Via-Verbund noch in der Spur

Die Geburt war in dem Fall gar nicht so schwierig, das Aufwachsen dagegen schon. Der gemeinsame Verkehrsverbund Via – von Essen, Mülheim und Duisburg – könnte nach sechs Jahren scheitern.

In Essen ist längst zu hören, dass die Verkehrsgesellschaft Via quasi nicht über die Pubertät hinauskommt, eine abgespeckte Version könnte überleben. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), Wolfgang Michels (CDU), spricht von „einer Katastrophe für das Ruhrgebiet“, wenn das einträte. „In den Hinterköpfen von Politikern im Land und Bund könnte sich der Eindruck sich verfestigen: „Die sind zu blöd im Ruhrgebiet, um zusammen zu arbeiten“, so Michels.

Via, vor sechs Jahren gegründet, sollte helfen, den Nahverkehr in den Städten nicht nur besser, sondern vor allem auch durch die Zusammenarbeit deutlich wirtschaftlicher zu machen. Knapp sieben Millionen Euro konnten bereits jährlich durch eingespart werden. Warum es nicht weitergeht? Die Blockierer sieht Michels bei der Evag. „Es wollen manche nicht von alten Machtstrukturen loslassen. Konkret wird Michels: Wenn die Duisburger ein erfolgreiches Konzept für die Personal-Dienstleistungen haben, dann sollen sie es doch für alle drei Verkehrsgesellschaften machen. Wir fänden das gut.“

Daniel Mühlenfeld (SPD), Mitglied im Aufsichtsrat von Via, sieht den Verbund keineswegs am Ende. Er verweist auf das Gespräch der drei Oberbürgermeister, die noch im Januar die weitere Entwicklung von Via verkündet haben. Mühlenfeld selbst ist überzeugt, dass Via ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft hat. Nach dem Aus der Straßenbahn-Verlängerung zum Centro Oberhausen wäre es aus seiner Sicht ein weiteres schlechtes Zeichen, wenn auch dieses Verkehrsprojekt den Bach hinunter ginge: „Am Ende geht es hier auch darum, ob eine sinnvolle Verkehrspolitik im Ruhrgebiet überhaupt möglich ist.“ Hindernisse sieht er darin, dass einige wenige an ihrer „Hausmacht festhalten“. Verzichten, um gemeinsam zu gewinnen – darum, so Mühlenfeld, gehe es jetzt.

Dieses Machtbewusstsein und die Angst, dass Posten wegfallen könnten, sind für Axel Hercher, Verkehrspolitiker der Grünen, die Hauptübel. Dabei sei der finanzielle Druck durch die hohen Verluste für alle Drei extrem hoch. „Hilfreich wäre, wenn sich jetzt noch einmal alle Betriebsräte und Aufsichtsräte zusammensetzen.“ In der Privatwirtschaft, so ein Spitzenvertreter im Mülheimer Rathaus, wären solche Betriebe längst pleite. Größter Fehler sei: „Es wird nicht vom Kunden her gedacht, sondern man redet vor allem über sich selbst.“ Was Via fehle, so der externe Rat, sei Sachverstand jenseits des ÖPNV.

 
 

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