Verschmelzen von Märchen und Realität

Was verbinden Sie mit Mülheim an der Ruhr?

Das Lungern im Eiscafé in der Fußgängerzone, aufgegebene Geschäfte, zu Parkhäusern umgewandelte Kaufhäuser, vernagelte Schaufenster. Alles muss raus.

Wovon erzählen Sie in „Wunsch und Wunder“?

Wenn man einen Wunsch hatte, hoffte man früher, eine Fee anzutreffen, heutzutage geht man zum Arzt. „Wunsch und Wunder“ spielt in einer Kinderwunschpraxis“ und behandelt die Verschmelzung von Märchen und Realität, Samen und Eizelle, Angebot und Nachfrage.

Wie war der Entstehungsprozess des Stücks?

Ich sammle dokumentarisches Material. In diesem Fall habe ich Biologen, Reproduktionsmediziner, Patienten und Spenderkinder getroffen, aber auch einen Arztroman und Sachbücher gelesen. Beim Schreiben entferne ich mich von der Realität. Ich versuche bestehende Strukturen, Problematiken und Denkfiguren in der Sprache abzubilden, irgendwann übernimmt der Text bis in das entsprechende Dickicht seiner selbst hinein.

Haben Sie eine Lieblingsstelle im Text? Und verraten Sie sie uns?

Stefan Schimmerle, der kinderlose, alleinstehende Biologe, der einem Patienten so ähnlich sieht, dass er immer wieder darauf angesprochen wird, ob er nicht eventuell doch der Zwillingsbruder sein könnte, wenn er es denn wäre: „Ich habe keinen Zwillingsbruder. Meine Verwandtschaft kannst du an einer verkrüppelten Hand abzählen. Mama, ihre Schwester, kinderlos, und ich.“

Ist unter den anderen nominierten Stücken eines, das Sie besonders interessiert oder das Sie besonders schätzen – und wenn ja, warum?

Leider liegen die Vorstellungen der Kollegenstücke sehr verstreut, so dass man als Autor kaum die Möglichkeit hat, sich die Inszenierungen anzuschauen. Ich müsste fünf Tage in Mülheim campieren, um „Die Schutzbefohlenen“ von Frau Jelinek zu sehen. Vielleicht mache ich das.

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