Vielfalt oder zu viel des Guten?

Eines kann man über die Innenstadt jetzt nicht mehr sagen, dass es hier keine Cafes gäbe. Mit dem neueröffneten Alex an der Schloßstraße konkurrieren derzeit das benachbarte Leonardo und die Tapas-Bar Pinchos an der Leineweberstraße, das Mocca Nova am Löhberg, das Stadtcafé Sander und das Perfetto am Kohlenkamp, Ricks Café im Medienhaus und die Kaufbar am Dickswall um Kunden, die es sich bei Kaffee, Kuchen und anderen kleinen Köstlichkeiten gut gehen lassen wollen. Hinzu kommen Eiscafés, Bäckereien und Restaurants, in denen man es sich munden lassen kann. Bedeutet die neue Café-Dichte in der City Vielfalt, die Leben in die Stadt bringt bringt oder ist sie mit Blick auf den Branchenmix zu viel des Guten?

Euphorie, Ansporn und Skepsis

„Viele Cafés in der Innenstadt. Diese Entwicklung ist gut, weil Cafés wichtige Orte der Begegnung und Kommunikation sind. Und nur dort, wo sich Menschen treffen, kann neues Leben und können neue Ideen entstehen“, findet Roberto Ciulli vom Theater an der Ruhr. „Schön, dass wir jetzt eine echte Auswahl haben, wenn man sich mit Freunden in der Innenstadt treffen will. Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft“, meint Pfarrer Michael Manz. Rajesh Luthra, der das Leonardo und das Pinchos betreibt, sieht die neue Konkurrenz „positiv, weil sie uns wach macht und uns mehr Laufkundschaft in die Innenstadt bringt, wovon wir am Ende alle profitieren.“ Auch Anke Großenbeck, vom Stadtcafé Sander, glaubt: „So lange die Innenstadt belebt wird, ist das für uns alle gut.“ Großenbeck, die sich auch andere neue Geschäfte und einen mit neuem Einzelhandel belebten Kaufhof wünscht, weist darauf hin, „dass die parallele Existenz unterschiedlichster Cafés ja auch in anderen Innenstädten funktioniert und früher auch bei uns funktioniert hat.“

Auch Heike Blaeser-Metzger von der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft MST sieht die „Vielzahl der City-Cafés als positive Vielfalt, die mit der Konkurrenz das Geschäft und damit auch die Innenstadt belebt.“ Grundsätzlich ist sie davon überzeugt, „dass jedes Café sein ganz eigenes Stammpublikum hat und finden wird.“

Auch Dagmar Losemann findet die neue Café-Vielfalt in der City „nicht schlecht.“ Die 69-Jährige ist aber skeptisch, „ob Cafés alleine ausreichen, um die Innenstadt wieder ans Laufen zu bringen.“ Ihre 78-jährige Turnschwester, Johanna Meßner, kann sich vorstellen, dass das neue Café Alex „vor allem etwas für die Jugend ist.“ Sie selbst wünscht sich für die Innenstadt aber vor allem „mehr Einkaufsmöglichkeiten.“ Auch Zeitungshändlerin Dorothea Schaaf wünscht sich vor allem einen neuen Lebensmittelladen an der unteren Schloßstraße und eine Wiederbelebung des Kaufhofes, damit die Menschen in der Innenstadt ihren täglichen Bedarf decken können. „Ich gönne jedem seinen Erfolg“, betont Schaaf. Sie sieht aber auch, dass sich die Cafés in der City inzwischen knubbeln „und jeder ein größeres Stück vom Kuchen abhaben will, der insgesamt immer kleiner wird.“

Die 34-jährige Johanna Vonscheidt glaubt, „dass wir jetzt, genug Cafés in der City haben.“ Tendenziell sind es ihr sogar eher zu viele. Ihr Wunsch für die Innenstadt wäre „interessanter Einzelhandel und vor allem etwas neues in den Kaufhof hineinzubringen.“ Die 75-jährige Gerlinde Boes sagt: „Ich bin zwar keine Café-Gängerin. Ich war aber schon im Alex. Und es hat mir gut gefallen und man kann nur hoffen, dass es das neue Café schafft, die Innenstadt zu beleben.“ Auch Ingrid Ben Achmed (65) findet die neuen Cafés „grundsätzlich gut, weil sie neues Leben in die Innenstadt bringen.“ Für Ines Kenning (61) „kann das Alex mit seiner durchgehenden Küche ein Gewinn für die Innenstadt sein, die sonst abends oft, wie ausgestorben wirkt.“ Für sie ist es mit Blick auf die Hochschule Ruhr-West wichtig in der Innenstadt Treffpunkte zu haben, die auch ein jüngeres Publikum anziehen. Und wenn dann noch einige neue Einkaufsmöglichkeiten dazu kämen, wäre die Innenstadt aus ihrer Sicht schon wieder ein lohnendes Ziel. „Neue Cafés sind allemal besser als leerstehende Landenlokale“, findet ein älteres Ehepaar aus Eppinghofen. „Die Innenstadt zu beleben ist gut, aber an jeder Ecke ein Café ist auch nix. Wichtiger wären Geschäfte und ein Kaufhof, in dem man etwas für den täglichen Bedarf einkaufen kann. Denn nicht jeder hat ein Auto oder Geld für eine Fahrkarte, um zum Beispiel ins Rhein-Ruhr-Zentrum zu fahren“, meint die 82-jährige Erika Gemza. „Ein paar Cafés sind ja ok. Aber inzwischen haben wir in der Innenstadt zu viele Cafés. Was hier fehlt sind zum Beispiel Geschäfte, in denen man schicke Klamotten, Kinderspielzeug oder auch Brautmoden kaufen könnte“, sind sich die 18-jährigen Schülerinnen Stefanie Dörr und Gioa Wohlgefahr einig. Und die 58-jährige Monika Eisenblätter hat generell nichts gegen Cafés in der Innenstadt, wundert sich aber schon darüber, „dass es hier jetzt Cafés en masse gibt, man aber für den täglichen Einkauf kilometerweit laufen muss.“ Das, so meint sie, sei vor allem für ältere Bewohner der Innenstadt oft kaum zu schaffen.

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