Vernunft der Vermieter gefragt

Mirco Stodollick

Der neue Mietspiegel für Mülheim liegt vor: Demnach ist seit 2012 im Schnitt eine Mietpreissteigerung von rund 3,5 % zu kalkulieren. Vermietern steht natürlich frei, ob sie die Preissteigerung an die Mieter weiterreichen. Nicht immer muss das lohnenswert sein.

Der neue Mietspiegel gilt für 2014 und 2015. Herausgegeben wurde er von einem eigens hierfür eingerichteten Arbeitskreis, bestehend aus dem Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein, den Wohnungsunternehmen Immeo, MWB und SWB, Mieterbund und Mieterschutzbund, dem hiesigen Bezirksverband im Ring Deutscher Makler sowie Fachämtern der Stadt.

Wesentlich am neuen Mietspiegel ist, dass er auf Basis des Preisindexes für die Lebenshaltung aller Privathaushalte in Deutschland fortgeschrieben wurde. So sind die bisherigen Werte des Mietspiegels um rund 3,5 % angehoben worden.

Der neuen Mietspiegeltabelle ist zu entnehmen, welche Quadratmeterpreise für bestimmte Wohnungstypen verlangt werden können. So liegt der Quadratmeter-Grundpreis für eine bis zu 50 m2 große Altbauwohnung (Baujahr bis 1948) je nach Lage bei 4,77 bis 7,06 Euro. Wohnungen aus dem Nachkriegsbestand (1949-62) bringen Vermietern weiter am wenigsten Miete. Je nach Lage und Wohnungsgröße schwankt der Quadratmeterpreis zwischen 4,59 und 6,91 Euro. Im Neubaubestand (ab 1990) können Vermieter bis zu 8,18 Euro/m2 verlangen, freilich nur in den besseren Wohnlagen. Immer gilt: Für besondere Ausstattungen (etwa einen Balkon) oder mindere Ausstattungsmerkmale (etwa fehlende Isolierverglasung) sind Zu- bzw. Abschläge zu berücksichtigen, die der Mietspiegel auch auf den Cent genau fixiert.

Kein Sand ins Getriebe streuen

3,5 % Steigerung im Mietspiegel – müssen sich Mülheims Mieter nun auf eine Mieterhöhung gefasst machen? Peter Nied, Geschäftsführer bei Immobilien Bagusat und Vertreter im Ring Deutscher Makler, hält dies nicht für zwingend. Vermieter, sagt er, sollten sich genau überlegen, ob sie mit einer Mieterhöhung gut fahren. „Bei einem guten Mietverhältnis, wenn seit Jahren pünktlich die Miete fließt, streut man unnötig Sand ins Getriebe.“ Ziehe ein Mieter aufgrund der Mieterhöhung aus, stehe die Wohnung nicht selten vorübergehend leer. Folge: Einnahmen bleiben ganz aus. Gleichwohl, so Nied, seien Mietpreiserhöhungen natürlich auch mal nötig.

Nied hält die Preissteigerung von 3,5 % im aktuellen Mietspiegel für moderat. Sie sei Ausdruck dafür, dass Mülheims Wohnungsmarkt beileibe nicht so eng sei wie etwa in Berlin, München, Hamburg oder Münster.

Dort fänden gar schwache Wohnungen in schwacher Lage Mieter. In Mülheim nicht.