wärmer Wohnen

Der Sommer kann für Familie Schulze kommen. Sie wohnt in einer der energetisch sanierten Wohnungen der SWB in Saarn und weiß seitdem: „Wenn es draußen richtig heiß ist, haben wir es schön kühl“, sagt Christa Schulze. Sie wohnt schon lange in der Siedlung, fühlt sich dort wohl, weil es „hier so schön grün ist. Wir haben eine gute Nachbarschaft und man kann den Sohn hinterm Haus spielen lassen, weil man ihn im Blick hat“, erklärt die junge Mutter. Vor zwei Jahren ist sie mit ihrer Familie in die frisch sanierte Wohnung gezogen. Das neue Bad, der neue Fliesenspiegel in der Küche und die frisch gestrichenen Türen sind schön. Aber effektiv ist die energetische Sanierung. Nicht nur im Sommer. „Die merken wir an den Heizkosten, da haben wir schon eingespart“, sagt die Mülheimerin, die in einem der Vorzeigeviertel der SWB wohnt. In Saarn hat die Mülheimer Service- und Wohnungsbaugesellschaft rund 500 Wohnungen energetisch saniert und den Häusern dabei nicht nur einen frischen Anstrich verpasst oder die Fenster und Fassaden wärmegedämmt. In Zusammenarbeit mit der Medl wurden die Wohnungen über ein Blockheizkraftwerk an ein Nahwärmenetz angeschlossen. Zwölf Millionen Euro wurden in die Modernisierung der aus den 1950er/60er Jahren stammenden Häuser investiert – und dabei ökologische und ökonomische Aspekte vereint.

31 Millionen Euro investiert

„Als kommunales Wohnungsbauunternehmen müssen wir bei den steigenden Energiekosten gut überlegen, wie wir modernisieren“, erklärt Ulf Lennermann, Geschäftsführer der SWB. Seit 2005 hat die Mülheimer Service- und Wohnungsbaugesellschaft rund 31 Millionen Euro in die energetische Sanierung von insgesamt 1400 Wohnungen gesteckt – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass seit 2000 die Energiekosten von 100 auf 210 Prozent gestiegen sind. Doch wann lohnt sich eine derart aufwändige Sanierung? Wann geht die Kosten-Nutzen-Rechnung auch für den Mieter auf? Elf Prozent der Modernisierungskosten können die Eigentümer theoretisch auf die Mieter umlegen, was bei den Kosten oft bis zu drei Euro pro Quadratmeter ausmachen könnte. „Doch das können wir nicht machen. Wir haben eine Durchschnittsmiete von 5,20 Euro, da können wir nicht einfach um drei Euro erhöhen. Wir müssen mit Augenmaß an die Sache gehen“, erklärt Lennermann mit Blick auf die Mieter. Wirtschaftlich ist das oft ein Spagat. Klar sei: Bei Häusern, die in den 50er Jahren gebaut worden sind und noch gänzlich ohne Wärmedämmung sind„müssen wir energetische Modernisierungen prüfen.“ Da würde sich das aber auch schnell für den Mieter rechnen. Bei Häusern aus den 90er Jahren beispielsweise, die schon nach damaligem Stand gedämmt sind, sieht das eventuell schon anders aus.

Derzeit wird in Heißen saniert

Oft muss es aber auch gar nicht immer die große Sanierung sein. Manchmal kann schon ein Umdenken der Mieter dazu beitragen, die Kosten zu senken. „Ein warmer Herd neben einen Kühlschrank zu stellen, ist nicht gerade energiesparend“, nennt Christina Heine, Sprecherin der SWB, ein Beispiel. Ein Umdenken könne auch schon bei einer Steckerleiste, die sich ausschalten lässt, anfangen. „Doch wir sind darauf angewiesen, dass der Mieter Gewohnheiten auch ändern will und müssen überlegen, wie wir die Mieter erreichen“, sagt Ulf Lennermann. Noch immer gebe es auch den Klassiker, die Fenster im Winter zum Lüften aufzumachen und die Heizung dabei anzulassen. Da bringe dann auch die energetische Sanierung wenig.

Derzeit saniert die SWB 220 Wohnungen in Heißen. 9,5 Millionen investiert sie hier. Ende 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen und auch diese Wohnungen an ein Blockheizkraftwerk angeschlossen sein. Manchmal müssen sich die Mieter auch erst an die sanierten Wohnungen gewöhnen, wie Christina Heine erzählt: „Eine ältere Mieterin sagte, die Heizung sei kaputt, weil sie nicht heiß werde.“ Es warm zu haben, ohne Wärme mit den Händen zu fühlen – das konnte sie sich nicht vorstellen.

EURE FAVORITEN