Vom Leid eines Menschen, der zum Mörder wird

Maria Neumann auf dem Altar in der Kirche Christ-König.
Maria Neumann auf dem Altar in der Kirche Christ-König.
Foto: Ruth Bamberg
Maria Neumann spielt Georg Büchners Woyzeck in der katholischen Kirche Christ-König. Auf Anfrage auch in ihrer Wohnung.

Mülheim.. „Rot, Blut, Uh . . . bin ich etwa ein Mörder?“, fassungslos über sein eigenes Tun steht Woyzeck da. Maria Neumann lässt Kunstblut über den steinernen Altar fließen, an der Wand erscheint überdimensional die stilisierte Dornenkrone – rot angestrahlt. Als Woyzeck 1824 hingerichtet wird, stößt er ein letztes Gebet aus: „Vater, heiliger Vater, ich komme. Herzlichen Dank, dass Du mich trotz der Schuld würdigst, Dein zu sein“: Leise und in sich gekehrt spricht die Schauspielerin diese Worte, das Blut tröpfelt, Saxophon-Klänge schwellen dramatisch an, dann Stille – einhalten und aushalten. In Personalunion spielt Maria Neumann alle Rollen, Woyzeck, seine geliebte Marie, die er aus Eifersucht erstach, den Hauptmann, den Arzt und den Tambourmajor. Das Fragment von Georg Büchner zählt zu den meistgespielten Dramen der deutschen Literatur an den Theatern. Ungewöhnlich ist diesmal der Aufführungsort mit der Kunst-Kirche Christ-König in Bochum.

Musikalische Dissonanzen

Woyzeck, der einfache Soldat, wurde zu medizinischen Versuchszwecken missbraucht, von allen gedemütigt, wurde sowohl psychisch wie auch physisch krank. Eines Tages kam er zur Erkenntnis, dass ein Messer mehr kann, als nur den Hauptmann zu rasieren, dessen Diener er war, um Geld für seine Freundin Marie und das uneheliche Kind zu verdienen. Maria Neumann spielt dieses verlorene Geschöpf in all seiner Zerrissenheit und Verzweiflung, Derbheit und Verwirrtheit authentisch mit ungeheurer Bühnenpräsenz. Ihr intensives Spiel entwickelt Sogwirkung. Die Dissonanzen, die vielen dunklen und wenig hellen Momente dieses Menschen am Abgrund, werden musikalisch durch Saxophon und Klarinette (Markus Emanuel Zaja), Klavier und Orgel (Matthias Geuting) unterstrichen. 60 Minuten, die lange nachhallen.

Nach Hiob, einem Text aus dem Alten Testament, und Büchners Lenz ist Woyzeck das dritte Projekt, das die Schauspielerin, die am Theater an der Ruhr beheimatet ist, in Kirchen zeigt. Die Stücke spielt Maria Neumann auf Anfrage auch in ihrer Wohnung in Duisburg: 0203/ 35 14 10, www.mariahiob.de.

 
 

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