Viele Hotelbetten in Mülheim bleiben leer

Pirkko Gohlke

Mülheim. Ein Minus verzeichnen die Mülheimer Hotels für das letzte Jahr: Um 8,3 Prozent gingen die Gästeübernachtungen von 173.079 im Jahr 2010 auf 158.638 im Jahr 2011 zurück – in anderen Nachbarstädten ist der Verlust geringer. Unter der Woche kommen hauptsächlich Geschäftsreisende, am Wochenende oft die Flaute.

Moncef Mahmoudi sitzt in dem Sessel in der fünften Etage des Best Western Hotels im Forum. Seit 2003 ist er hier Direktor. 51 Zimmer hat das Haus unter der blau-gelben Dachmarke und kann bis zu 102 Personen beherbergen. „Mülheim ist extrem auf Geschäftsleute ausgerichtet.“ Die bleiben leider selten über das Wochenende. „Tourismus ist kaum vorhanden“, weiß der Hotelchef: „Es fehlen Veranstaltungen besonders am Wochenende.“

Stärkstes Minus in Mülheim

Er blickt über die Stadtgrenze nach Oberhausen: Dort würden die Übernachtungszahlen auch steigen, weil touristisch mehr geboten werde, etwa mit Musicals, Centro oder Sea Life. Bis auf die Hoteliers in Oberhausen würde in den anderen Städten, Mülheim oder Duisburg, in den Herbergen an Wochenenden „Däumchen gedreht“.

Zwar gab es auch in Duisburg und Essen einen Rückgang der Übernachtungen – in Duisburg um 1,6 Prozent und in Essen um 4,1 Prozent. Doch ein so starkes Minus wie in Mülheim verzeichnen diese Kommunen nicht. In Oberhausen stieg die Zahl der Übernachtungen sogar um 37,7 Prozent.

Große Hotels fehlen

Mahmoudi hat aber noch eine andere Erklärung für den Gästerückgang: 2011 war ein schwaches Messejahr in Düsseldorf und Essen – denn auch davon profitieren die Hoteliers in Mülheim, etwa wenn in den Messestädten alle Betten ausgebucht sind. Spielt das Kulturhauptstadtjahr vielleicht auch eine Rolle beim Rückgang? Mahmoudi verneint, er erklärt, die Mülheimer Hotels hätten eher weniger vom Kulturhauptstadtjahr mitgekriegt.

Die Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST) kümmert sich um die Anfragen von Veranstaltern, die etwa Tagungen, Kongresse oder Sportveranstaltungen in Mülheim organisieren möchten. Ein Problem: Oft wollen die Veranstalter ihre Teilnehmer auf möglichst wenige Hotels verteilen, sprich, am liebsten in einem oder zwei großen Gästehäusern unterbringen. Die fehlen in Mülheim. Das größte Haus in der Stadt hat 70 Zimmer.

"Als Marketing-Chefin bricht mir das das Herz"

Es seien „so 20 Veranstaltungen, die wir nicht bekommen, weil die Hotelkapazität nicht da ist“, erklärt Inge Kammerichs, MST-Geschäftsführerin. So sagte aus diesem Grund auch ein großer Automobilhersteller einen Kongress ab. Viele Veranstalter wollen, dass die Teilnehmer in der Stadt wohnen, in der sie tagen. Dass es sich beim Ruhrgebiet um eine zusammengewachsene Region handele, in der man schnell von der einen in die andere Stadt kommt, wissen Auswärtige selten. Kammerichs erzählt: Erst gestern hatte sie eine große Reisegruppe, die nicht in Mülheim übernachten konnte. „Als Marketing-Chefin bricht mir das das Herz.“

„In den Nachbarstädten gibt es eine große Anzahl von großen Tagungshotels, die den Mülheimer Hoteliers das Leben schwer machen“, nimmt Thomas Kolaric von der Dehoga die Region in den Blick. Ob sich der Bau eines großen Hotels in Mülheim lohne? Kolaric ist zurückhaltend, er denkt auch an die kleinen Häuser, denen es dann vielleicht schlechter gehen würde.

Pläne ad acta gelegt

Überlegungen, ein großes Hotel zu errichten, gab es bereits im Zuge der Planungen zu Ruhrbania. Diese wurden ad acta gelegt. Dass Thema sei kein neues, weiß auch Thomas Kolaric von der Dehoga. Hätte sich ein derartiges Projekt gelohnt, hätte sich dies sicher in der Hotelbranche rumgesprochen, sagt er.

Gerade laufen einige Badminton-Spieler durch den Flur in der fünften Etage des Best Western Hotels auf dem Weg zu den Badminton German Open. Mamoudi blickt ihnen nach: „Wir sind an diesem Wochenende sehr gut belegt. Eine Seltenheit.“