Viel Sonne und wenig Satire beim Rosenmontag in Mülheim

Beim Rosenmontagszug in Mülheim waren nur wenige Motivwagen unterwegs. Foto: Andreas Köhring
Beim Rosenmontagszug in Mülheim waren nur wenige Motivwagen unterwegs. Foto: Andreas Köhring
Foto: WAZ FotoPool
Der Rosenmontagszug in Mülheim ging mit viel Helau und Kamelle über die Bühne, aber nur wenige Motivwagen waren unterwegs. Obwohl es genug streitbare Themen gab, traute sich der Mölmsche Karneval nicht so recht, die Dinge beim Namen zu nennen.

Mülheim. An Karneval ist alles anders. Die Laune ist gut, das Wetter besser als sonst und selbst der missmutige Nachbar wird zum Freund. Höhepunkt der tollen Tage ist der Rosenmontagszug.

In Mülheim kommt dieser fast ohne Motto aus: Auffallend viele Wagen in Schiffform, eine Strandbude mit „Ruhrfeeling“ und Delfine sorgen für ein maritimes Bild. „Die fünfte Jahreszeit ist ein Genuss. In Mülheim/Ruhr, der Stadt am Fluss“ prangt auf dem ersten Wagen, greift damit das Meer-Thema auf – und klingt wenig witzig, darin kann man kaum ein satirisches Motiv lesen. Überhaupt sieht es aus, als traue sich der Mölmsche Karneval nicht so recht, die Dinge beim Namen zu nennen.

Nur wenige Motivwagen fahren im Zug mit 30 Wagen: Ein Schwan aus Pappmaché sitzt im umgekippten Teich aus dem Witthausbusch, eine (mutmaßliche) Angela Merkel steht neben dem deutschen Michel auf der „Monopolis“, um das griechische Finanzchaos aufzugreifen.

Lokalpolitischen Zunder bietet nur ein einziger Wagen, der sich mit der heftigen Diskussion um die Gemeinschaftshauptschule Bruchstraße beschäftigt: Ein Hürdenlauf über „Parteiengezank“ „Stadtrat“ und „Versprechungen“ zeigt den politischen Hindernislauf, den die Schulgemeinschaft in den letzten Monaten erlebt hat.

Warum nur ein einziger Wagen eine wirkliche Botschaft hat, bleibt ein Rätsel, gibt es in Mülheim doch genug Themen, die als jecke Aufreger geeignet sind: die hochtrabenden Ruhrbania-Pläne, die von Leerständen geplagte City, der Plan, der Stadt einen Leitspruch zu geben, die Debatten um Flughafen und Stromkonzession, nicht zuletzt: der Verkehrsumbau. So bleibt der Rosenmontagszug ein harmloser Treck, von dem ordentlich Kamelle fliegen.

Schöne Kinderkostüme

Vom Präsidentenwagen werfen Heiner Jansen und Renate aus der Beek bunte Bälle, „Mölm boowenaan“ schmeißt mit kleinen Plüsch-Hündchen. Die Narren schreien besonders laut „Uss Mölm: Helau!“, als der Prinzenwagen vorbeifährt, denn standesgemäß ist das Prinzenpaar besonders großzügig. Mit Kostümen machen dabei nur wenige Jecken auf sich aufmerksam: Hier ein Häschen, da ein Huhn, viele Besucher sind unverkleidet. Richtig kreativ sind dagegen viele Eltern, die ihre kleinen Kinder in Pferde-, Drachen- oder Tigerkostüme gesteckt haben. Eine knappe Stunde dauert es, bis der Zug die Kaiserstraße heruntergerollt ist, bis alle Wagen und Spielmannszüge vorbeigezogen sind. Abgesehen von ein paar Konfetti-Schnipseln sieht es kurz danach so aus, als sei es ein ganz normaler Montag gewesen.

 
 

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