Völlig marode oder alles Märchen?

Undichte Dachflächen, zugige Fenster, überalterte Technik, fehlender Brandschutz, unzureichende Sanitäranlagen – die städtische Liste mit den Mängeln am VHS-Gebäude ist lang. Die Zweifel an der Sanierungsbedürftigkeit halten sich dennoch hartnäckig. Die Stadt will das Gebäude loswerden, die VHS verlagern; die Gegner kämpfen für den Erhalt und verweisen dazu jetzt auf durchaus gute Daten des Gebäudes – zum Beispiel auf den öffentlich ausgehängten Energieausweis.

„Es heißt immer, die VHS sei auch energetisch eine Katastrophe“, klagt Lothar Reinhard (MBI) und glaubt auch daran nicht: Der Heizenergieverbrauchskennwert beträgt 102,9 kWh, der Stromverbrauchskennwert 40,6 kWh. Das sei nahe am grünen Bereich und weitaus besser als der Wert in vielen anderen öffentlichen Gebäuden, so Reinhard. Als Zeugin dafür, dass das Gebäude weitaus besser ist als sein Ruf, benennen die Kritiker eines Abrisses auch die ehemalige Oberbürgermeisterin. Im September 2008 hatte sie eine Auszeichnung unterschrieben, in der die VHS als „Ökoprofit-Betrieb 2007/2008“ gewürdigt wird.

Ist die VHS nun marode oder ist alles nur ein Märchen? Je nach Aufwand soll eine Modernisierung zwischen sechs und 16 Millionen Euro kosten. Der städtische Immobilienservice stützt sich dabei auf Gutachter, die das Gebäude an der Müga unter die Lupe genommen hatten. Den Politikern liegt eine Auflistung der Mängel vor.

Zufrieden sind viele von ihnen mit der vorliegenden pauschalen Schadensbilanz nicht. „Wenn man das Gebäude tatsächlich sanieren wollte, müsste die Stadt das viel detaillierter darlegen und auch öffentlich machen – im eigenen Interesse“, sagt der Vorsitzende des Planungsausschusses, Dieter Wiechering. Er könne allerdings die Aussagen von Gutachtern nachvollziehen, dass der bauliche wie energietechnische Zustand den heutigen Anforderungen nicht mehr entspreche.

Die Politik steht unter Entscheidungsdruck. Bis Januar soll sie klären, ob die VHS verkleinert ins neue Schloßstraßenquartier ziehen soll. Die Stadt ist in der Frage gespalten. Viele Bürger würden den jetzigen Standort gerne erhalten, wünschten sich daher auch den Denkmalschutz. Im Rathaus hält man das für unbezahlbar.

Die CDU zitierte jetzt noch einmal aus einem Protokoll von 2014, wonach der städtische Immoblienservice eine Sanierung light zum Preis von 4,2 Millionen Euro für möglich hält. „Was uns bisher vorliegt, reicht bei weitem nicht. Das muss viel konkreter werden“, sagt der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Hansgeorg Schiemer. „Wir wissen nicht einmal, von wem die Gutachten zum Sanierungsbedarf sind.

Fakten fehlen auch den Grünen, sowohl zum jetzigen Bau als auch zum möglichen Neubau an der Schloßstraße. „Wir sind in der Diskussion und lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen“, sagt Tim Giesbert (Grüne). Klarheit erhoffen sich die Politiker auch vom inhaltlichen Zukunftskonzept zur VHS. Dies ist bisher nicht veröffentlicht.

 
 

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