VHS-Plan setzt Politik unter Druck

Attraktive Lage an der Müga: die Volkshochschule aus der Luft. Mancher sieht in dem Gebäude eine Art Wahrzeichen von Mülheim.
Attraktive Lage an der Müga: die Volkshochschule aus der Luft. Mancher sieht in dem Gebäude eine Art Wahrzeichen von Mülheim.
Foto: www.blossey.eu
Die mögliche Verlagerung der Mülheimer VHS ins Stadtquartier Schloßstraße wirft noch viele Fragen auf.

Mülheim. Die Politik muss in der Weihnachtszeit klären, ob sie dem Vorschlag der Stadtverwaltung, die VHS ins neue Stadtquartier Schloßstraße – heute noch Kaufhofgelände – zu verlagern, folgen will. Ende Januar soll der Rat entscheiden. Der Investor des neuen Quartiers will dann wissen, ob er Seniorenwohnungen oder Seminarräume planen soll. Die ersten Reaktionen der Politiker liegen zwischen Charme und Ablehnung.

„Wir haben den Vorschlag mit Interesse aufgenommen, aber es gibt noch reichlich Fragen zu klären“, sagt der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Hansgeorg Schiemer. Unter anderem will die CDU Einblick in das Konzept der Stadtverwaltung, wie die VHS in Zukunft in der Stadt arbeiten soll. Das Konzept, auf das man seit gut zwei Jahren wartet, soll inzwischen im Rathaus vorliegen.

Einer, der sich spontan positiv äußert, ist der Fraktionschef der FDP, Peter Beitz: „Der Plan, die VHS am Ruhrbania-Ufer unterzubringen, gefällt mir.“ Die Einrichtung sei dort gut angebunden, hätte ausreichend Platz. Eine entscheidende Frage für Beitz ist: Was wird aus dem jetzigen „Bunker“ VHS, der möglicherweise unter Denkmalschutz gestellt wird? Eine Hoffnung: Ein Investor kauft das Objekt der Stadt ab und entwickelt ein schönes Wohnquartier. Die Lage gilt als „Sahnestück“, auch bei auswärtigen Projektentwicklern.

Verlagerung als "sehr gute Lösung"

Für den Vorsitzenden des städtischen Planungsausschusses, Dieter Wiechering (SPD), wäre die Verlagerung eine sehr gute Lösung. „Die VHS läge noch zentraler, der Nahverkehr hält vor der Tür, im Untergeschoss gibt es Parkplätze.“ Wichtig für ihn: „Wir könnten das nur im Rahmen einer Paketlösung machen.“ Heißt: Sollte die VHS ins neue Stadtquartier ziehen, müsste es gleichzeitig eine Lösung für den jetzigen Bau geben. „Wir können uns dort nicht wieder auf Jahre einen Leerstand wie beim Kaufhof leisten“, sagt Wiechering und sieht die Politik unter Druck.

Die Debatte in den nächsten Wochen wird nicht emotionslos verlaufen. Die Bürgerinitiative „Erhalt unserer VHS in der Müga“, die sich vor gut einem Jahr im Zuge des möglichen Abrisses der VHS zugunsten einer Sparkassen-Akademie gegründet hatte, hält weiterhin an dem Standort fest: „Die Idee, die VHS zu verlagern, macht mich sprachlos“, sagt eine der Sprecherinnen der Initiative, Inge Ketzer. Die Stadt sollte nicht weiter ihr „Tafelsilber“ verkaufen, warnt sie und hält gerade den jetzigen Standort, eingebettet ins Grün der Müga, sehr förderlich für eine Bildungsarbeit. Ihr Appell: „Die Stadt sollte endlich das Gebäude sanieren.“

Ähnlich äußern sich die MBI, die die Initiative stark unterstützen: „Ich halte von Idee gar nichts. Man sollte die VHS dort belassen und sie nicht auf die oberen Etagen zwischen Betreutes Wohnen und Fitness-Center packen“, sagt Lothar Reinhard (MBI). Er ist seit jeher überzeugt, dass hinter der VHS in der Müga ein großer Teil der Bürgerschaft steht. „Man sollte die Bürger entscheiden lassen“, sagt er auch heute.

Bis heute misstrauen einige Politiker und Bürger den Zahlen, die die Stadt zum Sanierungsaufwand der VHS vorgelegt und die ein Gutachter bestätigt hat: Zwischen sechs und 16 Millionen wären nötig. Für sechs Millionen ließen sich, so der städtische Immobilienservice, lediglich die gesetzlichen Bestimmungen etwa zum Brandschutz umsetzen. In seiner Prioritätenliste hat der Rat der Stadt die VHS-Sanierung nicht als vordringlich eingestuft. Schulen, Bäder, das Museum gehen vor.

Wirtschaftlicher als Sanierung

Die Rechnung der Wirtschaftsförderer und Immobilienfachleute ist einfach: Eine Anmietung wäre in jedem Fall wirtschaftlicher als eine umfassende Sanierung.

Die Kosten sind ein Punkt, den die Politiker noch diskutieren wollen: „Einen Quadratmeterpreis von zwölf Euro halte ich für happig“, sagt Carsten Voß (Grüne) und errechnet eine Jahresmiete im Schloßstraßen-Quartier von 460 000 Euro. Allerdings sagt er: Der Vorschlag hat „Attraktivität“, gerade die Innenstadtlage. Die Grünen fragen aber auch: Gibt es Alternativen? Was hat die Stadtverwaltung noch geprüft? Schnelle Antworten sind erwünscht.

 
 

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