Vernachlässigte Alleenpracht

Einzige Innenstadt-Allee: die Leineweberstraße. Die Politik bekommt nun eine Handlungsempfehlung von den Bürgern.
Einzige Innenstadt-Allee: die Leineweberstraße. Die Politik bekommt nun eine Handlungsempfehlung von den Bürgern.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Jetzt haben die Bürger für die Leineweberstraße in Mülheim ein Konzept geschrieben und fordern: Tempo raus, hohe Bäume raus – Blühendes und Flair rein. Der Einrichtungsverkehr soll aber bleiben. Die großen Platanen sind schon länger in der Diskussion.

Mülheim. Hermann Liekfeld, Arzt und Apotheker, blickt seit Jahrzehnten auf die Leineweberstraße. Früher war es stets eine der schönsten Straßen der Stadt, die einzige Innenstadt-Allee, die aber immer mehr vernachlässigt worden sei. Jetzt hat er mit einem Team von Bürgern ein Konzept für die Leineweber geschrieben, das die Politik auf den Tisch bekommt – zum Handeln. „Es ist immer nur geredet worden, passiert ist nichts.“

Die Forderungen sind eindeutig: Der Einrichtungsverkehr soll bleiben. „Wir haben jetzt schon hier viel zu viel Verkehr auf der Straße, vor allem Schwerlastverkehr“, sagt Liekfeld. Noch viel gravierender stuft er das Problem der Raser ein: Obwohl Tempo 20 gilt, werde die Mittelspur von Polizei, Feuerwehr und Notarztwagen als „Autobahn“ genutzt. „Mir kann keiner erzählen, dass das immer nötig ist.“ Höchst gefährlich sei dadurch die Leineweber geworden, die durch Tempo 20 fast Schrittgeschwindigkeit vortäusche.

Pflasterung sei voller Stolperfallen

Noch eine Gefahr machen die Bürger aus: die Pflasterung. Sie sei voller Stolperfallen. Der breite Bürgersteig auf der Nordseite müsse bleiben, die Aufenthaltsqualität durch Bänke und Blumen erhöht werden. Und: Die Arbeitsgruppe plädiert auch dafür, die Platanen zu entfernen und andere, kleinere, vielleicht auch blühende Bäume zu setzen. „Der Allee-Charakter soll in jedem Fall erhalten bleiben.“

Die hohen Platanen bilden seit Jahren ein dunkles Dach – und ein Politikum. Wer will daran gehen? Der Mülheimer Architekt Peter Schnatmann hatte bereits vor Jahren der Politik ein Konzept zur Leineweber vorgelegt. „Man hat hier das Gefühl, in einen Wald zu kommen und nicht auf einer Hauptstraße in der Innenstadt zu sein“, sagt er. Auch er hatte empfohlen, die riesigen Bäume zu entfernen und durch einen viel kleineren Kugelahorn zu ersetzen. Geworden ist daraus nichts.

"Bäume sind gesund“

In der Stadtverwaltung gilt das Thema als heißes Eisen. „Die Bäume sind gesund“, sagt ein Stadtsprecher, er fügt aber auch hinzu: „Sie hätten allerdings in der Vergangenheit auch gepflegt werden müssen.“ Das passierte nicht, und so wachsen die Riesen seit über 40 Jahren gen Himmel. Beschneiden sei jetzt kaum noch möglich. „Das wäre ein Tod auf Raten“, ist im Rathaus zu hören. Für Liekfeld ärgerlich: „Wir blicken hier doch nur noch vor kahle Stämme.“

In der Politik tut man sich auch schwer mit dem Fällen. Brigitte Erd, Vorsitzende des Umweltausschusses und Mitglied im Planungsausschuss, gesteht: „Als Umweltpolitikerin sage ich: Für jeden Baum müssten zwei neue Straßenbäume gesetzt werden.“ Und planungspolitisch? „Ja, die Straße ist zum Aufenthalt zu dunkel.“

 
 

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