Versicherung kündigt Mülheimerin nach Schadensmeldung

Wer eine Gebäudeversicherung mehrmals in Anspruch nimmt, muss mit einer Kündigung rechnen.
Wer eine Gebäudeversicherung mehrmals in Anspruch nimmt, muss mit einer Kündigung rechnen.
Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb
Wer mehrere Schäden in kurzer Zeit meldet, kann die Kündigung erhalten. Und: Die Suche nach einem neuen Versicherer kann problematisch werden.

Mülheim.. Überrascht wurde Sonja M. vom Schreiben einer Versicherungsgesellschaft: Diese kündigte ihr kurz und knapp die Wohngebäudeversicherung. „Dabei bestand dieser Versicherungsvertrag schon über 20 Jahre, nie war ein Schaden gemeldet worden. Nur nach Ela und einem nachfolgenden Sturm haben wir drei kleine Reparaturrechnungen eingereicht“, berichtet sie. Insgesamt habe die Schadenssumme aber höchstens bei 600 Euro gelegen. Wieso also die Kündigung?

„Dass Versicherer ihren Kunden die Gebäudeversicherung kündigen, ist keine Neuigkeit und kommt häufiger vor. Viele wissen das nur nicht“, sagt Elke Weidenbach (Verbraucherzentrale NRW). Meist geschehe das, wenn mehrere Schäden kurz hintereinander gemeldet würden – unabhängig von der Höhe der Rechnungen. „Drei kleinere Fälle sind für den Versicherer mehr Arbeit als ein großer, die Verwaltungskosten sind höher“, so Weidenbach. Aus der Schadenshäufigkeit folgere man, dass künftig vermehrt Schäden auftreten könnten.

Neue Versicherer fragen Vorschäden ab

Die Krux bei einer Kündigung: Eine neue Gebäudeversicherung bei einer anderen Gesellschaft abzuschließen, ist nicht so einfach. Denn: Diese fragt die Vorschäden ab (aus den letzten fünf Jahren), fordert eventuell Zuschläge und lehnt Aufnahmeanfragen auch ab. Manchmal muss man mehrere Versicherungen abklappern, um wieder unterzukommen. „Es lohnt sich oft, mit der bisherigen Versicherung nachzuverhandeln. Diese verlängert gegebenenfalls doch – zum Beispiel, wenn eine höhere Selbstbeteiligung vereinbart wird“, sagt Weidenbach. Eine Gebäudeversicherung brauche jeder Hauseigentümer – zumindest, wenn eine Bank mit in der Finanzierung „steckt“.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt z.B. die DEVK, dass sie aus zwei Gründen Kündigungen ausspreche. Erstens: wenn der Vertrag sehr alt ist. „Das Haus wäre damit in der Regel unterversichert, womit ja alle Seiten unglücklich wären“, sagt Maschamay Poßekel, Pressereferentin der DEVK. Zweitens: nach Meldung von mehreren Schäden in kurzer Zeit (und wegen der gleichen Ursache). „Wenn mehrfach ein Leitungswasserschaden angegeben wurde, dann sind die Leitungen vermutlich alt und weiterhin anfällig“, so Poßekel. Eine Gebäudeversicherung sei eben für unvorhersehbare und nicht für vorhersehbare Fälle da.

Versicherungsbedingungen vergleichen

Die Zahl der Kündigungen halte sich jedoch in Grenzen: Von 1000 Verträgen würden bei der DEVK etwa drei gekündigt. „Vorher sehen wir uns aber die Schadensperspektive genau an. Es ist möglich, die Selbstbeteiligung zu erhöhen oder auch bestimmte Gefahren im Vertrag auszuschließen – und so eine Verlängerung zu ermöglichen“, sagt Maschamay Poßekel.

Wer eine neue Gebäudeversicherung abschließe, solle bei Stiftung Warentest die Versicherungsbedingungen vergleichen, denn es gebe Unterschiede, rät Verbraucherschützerin Elke Weidenbach. Und: Kleinere Gebäudeschäden der Versicherung lieber nicht melden, zumindest nicht kurz hintereinander.

 
 

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